Die Präsidentin des Landesarbeitsgerichts, Gabriele Jörchel, ist mit Ablauf des Monats April in den Ruhestand getreten. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann dankte der engagierten Juristin für Ihre berufliche Lebensleistung.

„Die Arbeitsgerichtsbarkeit steht selten im Fokus der Öffentlichkeit. Dies gilt umso mehr in Zeiten des konjunkturellen Aufschwungs. Dennoch kommt der Arbeitsgerichtsbarkeit eine wichtige Funktion zu. Regelmäßig geht es um existenzielle Fragen der Betroffenen und vom Ausgang des Verfahrens hängt es ab, ob man weiter mit einem Arbeitseinkommen rechnen kann oder ob eine Kündigung rechtmäßig war“, so Kühne-Hörmann, die in diesen Zusammenhang die Vielseitigkeit der arbeitsgerichtlichen Zuständigkeiten hinwies: „Die Verfahren vor dem Arbeitsgericht gehen von Arbeitsvertrag bis Arbeitskampf. Gerade bei letzterem sind dann nicht nur die Beteiligten des Verfahrens, sondern auch tausende Kundinnen und Kunden betroffen, wenn es zum Bespiel um die Zulässigkeit von Streikmaßnahmen im Flug- oder Bahnverkehr geht.“

„Dabei sind die Anforderungen an die Richterinnen und Richter durch die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft stetig gewachsen. Immer neue Geschäfts- oder Arbeitszeitmodelle, Vertriebsmethoden und Einkommensverhältnisse, bei denen nicht klar ist, ob Arbeitnehmer- oder arbeitnehmerähnliche Verhältnisse vorliegen, werden ausprobiert oder aus dem Ausland importiert. Im Streitfall müssen diese dann von den Gerichten eingeordnet werden. Kaum ein Rechtsgebiet ist zudem so stark vom Europarecht geprägt, wie das Arbeitsrecht. Ob Lohngleichheit, Altersdiskriminierung oder Arbeitsschutz. Die Europäische Union hat schon sehr früh damit begonnen, vergleichbare Arbeitnehmerrechte im Raum der Europäischen Union zu gewährleisten, was in manch einer europapolitischen Diskussion über den Nutzen Europas leider kaum zur Sprache kommt“, erläuterte die Justizministerin.

„Die Arbeitsgerichtsbarkeit hat diese Herausforderungen in den letzten Jahren hervorragend gemeistert, was wir auch Ihnen und Ihrer engagierten Arbeit als Präsidentin des Landesarbeitsgerichts zu verdanken haben“, so die Justizministerin in Richtung von Frau Jörchel.

„Sie haben über Jahre die Geschicke der Arbeitsgerichtsbarkeit bestimmt und können mit Fug und Recht von sich behaupten, Spuren in der hessischen Justiz hinterlassen zu haben. Dafür danke ich und wünsche Ihnen für Ihren neuen Lebensabschnitt alles Gute, viel Gesundheit und Zeit für die Familie“, so Kühne-Hörmann.

Zur Person

Gabriele Jörchel wurde am 22. Dezember 1955 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur begann sie 1975 die Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Dresdner Bank AG. Ab 1977 folgte das Studium der Rechtswissenschaften an der Johann-Wolfgang- -Goethe-Universität in Frankfurt. 1983 legte sie ihr erstes juristisches Staatsexamen ab. Ihr zweites juristisches Staatsexamen absolvierte sie im Juni 1986.

Nach einer kurzen Tätigkeit als Rechtsanwältin erfolgte im September 1987 die Ernennung als Richterin auf Probe am Arbeitsgericht Frankfurt am Main. Daran schloss sich im Juli 1990 die Ernennung als Richterin auf Lebenszeit am Arbeitsgericht Offenbach am Main an. Nach einer Abordnung an das Hessische Landesarbeitsgericht von Dezember 2000 bis Mai 2001 wurde Frau Jörchel am 15. Juli 2002 zur Vorsitzenden Richterin am Landesarbeitsgericht ernannt. Von Dezember 2007 bis Mai 2008 erfolgte eine Abordnung an das Hessische Ministerium der Justiz.

Im Mai 2010 wurde Frau Gabriele Jörchel zur Vizepräsidentin und schließlich im Juni 2013 zur Präsidentin des Hessischen Landesarbeitsgerichtes ernannt.

Im Nebenamt nimmt Frau Jörchel seit langer Zeit die Aufgaben der Obfrau für ein computergestütztes Antikorruptionssystem bei der Reisebank AG in Frankfurt am Main wahr.

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