„Nur wer seine Lehrer und Mitschüler versteht, kann dem Unterricht auch folgen. Deshalb widmen wir uns vor allem in der Grundschule künftig noch stärker der Förderung von Sprache und Schrift“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute im Landtag anlässlich einer Debatte zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch. „Mit unseren Sprachfördermaßnahmen schaffen wir über alle Schulformen und Bildungsgänge hinweg die Voraussetzung, damit Kinder und Jugendliche ihre Potenziale entfalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.“

Auch Eltern sind gefordert

In der Schule könne aber nicht all das aufgefangen werden, was vorher versäumt worden sei, so Lorz weiter. „Schule ist nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft. Auch Eltern sind gefordert, wenn es darum geht, Kindern wichtige Kompetenzen für ihren schulischen und beruflichen Werdegang zu vermitteln.“ Um die große sprachliche Heterogenität der Schülerinnen und Schüler in den Fokus zu rücken, habe die Landesregierung daher im vergangenen – vom hessischen Vorsitz in der Kultusministerkonferenz geprägten – Jahr bewusst einen Schwerpunkt auf die Stärkung der Bildungssprache Deutsch gelegt. „Die hessische Präsidentschaft hat uns die einmalige Gelegenheit gegeben, unser Anliegen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die aktuellen Debatten um die Bedeutung der Rechtschreibkompetenz von Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, dass wir damit einen Nerv getroffen haben.“

An solider Rechtschreibung führt kein Weg vorbei

Bei WhatsApp auf eine Nachricht zu antworten, ohne großartig über Rechtschreibung und Interpunktion nachzudenken, sei in unserer schnelllebigen Gesellschaft durchaus nachvollziehbar, ergänzte der Minister. „Die damit einhergehende grundsätzliche Nachlässigkeit beim Schreiben ist es aber nicht. Sich gänzlich in die Obhut von digitalen Korrekturprogrammen zu begeben, halte ich deshalb für verfehlt. An einer soliden Rechtschreibausbildung führt auch künftig kein Weg vorbei.“

Der Förderbedarf zeige sich sowohl bei Kindern aus Familien, in denen überwiegend die Herkunftssprache verwendet werde, als auch bei solchen, die in einem deutschsprachigen Elternhaus aufwüchsen, so Lorz. „Wer sagt, Förderbedarf bestehe nur bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, der irrt.“ Zum Abschluss der hessischen Präsidentschaft haben die Länder daher einen 10-Punkte-Plan mit Empfehlungen für Schulen auf den Weg gebracht, der explizit alle Schülerinnen und Schüler in den Blick nimmt und konkrete Praxishinweise zur Sprachförderung gibt.

Mehr Deutschunterricht, verpflichtende Vorlaufkurse

Auch wenn in Hessen schon viel erreicht worden sei, bleibe mit Blick auf den Koalitionsvertrag in den kommenden Jahren noch einiges zu tun. „Wir ergänzen zum kommenden Schuljahr den Unterricht in der Grundschule um eine Stunde Deutsch, entwickeln unseren Grundwortschatz zum korrekten Erlernen der deutschen Sprache weiter und machen Vorlaufkurse vor der Einschulung ab 2021 für all jene verpflichtend, die Förderbedarf haben. Die für die zusätzlichen Lehrerstellen notwendigen Haushaltsmittel nehmen wir gerne in die Hand. Denn jedes Kind hat die beste Förderung verdient – und das von Beginn an“, so Lorz abschließend.

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