Justizministerin Eva Kühne-Hörmann hat heute Herrn Harald Wack zum Präsidenten des Verwaltungsgerichts Gießen ernannt. Er folgt ab 1. März 2019 auf Frau Johanna Domann-Hessenauer, die im letzten Jahr in den Ruhestand getreten ist.

Dem neuen Präsidenten gratulierte die Justizministerin: „Sehr geehrter Herr Wack, Sie übernehmen eine große Aufgabe in Gießen. Auch wenn die Eingangszahlen im Bereich Asyl hessenweit mit 8.596 Haupt- und 3.302 Eilverfahren im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich rückläufig sind (2017: 25.803 Haupt- und 3.959 Eilverfahren), wird die Bearbeitung der noch anhängigen Asylverfahren weiterhin einen großen Schwerpunkt der Arbeit der Verwaltungsgerichte einnehmen. Erstmals seit Einsetzen der Flüchtlingsbewegung, können wir aber mit 11.196 erledigten Verfahren im Jahr 2018 mehr Asylverfahren innerhalb eines Jahres abschließen, als neue Eingänge zu verzeichnen waren. Wir bauen den Berg ab und sind auf einem guten Weg.“, so Kühne-Hörmann.

„Die Herausforderungen an den Verwaltungsgerichten werden deshalb aber nicht weniger. In den letzten Jahren wurden viele neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt, neue technische Möglichkeiten in der Kommunikation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eingeführt und viele neue gesetzliche Vorgaben im Asylverfahrensrecht umgesetzt. Diese Veränderungen werden bei der Bearbeitung der Asylverfahren unterstützen, sie haben aber auch großen Einfluss auf die tägliche Arbeit vor Ort und müssen mit sorgsamer Hand begleitet werden.“

„Als neuer Präsident des Verwaltungsgerichts haben Sie dabei einen Heimvorteil. Geboren und aufgewachsen in Gießen, sind Sie ein Sohn der Stadt und kennen Stadt und Menschen. Sie wissen, wo der Schuh drückt und Ihre langjährigen Erfahrungen beim Amts- und Landgericht in Gießen haben Ihnen einen hervorragenden Ruf in der hessischen Justiz und in der Gießener Stadtgesellschaft eingebracht. Ihre herausragenden juristischen Fähigkeiten haben Sie nicht nur in der ordentlichen Gerichtsbarkeit, sondern auch beim Verwaltungsgericht Gießen, beim Staatsgerichtshof und in Ihrer Zeit beim Hessischen Ministerium der Justiz unter Beweis gestellt. Auf diese Erfahrungen bauen wir jetzt“, so Kühne-Hörmann, die fortfuhr: „Neben diesen herausfordernden Tätigkeiten haben Sie sich auch als Prüfer für das erste Staatsexamen, als Leiter von Referendararbeitsgemeinschaften und als Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Mittelhessen, um die Förderung des juristischen Nachwuchses verdient gemacht. Als Dozent der ersten Stunde für das Programm „Fit für den Rechtsstaat – Fit für Hessen!“ haben Sie die Flüchtlingskrise von Beginn an auch als gesellschaftliche Aufgabe verstanden, der Sie sich verpflichtet fühlten. Damit haben Sie dazu beigetragen, dass die Justiz in Gießen, am Standort der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung, einen hervorragenden Ruf genießt“, so Kühne-Hörmann weiter.

Die Justizministerin machte aber auch deutlich, dass die Verwaltungsgerichte ein wesentlich breiteres Spektrum als Asylverfahren haben. „Auch wenn die Asylverfahren die öffentliche Debatte bestimmen, sind Verwaltungsgerichte viel mehr als das. Sie haben eine für die Demokratie und unseren Rechtsstaat ganz wesentliche Aufgabe: nämlich die Kontrolle staatlichen Handelns. Sie, sehr geehrter Herr Wack, sind deshalb von Berufs wegen auf der Seite der Bürgerinnen und Bürger. Ich bin mir sicher, dass Sie diese Verantwortung mit Leidenschaft, Bedacht und Fingerspitzengefühl meistern werden. Ich wünsche Ihnen dafür viel Erfolg, Ausdauer und das notwendige Quäntchen Glück“, so Eva Kühne-Hörmann bei der Urkundenübergabe heute im Hessischen Ministerium der Justiz.

Lebenslauf Harald Wack

Harald Wack wurde am 20. Oktober 1967 in Gießen geboren. Nach dem Abitur und abgeleiteten Grundwehrdienst studierte er von 1988 bis 1994 Rechtswissenschaften in Gießen und legte im Frühjahr 1994 seine erste juristische Staatsprüfung ab.

Im Jahr 1994 arbeitete er als Gerichtsreferendar und begann sein Referendariat, das er im Dezember 1996 mit der zweiten juristischen Staatsprüfung beendete.

Im Jahr 1997 arbeite er von Januar bis August als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Gießen und arbeitete nebenamtlich als Dozent für Beamtenrecht beim Verwaltungsschulverband.

Im Sommer 1997 wurde er Richter auf Probe beim Landgericht Gießen und am 23. Juni erfolgte die Ernennung zum Richter am Landgericht Gießen unter gleichzeitiger Abordnung an das Amtsgericht Butzbach.

Zwischen 2002 und 2003 erfolgte eine weitere Abordnung an das Verwaltungsgericht Gießen und von 2003 bis 2007 an den Hessischen Staatsgerichtshof. Schließlich wurde Harald Wack von 2007 bis 2008 an das Hessische Ministerium der Justiz abgeordnet.

Im August 2008 wurde er weiterer aufsichtsführender Richter beim Amtsgericht Wetzlar.

Seit 2004 ist er Prüfer für das erste juristische Staatsexamen und seit dem Jahr 2016 zudem Dozent im Rahmen des Projekts „Fit für den Rechtsstaat – Fit für Hessen!“

Harald Wack war seit dem 21. August 2013 Vizepräsident des Amtsgerichts Gießen. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag