Die Weiterentwicklung des landesweiten Konzepts für die Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler bildet in der laufenden Legislaturperiode einen besonderen Schwerpunkt der hessischen Bildungspolitik. Nachdem Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz bereits im Juli eine Kooperationsvereinbarung mit der Karg-Stiftung zur fachlichen Weiterentwicklung von Schulen und der besseren Vernetzung mit der Schulpsychologie in der Begabungs- und Begabtenförderung geschlossen hatte, folgte am vergangenen Freitag ein weiterer wichtiger Baustein: Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Deutschen Zentrums für Begabungsforschung und Begabungsförderung (DZBF), Dr. Sebastian Renger, unterzeichnete Minister Lorz eine Vereinbarung zur Durchführung des Projekts „Potenziale profilieren“, das darauf abzielt, Lehrkräfte an Pilotschulen in ihrer Beratungstätigkeit für begabte Schülerinnen und Schüler weiterzubilden. „Wer das Potenzial junger Menschen wecken will, muss es zunächst einmal erkennen können“, erklärte Kultusminister Lorz. „Genau dort setzt unsere Zusammenarbeit mit dem DZBF an. Denn ohne geschulte Mentorinnen und Mentoren an unseren Schulen bleiben die Talente sprichwörtlich in den Kinderschuhen stecken.“

Ermittlung von Lernkompetenzen und Lernpotenzialen

Die pädagogisch-psychologische Weiterbildung für Lehrkräfte wird vom DZBF seit dem Jahr 2009 bundesweit angeboten. In Hessen sollen bis Ende 2023 insgesamt 54 Lehrkräfte an ausgewählten Pilotschulen zu Beratungslehrkräften weiterqualifiziert werden. Vorbild dafür ist die Internatsschule Schloss Hansenberg, an der bereits ein solches Mentoren- und Beratungskonzept etabliert ist. Mit der Weiterbildung erwerben die teilnehmenden Lehrkräfte die Lizenz zur selbständigen Durchführung der Potenzialanalyse TOP (Trainingsgestützte Osnabrücker Potenzialdiagnostik), einem computerunterstützten Instrumentarium zur Ermittlung von Lernkompetenzen und Lernpotenzialen, das den persönlichen Entwicklungsstand bestimmter für das Lernen, Entscheiden und Erbringen von Leistungen wesentlicher Fähigkeiten erfasst. Am Ende der Qualifizierung sollen die teilnehmenden Lehrkräfte in der Lage sein, sich am Aufbau dauerhafter schulischer Beratungsstrukturen mit Erfahrungen und eigenen Angeboten zu beteiligen. Der Geschäftsführer des DZBF, Dr. Sebastian Renger, ging näher auf die Inhalte der Qualifizierungsreihe ein: „In der Weiterbildung zum ‚Begabungspsychologischen Lernbegleiter‘ werden wir uns Themen einer persönlichen Begabungsförderung anschauen. Lange Zeit wurde das Begabungsthema in einem Spannungsfeld zwischen Intelligenz und Leistung behandelt, wobei wir immer wieder an Grenzen kamen, wenn eine Potenzialentfaltung erschwert war. Jede Begabung benötigt eine individuelle Förderung, denn keine Persönlichkeit gleicht einer anderen. Durch ganz bestimmte Prozesse und Ebenen in der Beziehung zur Schülerin beziehungsweise zum Schüler kann die Lehrkraft diese Unterstützung leisten, so dass Lern- und Entwicklungsprozesse mit einem höheren Bewusstsein von Fähigkeiten verlaufen können. Die begabungsstärkende Haltung werden wir im Rahmen der Weiterbildung durch den Einsatz der Potenzialanalyse TOP, durch eine ressourcenorientierte Betrachtung der Fähigkeiten der Schülerin beziehungsweise des Schülers sowie mit der Persönlichkeit der Lehrkraft weiter ausbauen.“

„Mit dem Projekt ‚Potenziale profilieren‘ fügen wir einen weiteren wichtigen Baustein in unser Gesamtkonzept zur Begabungs- und Begabtenförderung in Hessen ein. Ich danke dem Deutschen Zentrum für Begabungsforschung und Begabungsförderung sehr für sein Engagement und bin schon gespannt auf die ersten Erfahrungsberichte der teilnehmenden Lehrkräfte“, hielt Kultusminister Lorz abschließend fest.

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