Groß-Gerau. Am zurückliegenden Donnerstagabend hat der Landesvorstand des Evangelischen Arbeitskreises der CDU in Hessen (EAK) im Rahmen seiner Vorstandssitzung den Antisemitismusbeauftragten der Hessischen Landesregierung, Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker, zum Gespräch getroffen. Dabei standen insbesondere die gesellschaftliche Aufarbeitung des Anschlages in Halle an der Saale sowie die daraus resultierenden notwendigen Konsequenzen im Fokus der Diskussion.

„Den heutigen Termin hatten wir bereits vor einigen Wochen miteinander vereinbart. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass das zentrale Thema Antisemitismus nicht kurzfristig diese traurige Aktualität erfahren hätte. Umso wichtiger ist es nun, dass alle gesellschaftlichen Akteure dafür sensibilisiert werden und wir nicht nur als politisch Verantwortliche, sondern auch als Zivilgesellschaft für unsere gemeinsamen Werte eintreten“, so der EAK-Landesvorsitzende Staatsminister Axel Wintermeyer.

In seinem einleitenden Impulsvortrag ging Bürgermeister Becker auf die derzeitige Situation ein. Dabei gelte auch für uns in Hessen: Jeder Übergriff sei einer zu viel. „Die Religionsfreiheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ist de facto derzeit bereits eingeschränkt“, stellte Bürgermeister Becker unumwunden fest. „Neben den polizeilich gemeldeten Fällen ist vielfach gerade in den sozialen Medien ein hohes Maß an Alltagsrassismus zu beobachten. Wenn wir hier nicht genau hinsehen und die Missstände benennen, laufen wir Gefahr, dass diese Tendenzen zur Gewohnheit werden.“, so Becker.

Lösungsansätze sieht der Hessische Antisemitismusbeauftragte in dem Bestreben jüdisches Leben in der Gesellschaft sichtbarer zu machen. „Wir haben in Frankfurt mit rund 6.500 Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde in Hessen, allerdings sind die alltäglichen Berührungspunkte der Bürgerinnen und Bürger mit dem jüdischen Leben in Frankfurt eher gering“, gibt Becker zu bedenken. Mit dem von ihm im August initiierten Projekt „Meet a Rabbi“ sollen Schulen in Hessen animiert werden, Rabbiner einzuladen, um mit ihnen über das Judentum und dessen Traditionen zu sprechen. „Das Projekt schafft Nähe, Verständnis, bietet Informationen, weckt Neugier und kann so wichtige Brücken bauen und weitere Perspektiven der Begegnung mit jüdischem Leben schaffen. Und wenn am Ende aus Vorurteilen zumindest erste Fragezeichen erwachsen, die die eigene Position überdenken lassen, dann ist schon viel gewonnen. Gerade die junge Generation ist als Zielgruppe für dieses Projekt wichtig, denn sie bilden die Zukunft unserer Gesellschaft“, fasst Becker zusammen.

Nach einer sehr regen und fundierten Diskussion dankte der Vorsitzende dem Referenten und sagte seitens des EAK jegliche benötigte Unterstützung für das gemeinsame Anliegen der Zurückdrängung von Rassismus und Judenfeindlichkeit in der Gesellschaft zu. „Wir müssen gerade in einer sich zunehmend entkirchlichenden Gesellschaft für unseren christlich-jüdischen Wertekanon einstehen und ihn an die kommende Generation weitergeben. Dabei dürfen wir in unserem wertegetragenen Handeln den Begriff der Freiheit nicht mit dem Begriff der Grenzenlosigkeit verwechseln“, so Staatsminister Wintermeyer abschließend.

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