Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Beauftragte des Landes Hessen für das jüdische Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Uwe Becker, sehen die Rolle des Zentralrats der Juden für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft als wichtiger denn je an.

„Gerade in einer Zeit, wo Hass und Hetze zunehmen und Antisemitismus wieder Konjunktur hat, ist es wichtig, dass sich die Stimme des Zentralrats der Juden lautstark erhebt und entschieden gegen diese Entwicklungen vorgeht“, betonten Bouffier und Becker anlässlich der Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland vor 70 Jahren am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main.

Gemeinsam gegen Hass und Hetze

„Nur mit vereinten Kräften und einem konsequenten Vorgehen können wir es schaffen, Hass und Hetze aus unserer Gesellschaft zurückzudrängen und ein respektvolles Miteinander zu leben“, so Bouffier und Becker. Insbesondere der Beginn der Corona-Pandemie habe gezeigt, dass unsere Gesellschaft funktioniere und Empathie, Solidarität und Hilfsbereitschaft keine theoretischen Konstrukte sind.

„Die Gründung des Zentralrats der Juden vor 70 Jahren in Frankfurt am Main gehört zu den bedeutenden Wegmarken in der Geschichte der damals jungen Bundesrepublik. Sie hat die Grundlagen für eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der jüdischen Gemeinschaft und den Vertretern von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland gelegt“, betonten Ministerpräsident Volker Bouffier und der Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker.

Als Dachorganisation vertritt der Zentralrat der Juden in Deutschland die politischen und gesellschaftlichen Interessen von 23 Landesverbänden und 105 jüdischen Gemeinden mit rund 100.000 Mitgliedern und gehört heute zum öffentlichen Leben in Deutschland.

„Nach dem millionenfachen Völkermord an den Juden aus ganz Europa und der nahezu vollständigen Auslöschung des jüdischen Lebens in Deutschland hat der Zentralrat der Juden grundlegend dazu beigetragen, dass jüdische Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wieder eine Heimat gefunden haben“, würdigte Ministerpräsident Bouffier die Aufgaben des Zentralrates, die sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert haben.

Verständnis von Juden und Nichtjuden

Während es in den ersten Jahren nach der Gründung vor allem um Fragen der Wiedergutmachung des nationalsozialistischen Unrechts ging, rückten später der Kampf gegen den Antisemitismus, die Unterstützung einer Annäherung zwischen Deutschland und dem Staat Israel und die Förderung der Arbeit der Mitgliedsgemeinden und Landesverbände in den Mittelpunkt. „Der Zentralrat der Juden ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil für das gegenseitige Verständnis von Juden und Nichtjuden in Deutschland und Hessen“, betonte Bouffier.

„Wer sich darüber bewusst ist, wie schwer die Anfänge jüdischen Lebens in Deutschland und in Hessen nach der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung der Juden war, der kann heute ermessen, welches Wagnis und welche Herausforderung die Gründung des Zentralrates war“, sagte der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für das jüdische Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Uwe Becker, anlässlich der Gründung des Zentralrats vor 70 Jahren in Frankfurt am Main.

„Wir sind in Frankfurt und in Hessen stolz auf die Gründung des Zentralrates, die aufgrund der historischen Entwicklung und der bestehenden jüdischen Strukturen in Frankfurt am Main vollzogen wurde“, betonte Becker, der auch Bürgermeister von Frankfurt ist.

Seit 1951 hat der Zentralrat seinen Sitz in Düsseldorf, seit 1985 in Bonn und seit dem 1. April 1999 in Berlin, wo die Hauptverwaltung im Leo-Baeck-Haus untergebracht ist.

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