Am 1. Oktober 1969 hat die Justizvollzugsanstalt Darmstadt offiziell ihre Arbeit aufgenommen. War die Anstalt zu Beginn eine Untersuchungshaft- und Strafanstalt, ist sie heute eine reine Strafanstalt mit 425 Haftplätzen. Sie ist insbesondere für die Vollstreckung von Haftstrafen von bis zu 24 Monaten aus dem Landgerichtsbezirk Darmstadt zuständig.

Bedeutung des Strafvollzuges

In ihrem Grußwort anlässlich des Festaktes zum 50-jährigen Bestehen der Anstalt ging die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann heute auf die Bedeutung des Strafvollzuges in einem demokratischen Rechtsstaat ein. „Bereits kurz nach Eröffnung der Anstalt, im April 1970, erhielt die Anstalt den Namen „Fritz-Bauer-Haus“. Dieser große Name des Mannes, der als Generalstaatsanwalt Hessens unverdrossen und gegen viele Widerstände die strafrechtliche Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen maßgeblich betrieb, war von Beginn an auch Verpflichtung für die JVA Darmstadt. Denn der humane Strafvollzug, der natürlich auch den Schutz der Bevölkerung im Blick hat, aber eben auch dem Ziel der Wiedereingliederung von Strafgefangenen in die Gesellschaft verpflichtet ist, ist eine Errungenschaft, die wir uns erst unter der Geltung des Grundgesetzes erarbeitet haben. Justizvollzug ist Teil der Gesellschaft, und in unserer Gesellschaft gelten die Grundwerte unseres Grundgesetzes. Das war und ist der Anspruch unserer Vollzugsarbeit.“

Resozialisierung und Wiedereingliederung

„Heute sind die Vollzugsziele der Resozialisierung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft nicht nur in den hessischen Vollzugsgesetzen festgeschrieben, sondern sie sind ein Markenzeichen unseres Rechtsstaats geworden. Wir bereiten auf ein straffreies Leben nach der Haft vor. Das ist unser Auftrag und unser Programm für jeden Inhaftierten von Beginn an. Dazu gehören Aus- und Weiterbildungen, schulische Bildung aber auch die Pflicht zur Arbeit. Der deutsche Strafvollzug gilt deshalb international als Vorbild und darauf können wir auch ein Stück stolz sein“, so die Justizministerin.

„Mit unseren zahlreichen Maßnahmen wollen wir dazu beitragen, dass weitere Opfer von Straftraten gar nicht erst entstehen. Denn Straftäter, die in ihrer Haftzeit vielleicht eine Berufsausbildung oder die Schule abgeschlossen haben, werden sich in der Welt außerhalb des Vollzuges besser zurechtfinden. Jedes Opfer was wir auf diese Weise verhindern können ist ein Erfolg unserer Arbeit“, so Kühne-Hörmann weiter.

Dank an die Bediensteten

„Es ist mir ein Bedürfnis, mich bei allen Bediensteten der Anstalt für ihren Beitrag zu bedanken. Nicht nur bei den Aktiven, sondern auch, gerade heute, bei denen, die in den letzten 50 Jahren in der Anstalt gearbeitet und mitgewirkt haben. Justizvollzug ist eine Gemeinschaftsaufgabe. 24 Stunden, 365 Tage im Jahr den Betrieb einer Anstalt aufrecht zu erhalten, ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Schichtdienste, unvorhergesehene Ereignisse, ständige Aufmerksamkeit: Das ist eine fordernde Tätigkeit. Die Aufgaben des Strafvollzuges haben sich dabei in den letzten Jahrzehnten, aber vor allem auch in den letzten Jahren ganz erheblich geändert. Strafvollzug ist eben auch eine Echokammer der Gesellschaft. Gesellschaftliche Phänomene, wie zum Beispiel der Extremismus sind immer auch Themen innerhalb der Haftanstalten. Extremisten hören nicht auf Extremisten zu sein, wenn sie rechtskräftig verurteilt werden. Diese, aber auch andere Phänomene, fordern unsere ständige Aufmerksamkeit, denen wir mit Fortbildung für die Bediensteten, mehr Personal und Programmen wie dem Netzwerk Deradikalisierung im Strafvollzug (NeDiS) aktiv begegnen“, so die Justizministerin.

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