Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich heute für die Auszeichnung mit der Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen bedankt. „Ich nehme die Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen 2020 mit großem Dank entgegen, und ich sehe diese Auszeichnung als Ansporn, auch in Zukunft Geschichte und Kultur der Heimatvertriebenen sowie ihre europäische Verankerung zu einem wichtigen Aspekt meiner Politik zu machen“, sagte der Ministerpräsident am Freitag in Berlin. Dort wurde ihm die Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen 2020 vom Präsidenten des Bundes der Vertriebenen, Dr. Bernd Fabritius, überreicht.

Die Vertriebenen hätten Hessen immens bereichert und zum Zusammenwachsen des Bundeslandes nach dem Krieg beigetragen. „Viele Vertriebene brachten aus ihrer alten Heimat ganz spezifische Fertigkeiten mit, die es so in Hessen noch gar nicht gegeben hatte – vom Musikinstrumentenbau in Nauheim bis zur Glaserzeugung in Hadamar. Unsere heutige starke mittelständische Wirtschaft in Hessen hat hier ihren Ursprung“, unterstrich Bouffier. „Wir sind heute – ein Dreivierteljahrhundert später – all diesen Menschen zu großer Dankbarkeit verpflichtet. Sie schufen eine neue Heimat und mit ihrem Zusammenwachsen die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens: Das, was Hessen heute ist, kann man nur verstehen, wenn man sich mit der Geschichte der Menschen damals beschäftigt“, so der Regierungschef. „Ohne die Leistung beim Aufbau unseres Landes derer, die gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten, wäre nicht erklärbar, wo wir heute stehen.“ Die Erinnerungen müssten „wach gehalten werden“, denn sie „betreffen uns alle“. Dass Hessen seit 1999 das Amt eines Landesbeauftragten beziehungsweise einer Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler habe, zeige, dass Hessen dieses Thema „sehr ernst“ nehme.

Die Auszeichnungsbegründung hier im Wortlaut:

„Volker Bouffier hat sich in besonderem Maße um die vom Bund der Vertriebenen vertretenen Menschen und deren Anliegen verdient gemacht. Es ist insbesondere seinem persönlichen Einsatz zu verdanken, dass die traditionell in fruchtbarem Boden wurzelnde vertriebenenpolitische Arbeit im Land Hessen in den letzten Jahren sowohl noch tiefere Wurzeln schlagen als auch frisch austreiben konnte. Von der Einführung eines Landesgedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation gemeinsam mit Bayern und Sachsen, die zum Vorbild für einen bundesweiten Gedenktag wurde, über die Verankerung des Themas Flucht und Vertreibung in den Hessischen Kerncurricula für die Sekundarstufen I und II bis hin zur Stärkung der thematisch zuständigen Regierungsbeauftragten und zur verbesserten finanziellen Förderung der Vertriebenen und ihrer Verbände: Überall ist die Handschrift eines Ministerpräsidenten und eines Menschen erkennbar, der ganz selbstverständlich überzeugt davon ist, dass Flucht und Vertreibung zur gesamtdeutschen Geschichte gehören – und dass es bis heute gilt, die Menschen in Hessen mit den Vertriebenen und ihren Verbänden, mit den Landsmannschaften, mit dem historischen deutschen Osten und den von dort stammenden Menschen vertraut zu machen.“

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