Mit Beginn der Osterferien nehmen 32 Schülerinnen und Schüler mit Sprachförderbedarf von 11 Frankfurter Schulen für zwei Wochen erstmalig am digitalen Camp-Format „Fit für die Zukunft - Deutsch als Bildungssprache“ teil. Dort bereiten sie sich via Smartphone und PC auf ihren Haupt- oder Realschulabschluss vor. Das Kooperationsprojekt des Hessischen Kultusministeriums, des Dezernats für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft wird vom Frankfurter Sozialunternehmen ZuBaKa (Abkürzung für Zukunftsbaukasten) umgesetzt. Das ursprünglich geplante analoge Osterferienprogramm wurde aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie innerhalb nur einer Woche in ein digitales Format überführt.

Für Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz ist gutes Deutsch das entscheidende Zugangstor zu einer erfolgreichen Bildungslaufbahn. „Nur wer seine Lehrer und Mitschüler versteht, kann dem Unterricht auch folgen. Je früher wir also mit der Förderung unserer Bildungssprache beginnen, desto größer sind auch die Chancen unserer Kinder, ihre Talente im Bildungssystem optimal entfalten zu können. Das Sprachfördercamp ‚Fit für die Zukunft‘ in den Osterferien trägt besonders dazu bei. Und in diesem Jahr haben alle Beteiligten – in ganz besonderen Zeiten – ein ganz tolles innovatives digitales Format ins Leben gerufen.“

Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler stammen alle aus Intensivklassen von weiterführenden Schulen in Frankfurt oder sind vor kurzem erst in die Regelklassen gewechselt. In digitalen Lerneinheiten werden sie dabei unterstützt, sich auf ihren Haupt- oder Realschulabschluss und den Übergang in den Beruf vorzubereiten. „Mit dem Ferienangebot helfen wir denjenigen, die es aufgrund von fehlenden Sprachkenntnissen schwer haben, den Schulabschluss gut zu bestehen“, sagt die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber. „Zu schon bestehenden sprachlichen Defiziten kommen die Probleme der letzten Wochen im Homeschooling, fehlende Hardware und vor allem mangelnde Unterstützungsmöglichkeiten Zuhause hinzu. Hier müssen wir gegensteuern und dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht alleine lassen.“

Thematische Schwerpunkte des Camps sind vor allem intensive Übungen im Prüfungsfach Deutsch. Nachmittags erfahren die Teilnehmer dann Interessantes zu Bewerbungsverfahren und Berufseinstieg, zudem geht es um Lernstrategien und die Stärkung des Selbstbewusstseins. Jeweils ein pädagogisch geschulter studentischer Betreuer, ein sogenannter „ZuBaKa-Scout“, begleitet eine Lerngruppe von fünf Schülern zwischen 14 und 18 Jahren, die sich mittels eines Gruppenchats über das Kommunikationstool „Signal” austauschen. Dort erhalten die Jugendlichen täglich entsprechend ihres Lern- und Sprachniveaus Materialien mit Aufgabenstellungen. Dabei wird auf ein Konzept zur Sprachförderung der ibbw-consult GmbH, einem Institut für berufsbezogene Beratung und Weiterbildung, zurückgegriffen.

Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, betont: „Sprachförderung ist ein Kernelement unserer operativen Stiftungsarbeit. Denn wir sind überzeugt, dass gesellschaftliche Teilhabe und schulischer Erfolg nur dann gelingen, wenn sprachliche Hürden abgebaut werden. Das große Engagement der Feriencamp-Teilnehmer bestätigt uns darin und zeigt, wie dankbar solche Angebote aufgenommen werden.“

Die Camp-Teilnehmer bearbeiten ihre Aufgaben eigenständig am heimischen Schreibtisch. Wer Unterstützung benötigt, kann seinen ZuBaKa-Scout jederzeit im persönlichen Videochat ansprechen und Fragen stellen. Die Arbeitsergebnisse werden per E-Mail dem Team von ZuBaKa eingereicht, dort korrigiert und den Schülerinnen und Schülern zurückgesandt. Anschließend besprechen die Camp-Betreuer per Videokonferenz oder Telefonat die kommentierten Ergebnisse mit den Teilnehmern. Das Projekt wird täglich durch Befragungen der Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte ausgewertet. Dabei stehen insbesondere der individuelle Lernfortschritt, die jeweilige Lernsituation, die Lernmotivation sowie der Umgang mit den digitalen Medien im Fokus. Die gewonnenen Erfahrungen sollen mögliche zukünftige digitale Angebote einfließen. „Wir sind begeistert, wie motiviert die Jugendlichen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen von zu Hause aus mitarbeiten. Unsere Erwartungen mit Blick auf diese eher schwer erreichbare Zielgruppe wurden deutlich übertroffen”, so Anna Meister, Geschäftsführerin von ZuBaKa. Früh morgens gingen bereits Anrufe von Teilnehmenden ein, die nachfragten, wann es im Gruppenchat nun endlich losgehe.

Das digitale Feriencamp „Fit für die Zukunft - Deutsch als Bildungssprache” ist ein Gemeinschaftsprojekt des Hessischen Kultusministeriums, der Stadt Frankfurt, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und dem Sozialunternehmen ZuBaKa. Es wird zu gleichen Teilen von allen Projektpartnern finanziert.

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