„Hessen und die Wielkopolska pflegen seit fast 20 Jahren eine enge Partnerschaft. Ich freue mich, dass wir auch diesmal wieder sehr freundschaftliche und konstruktive Gespräche geführt haben, die unsere Zusammenarbeit festigen“, fasst die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich ihre Delegationsreise nach Polen zusammen. Puttrich hatte in der vergangenen Woche gemeinsam mit Abgeordneten des Hessischen Landtags die hessische Partnerregion Wielkopolska besucht und dort Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geführt. „Hessen und die Wielkopolska sind starke Regionen in ihren Ländern. Die Wielkopolska ist eine der fortschrittlichsten Regionen in Polen, die wirtschaftliche Entwicklung ist ausgezeichnet. Die Förderung, die Polen in den vergangenen Jahren durch die Europäische Union erhalten hat, hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. Hessen und die Wielkopolska haben viele Gemeinsamkeiten und das ist eine gute Grundlage für den Erfolg unserer Partnerschaft. Kontakte müssen aber gepflegt werden, und dafür ist ein solcher Besuch sehr wichtig“, sagte Puttrich.

Die gemeinsame Zukunft in der EU und die wichtigsten Aufgaben für die künftige EU-Kommission standen im Mittelpunkt des Vier-Augen-Gesprächs zwischen der Ministerin und Marek Woźniak, dem Marschall der Woiwodschaft Wielkopolska. Er gab einen Überblick über die aktuelle politische Situation in Polen, wo im Herbst Parlamentswahlen sind. Woźniak gehört der Bürgerplattform (PO) an, die gemeinsam mit anderen Parteien im Regionalparlament der Wielkopolska die Mehrheit stellt. Die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die auf nationaler Ebene regiert, ist in der Wielkopolska in der Opposition. „Marschall Woźniak arbeitet wie Staatssekretär Mark Weinmeister in Brüssel im Ausschuss der Regionen (AdR) mit. Allein schon deshalb ist der regelmäßige Austausch wichtig, um unsere Aktivitäten abzustimmen. Über die Jahre hat sich hier eine gute Zusammenarbeit entwickelt“, betont die Hessische Europaministerin.

Aktivitäten zur beruflichen Bildung bildeten einen weiteren Schwerpunkt der Reise. Mit Marzena Wodzińska, die in der Regierung der Woiwodschaft für Wirtschaft, Gesundheit und Bildung zuständig ist, sprach Staatsministerin Puttrich über die Entwicklung der beruflichen Bildung in der Wielkopolska. Zuvor hatte sich die Delegation an der Technischen Universität in Poznań über ein Projekt informiert, das interessierte Schülerinnen und Schüler an technische Berufe heranführen soll. Vorbild sind entsprechende Projekte, die Marzena Wodzińska bei einem früheren Besuch in Hessen besucht hat. In verschiedenen Labors der Universität können technische Arbeitsweisen aus verschiedenen Berufszweigen ausprobiert werden, zum Beispiel die Arbeit im Logistikbereich, der Umgang mit modernder 3D-Drucktechnik oder die Technik in einem Fernsehstudio. Partner des Projekts sind interessierte Schulen, staatliche Institutionen und Unternehmen. Wie in Hessen macht sich in der Wielkopolska der Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt deutlich bemerkbar. „Hier zeigt sich, dass wir ganz unmittelbar voneinander lernen und auch Lösungskonzepte für Probleme entwickeln können. Das ist der Sinn solcher Partnerschaften“, sagte Lucia Puttrich.

Anknüpfungsmöglichkeiten zur Zusammenarbeit haben sich beim Besuch der Jüdischen Gemeinde in Posen gefunden. Dort sprach die Hessische Europaministerin mit Alicja Kobus, die die Gemeinde vor 20 Jahren wiedergegründet hat und bis heute ihre Vorsitzende ist. Für ihr außergewöhnliches Engagement hat das Europäische Parlament sie 2013 mit dem Europäischen Bürgerpreis ausgezeichnet. „Alicja Kobus ist eine Frau mit beeindruckender Energie. Wir sind uns einig, dass wir im gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus nicht nachlassen dürfen. Die Jüdische Gemeinde wünscht sich außerdem ganz konkret Unterstützung bei der Pflege jüdischer Friedhöfe in Polen, und ich bin zuversichtlich, dass wir dabei Hilfe leisten können“, sagte die hessische Ministerin.

Der Besuch der hessischen Delegation fand parallel zum Westbalkan-Gipfel in Poznań statt, an dem neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und weiteren EU-Staats- und Regierungschefs die Vertreter Serbiens und anderer Balkanstaaten teilnahmen. „15 Jahre nach der ersten großen Osterweiterung der EU eine weitere große Aufgabe ins Haus. Die Integration dieser Region in die Europäische Union ist von zentraler Bedeutung für ganz Europa“, sagte die Hessische Europaministerin. Sie hatte im Frühjahr Serbien besucht, um eine Regionalpartnerschaft mit der Autonomen Provinz Vojvodina vorzubereiten.

Hintergrund

Die Partnerschaft zwischen Hessen und der Region Wielkopolska wurde am 7. Dezember 2000 geschlossen und ist eine von drei hessischen Regionalpartnerschaften in der Europäischen Union.

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