Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir haben am Donnerstag den Raumfahrtkoordinator der Hessischen Landesregierung vorgestellt. Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner wird diese Aufgabe ab 1. August wahrnehmen. Der frühere Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA und ehemalige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist der erste Raumfahrtkoordinator der Hessischen Landesregierung. „Prof. Dr. Wörner ist seit Jahrzehnten in der deutschen, europäischen und internationalen Raumfahrt eine bekannte und renommierte Persönlichkeit. Er verfügt durch seine ingenieurwissenschaftliche Ausbildung und seine bisherigen Tätigkeiten über eine hohe Expertise in der Raumfahrt und ein hervorragendes Netzwerk zu relevanten Akteuren im In- und Ausland“, sagte Bouffier am Donnerstag in Wiesbaden. „Hessen ist ein bedeutender europäischer Raumfahrtstandort. Mit dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC, der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der Europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten EUMETSAT sowie mit dem Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah) haben wir zentrale Player hier im Land. Diesen Standort gilt es zu sichern und auszubauen. Prof. Dr. Wörner ist der ideale Mann für diese Aufgabe“, machte Bouffier bei der Pressekonferenz klar.

Raumfahrtstandort Hessen gezielt weiterentwickeln

„Hessen hat eine lange Tradition in der Raumfahrttechnologie“, sagte Wirtschaftsminister Al-Wazir. „Präzisionsgetriebe aus Limburg flogen mit den Apollo-Missionen zum Mond, Sensoren aus Lahnau sind mit den Marsrovern über den roten Planeten gerollt, von Darmstadt aus werden die Satelliten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der Wettersatellitenorganisation EUMETSAT gesteuert. Von den Innovationen und technologischen Impulsen der Raumfahrt profitiert unser gesamter Standort – gleichzeitig vollzieht sich in der Branche ein dynamischer Wandel: Ehrgeizige Pläne werden formuliert, Privatunternehmen steigen ins Weltraumgeschäft ein, der internationale Wettbewerb verschärft sich. In dieser Situation kommt es darauf an, den Raumfahrtstandort Hessen gezielt weiterzuentwickeln, seine Akteure enger miteinander zu vernetzen und ihm ein nach außen wahrnehmbares Profil zu geben. Dafür ist Prof. Wörner mit seiner langjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet, seinen Kenntnissen und Kontakten die ideale Besetzung.“

Funktion des Hessischen Raumfahrtkoordinators

In seiner Funktion soll Wörner eine zukunftsfähige Raumfahrtstrategie für das Land entwickeln, die alle maßgeblichen Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Forschung, technologischer Entwicklung, Bildung, Wirtschaft und Industrie sowie die in Hessen beheimateten nationalen und internationalen Organisationen eng einbindet und stärker miteinander vernetzt. Die Aktivitäten der einzelnen Ressorts der Hessischen Landesregierung wird Wörner koordinierend unterstützen und gewinnbringend mit anderen Akteurinnen und Akteuren und Branchen im Land zusammenbringen. Zudem soll er gegenüber dem Bund und der Europäischen Union wirksam für den Raumfahrtstandort werben und die bisherigen Aktivitäten der Landesregierung zur nachhaltigen Stärkung des Raumfahrtstandortes Hessen fortführen. „Hessen verfügt über viele Kompetenzen im Raumfahrtbereich. Ich freue mich daher darauf, durch die Gestaltung einer kohärenten Raumfahrtstrategie für das Land zu einer verstärkten Vernetzung der Akteure und zur Schaffung von wichtigen Synergien beitragen zu können“, sagte Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner zu seiner neuen Aufgabe.

Bouffier machte bei der Vorstellung des Raumfahrtkoordinators zugleich die Bedeutung der Raumfahrt für die Menschen und den Alltag deutlich. „Ohne Raumfahrt gäbe es keine genauen Wettervorhersagen, keine Navigationssysteme, kein Satellitenfernsehen und keine Live-Berichterstattung. Die Raumfahrt sichert uns den Zugang zu wichtigen Informationen und Daten, wie die genaue Uhrzeit und Positionsbestimmung durch GPS und Galileo. Sie ermöglicht die Übermittlung von Daten und Informationen im Bereich der Satellitenkommunikation. Und wir können uns auf Klimamodelle stützen, die auf Basis von Daten aus der Raumfahrt entstehen. Die Raumfahrt ist für unser modernes Leben und eine funktionierende Industriegesellschaft unverzichtbar geworden. Auch und besonders hier in Hessen“, sagte Bouffier. Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen sowie Industrieunternehmen mit den unterschiedlichsten innovativen Produkten, Anwendungen und Dienstleistungen tragen ebenso zur Bedeutung des Raumfahrtstandortes Hessen bei, wie wissenschaftliche Institute und Einrichtungen an hessischen Hochschulen oder im Bereich der außeruniversitären staatlichen Forschung.

Wettervorhersagen, Erdbeobachtung und Klimamodellierung

„Da die Bestrebungen der EU-Kommission, die Aufgaben der neu gegründeten Europäischen Agentur für Raumfahrt EUSPA auszuweiten, dazu führen werden, dass die Zuständigkeiten der eigenständigen, internationalen und von vielen europäischen und nichteuropäischen Staaten getragenen Europäischen Raumfahrtagentur ESA und deren Institute nach und nach reduziert würden, ist es wichtig, gerade jetzt das Profil des Raumfahrtstandortes Hessen zu stärken. Mit den am ESOC wahrgenommenen Aufgaben im Bereich der satellitengestützten Erd- und Umweltbeobachtung, der Weltraumwissenschaft, der Weltraumsicherheit, der Überwachung von Weltraummüll sowie der Weltraumlageerfassung besitzt das Zentrum ein unverwechselbares Alleinstellungsmerkmal in Europa. Dieses dauerhaft zu sichern und auszubauen ist die Absicht der Hessischen Landesregierung“, sagten Bouffier und Al-Wazir. EUMETSAT trage ebenfalls seit Jahrzehnten mit seinen unterschiedlichen Satellitensystemen zur Überwachung des Wetter- und Klimageschehens bei und ermögliche genaueste Wettervorhersagen, Erdbeobachtung und Klimamodellierung. „Diese Aufgabe erfährt gerade jetzt infolge des zunehmenden Klimawandels eine hohe Bedeutung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die hessischen Institutionen stärken und die Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Anwendung vorantreiben. Mit Prof. Dr. Wörner haben wir den richtigen Mann zur richtigen Zeit, der die dafür wichtigen Maßnahmen umsetzen wird“, so Bouffier und Al-Wazir. Durch die Unterstützung für das Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah GmbH) als ESA Business Incubation Centre in Darmstadt (ESA BIC) fördere die Hessische Landesregierung bereits seit Langem die Entwicklung von Wertschöpfung im Bereich der Raumfahrtanwendungen und -dienste. Zahlreiche Unternehmungsgründungen in Hessen seien auf die enge Kooperation mit ESOC und EUMETSAT zurückzuführen.

Hintergrund

Außer Hessen haben nur die Bundesregierung sowie Bayern, Baden-Württemberg und Bremen einen eigenen Koordinator für Raumfahrt bzw. für Luft- und Raumfahrt. Der Hessische Raumfahrtkoordinator ist direkt in der Hessischen Staatskanzlei angesiedelt und wird durch eine Geschäftsstelle bei seiner Aufgabe unterstützt. Mit der Benennung des Hessischen Raumfahrtkoordinators setzt die Hessische Landesregierung einen Punkt des Koalitionsvertrages um. In diesem bekennt sie sich zur Stärkung des Raumfahrtstandortes Hessen.

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