Wiesbaden/Fulda. Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus überreichte heute virtuell den Bewilligungsbescheid in Höhe von 828.000 Euro aus dem Programm „Starke Heimat Hessen“ für das innovative „e-Risikomanagement Starkregenfrühalarmsystem“ an den Landrat des Landkreises Fulda, Bernd Woide. Das Konzept des Starkregenfrühalarmsystems beinhaltet die gebietsgenaue Alarmierung und Abwehr von Starkregen- und Sturzflutengefahren. Das System misst in Echtzeit Niederschlag, Pegelstände und Abflussverhalten und kombiniert diese Daten mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes (Radardaten, Gewitterzelldaten etc.). Bei Erreichen kritischer Werte alarmiert das System Verwaltung, Rettungskräfte und Bürgerinnen und Bürger per Web und App. „Das neue System belegt den hohen Nutzen der Digitalisierung, mit dem künftig Flutkatastrophen frühzeitig erkannt und drohende Schäden vermieden werden können. Da es keine vergleichbaren Projekte in Hessen gibt, erwarten wir ein hohes Transferpotenzial“, so Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.

Mittels Open Source werden Daten allen Behörden zur Verfügung gestellt

Durch die Beteiligung von 23 Kommunen und kreisfreien Städte wird eine Vielfalt von kommunalen Strukturen abgebildet und damit die Grundlage geschaffen, dass diese Anwendung übertragbar ist. Weitere Unterstützer im Projekt sind der "Runde Tisch GDI" sowie fachlich das Regierungspräsidium Kassel und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Während der Entwicklung soll die Umwandlung manueller Pegelmessung zu einer vollständig automatisierten Datenerhebung stattfinden. Mittels Open Source sollen die Daten allen Behörden im Landkreis zur Verfügung stehen. Ziel ist die Entwicklung eines intelligenten Werkzeugs als voll integrierte, bedienerfreundliche End2End-Anwendung im kommunalen Bereich. Das Projekt soll bis Ende Oktober 2023 abgeschlossen sein. In einem ersten Schritt erfolgt der Aufbau eines Sensormeters zur Datenerfassung, dann die Implementierung einer Datenplattform (Cloudaufbau) bevor die Bereitstellung des Daten-Cloudservice umgesetzt wird.

Bernd Woide, Landrat des Landkreises Fulda: „Der Landkreis Fulda ist eine Mittelgebirgsregion. Daher stellen uns Hochwasser- respektive Starkregenereignisse vor besondere Herausforderungen. Dieses Projekt soll uns in die Lage versetzen, diesen Herausforderungen mit digitaler Technik besser gerecht zu werden.“

Prof. Dr. Uwe Rüppel, Gutachter und Leiter des Instituts für Numerische Methoden und Informatik im Bauwesen an der TU Darmstadt: „Das beantragte flächendeckende, digitale und autarke Starkregenfrühalarmsystem auf Basis von Internet of Thinks (IoT)-Sensoren in einem LoRaWAN-Funknetz mit Vorhersagen basierend auf KI-Methoden (hier maschinelles Lernen) auf der Grundlage von Wetterradardaten, Satellitenbildern und IoT-Messergebnissen hat eine sehr große Relevanz und ist hoch innovativ. Der Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger als Open Source-Projekt mit niederschwelligen und nutzerfreundlichen Interaktions- und Ergänzungsmöglichkeiten ist sehr groß. Das Projekt im Themenbereich des Klimawandels und der Folgen ist insgesamt von großer Nachhaltigkeit im Hinblick auf die Sensibilisierung für das Thema und als Mittel zur Reduktion von erheblichen Sach- und Personenschäden.“

„Unser Ziel ist es, mithilfe digitaler Technologien das Leben der Bürgerinnen und Bürger sicherer und angenehmer zu gestalten, Ressourcen zu schonen, Inklusion und Teilhabe zu steigern“, sagte Digitalministerin Sinemus abschließend.

Hintergrund Programm „Starke Heimat Hessen“

Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Dazu zählen unter anderem Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung oder die Stärkung des ÖPNVs. Rund 20 Millionen Euro stehen jährlich von 2020 bis 2024 im Bereich der Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung zur Verfügung, die in drei Maßnahmen aufgeteilt sind. Jeweils vier Millionen Euro fließen von 2020 bis 2024 in die Digitalisierungsplattform Civento, die vom Land Hessen den Kommunen flächendeckend kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Die Plattform bildet einen zentralen Baustein für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes im kommunalen Bereich. Zudem können Kommunen darauf Anträge elektronisch bearbeiten – ein wichtiger nächster Schritt hin zur Volldigitalisierung der kommunalen Verwaltung. Weitere knapp 16 Millionen Euro wurden 2020 für die Verwaltungsdigitalisierung zur Verfügung gestellt. Und drittens werden von 2021 bis 2024 jeweils bis zu 16 Millionen Euro für die Förderung kommunaler Vorhaben verwendet, die innovative Projekte in Themenfeldern der Digitalisierung kommunaler Handlungsfelder im Sinne von Smart City / Smart Region betreffen. Projekte werden mit 100.000 Euro bis 2,5 Millionen Euro unterstützt – bei einer Förderquote von 90 Prozent und einer maximalen Laufzeit von zwei Jahren.

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