Nach der Auflösung des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Frankfurt am 10. Juni 2021 hat der von Innenminister Peter Beuth beauftragte Expertenstab zur Neustrukturierung der Einheit sofort seine Arbeit aufgenommen. Geleitet wird das Team für den Neustart des SEK vom ehemaligen Direktionsleiter für Spezialkräfte in Frankfurt, dem heutigen Polizeipräsidenten des Präsidiums Westhessen, Stefan Müller. Ihm steht ein Stab aus erfahrenen Polizisten sowie Experten des Zentralpsychologischen Dienstes zur Seite. Darüber hinaus steht es dem Stab frei, auf die gesamte Expertise der hessischen Polizei sowie weiteren externen Sachverstand zuzugreifen.

„Wir arbeiten mit allem Nachdruck die offenkundige Verrohung in Teilen des SEK Frankfurt auf und analysieren die Fehler innerhalb der Einheit. Parallel dazu richten wir den Blick in die Zukunft, um das SEK schnellstmöglich wieder einsatzfähig zu bekommen. Die Experten haben bereits über das Wochenende zahlreiche Gespräche geführt und leiten daraus nun erste Schritte ab. Die verbliebenen Kräfte des ehemaligen SEK Frankfurt werden mit sofortiger Wirkung dem Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidium unterstellt und nach Mainz-Kastel umziehen. Wir werden dort mit einer neuen Führungsphilosophie und in einem neuen Umfeld eine neue Einheit formen, in der sowohl fachlich wie ethisch höchste Standards gelten müssen“, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth.

Am vergangenen Mittwoch wurden aufgrund strafrechtlicher Vorwürfe gegen 19 Polizisten (davon 18 aktive SEK-Angehörige des Polizeipräsidiums Frankfurt) und einen ehemaligen Polizisten Durchsuchungsbeschlüsse bei sechs Polizisten vollstreckt. Dabei wurden auch die Arbeitsplätze der Männer im Alter zwischen 41 und 47 Jahren im Polizeipräsidium Frankfurt durchsucht. Die strafrechtlichen Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankfurt und des Hessischen Landeskriminalamts dauern an.

„Wer sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, soll auch wieder seiner Arbeit nachgehen können. Der Rahmen muss aber ein anderer sein. Alle verbliebenen Kräfte werden der Bereitschaftspolizei unter Leitung eines erfahrenen Beamten des höheren Dienstes unterstellt. Alle Einsatzgruppen wurden aufgelöst. Die Räumlichkeiten des SEK im Polizeipräsidium Frankfurt sind nach einer Überprüfung für die Umstrukturierung der Einheit nicht geeignet“, erklärte Polizeipräsident Stefan Müller. Nach einer Inaugenscheinnahme der Räumlichkeiten des nun aufgelösten SEK kam der Expertenstab zu dem Schluss, dass diese sich künftig nicht mehr als Arbeitsumgebung eignen. „Die Aufmachung ist nach einer ersten Bewertung nicht strafrechtlich relevant. Gleichwohl werden wir unsere Feststellungen dem Landeskriminalamt für eine weitere Überprüfung übergeben. Der zur Schau gestellte Korpsgeist ist jedenfalls auch nach Einschätzung unserer polizeipsychologischen Experten einem Neuanfang nicht dienlich“, so Stefan Müller.

In den Räumlichkeiten der Bereitschaftspolizei in Mainz-Kastel sind für ein anspruchsvolles Einsatztraining und einen Übergang zur künftigen Einheit beste Voraussetzungen gegeben. Dabei werden die Polizeibeamten komplett neu eingeteilt und mit neuen Führungskräften die nächsten Schritte zu einer neuen Einheit bestreiten.

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