Europaministerin Lucia Puttrich hat heute die Medaille für Zivilcourage an Matthias Anke, Wilhelm Hammen und Jerrik Heß aus Nidda überreicht. Die Hessische Medaille für Zivilcourage wird seit dem 1. Januar 2009 verliehen und ehrt Bürgerinnen und Bürger des Landes, die unter Inkaufnahme erheblicher persönlicher Nachteile oder Gefahren für die Werte der Verfassung eingetreten sind oder anderen Hilfe geleistet haben.

Die Staatsministerin begrüßte die Ausgezeichneten zu einer kleinen Feierstunde in der Hessischen Staatskanzlei und sagte: „Ich freue mich, dass ich Ihnen heute die Medaillen für Zivilcourage überreichen darf. Ihr Handeln war außergewöhnlich. Was am Anfang vielleicht nur Neugier war – wer sich da im nahegelegenen Feld tummelt, entpuppte sich später als eine echte Rettungsaktion die Rechtsgeschichte geschrieben hat. Denn Sie haben durch Ihre Aufmerksamkeit nicht nur ein junges Mädchen aus den Fängen eines gewalttätigen Sexualstraftäters befreit, sondern zugleich auch geholfen, einen seit Jahrzehnten gesuchten Sexualstraftäter dingfest zu machen. Dafür gebührt Ihnen nicht nur Dank und Anerkennung, sondern Sie haben es verdient, mit einer ganz besonderen Auszeichnung, der Medaille für Zivilcourage, geehrt zu werden.“

Zum Geschehen

Was war geschehen? Nachdem Herr Matthias Anke bereits Mitte August 2016 verdächtige Geräusche in einem Maisfeld hörte, die herbeigerufene Polizei aber niemanden antraf, suchte Herr Anke bei gleicher Gelegenheit zwei Wochen später eigenhändig mit herbeigerufenen Bekannten das Feld ab. Dabei entdeckten die Männer eine nackte männliche Person, die sich an einem 14-jährigen gefesselten Mädchen zu schaffen machte. Ohne Zögern befreiten die Männer das Mädchen aus den Fängen des Mannes und sicherten sich beherzt Beweise für dessen Identität. Die Polizei identifizierte den Mann später und fand heraus, dass er auch der Mörder der im Jahr 1999 getöteten damals 8-jährigen Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen war.

„Der Fall Bohnacker und auch der aktuelle Fall erschüttern uns noch heute. Es ist nur dem beherzten Eingreifen der Männer aus Nidda zu verdanken, dass nicht nur das Mädchen gerettet wurde, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit auch weitere Sexualstraftaten verhindert wurden. Der Täter wurde mittlerweile zu einer lebenslangen Haft verurteilt und die Richter haben auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Damit haben Sie dazu beigetragen, dass ein Kriminalfall, der nicht zuletzt durch Sendungen wie XY-ungelöst bundesweit bekannt war, gelöst werden konnte. Sie haben aber auch dazu beigetragen, dass die Familie von Johanna Bohnacker endlich Gewissheit haben, dass dem Mörder ihrer Tochter seine gerechte Strafe zugeführt wurde“, so Lucia Puttrich, die ergänzte: „Wir denken heute auch an Herrn Haas, der leider zwischenzeitlich gestorben ist. Er hat ebenfalls an der Rettungsaktion teilgenommen und auch ihm danken wir heute durch die Ehrung.“

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