Ministerpräsident Volker Bouffier hat bei der zentralen hessischen Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zur Erinnerung und Wachsamkeit aufgerufen: „Die während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft begangenen Gräueltaten markieren einen Tiefpunkt in der gesamten Menschheitsgeschichte. Der heutige Gedenktag an das unvorstellbar Grausame mahnt uns zu einer besonderen Verantwortung, die schrecklichen Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten zu lassen und aus ihnen Lehren für unsere Zukunft zu ziehen. Unter diesen Teil unserer Geschichte darf niemals ein Schlussstrich gezogen werden. Wenn wir im kommenden Mai den 70. Geburtstag unserer Republik begehen, dann ist auch klar, dass die Geschichte davor und der Umgang mit ihr untrennbarer Teil unserer deutschen Identität geworden sind“, so Bouffier in der Frankfurter Paulskirche.

Bei der Gedenkstunde rief der Hessische Regierungschef dazu auf, einen Zukunftsdialog zu führen: „Auch die künftigen Generationen müssen sich mit der Geschichte befassen, mit Zeitzeugen sprechen, Gedenkstätten besuchen oder sich bürgerschaftlich mit Projekten der Erinnerungskultur beschäftigen. Das wird in Zukunft noch herausfordernder sein. Denn mit einer abnehmenden Zahl an Zeitzeugen verlieren wir auch an Authentizität in Erinnerung und Aufarbeitung. Hier sind Ideenreichtum und Kreativität im digitalen Zeitalter gefragt, um junge Menschen für historische Entwicklungen und deren Wirkungen zu sensibilisieren. Im Sinne unserer Identität und im Gedenken an alle Opfer plädiere ich für einen stärkeren Dialog, der in Schulen, Universitäten und genauso in Vereinen und Elternhäusern geführt werden soll, wie auch in der politischen Bildung, den Medien oder in Kultureinrichtungen. Für die Zukunft unserer Demokratie ist diese Erinnerungs- und Gedenkarbeit von außerordentlich großer Bedeutung. Wer ermessen kann, was Unfreiheit bedeutet, der wird die Freiheit mit mehr Engagement verteidigen. Das Ziel muss sein, den Blick zu schärfen, um die Gefahren von Rassismus und Totalitarismus in ihren Anfängen zu erkennen. Deshalb sind antisemitische Stimmungen, Übergriffe oder Handlungen schon in ihren Anfängen abzuwehren. Und das werden wir tun, Hessen duldet keinen Antisemitismus“, sagte Ministerpräsident Bouffier.

Maßnahmen gegen Antisemitismus fortführen

Auch die neue Landesregierung werde mit dem Beauftragten des Landes für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus ein deutliches Zeichen setzen, für gesellschaftliches Bewusstsein werben und Maßnahmen gegen Antisemitismus fortführen.

Hintergrund

Seit dem Jahr 2005 ist der 27. Januar Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Es ist der Jahrestag der Befreiung der Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee vor 73 Jahren. In der Zeit von 1940 bis 1945 wurden dort zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen ermordet. Die meisten von ihnen waren europäische Juden.

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