Die Hessische Landesregierung hat am Montagabend Uwe Becker zu ihrem neuen Antisemitismusbeauftragen berufen. Der 49-jährige Kämmerer und Bürgermeister der Stadt Frankfurt folgt auf Professor Dr. Felix Semmelroth, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen zum Ende der vergangenen Legislaturperiode niederlegen musste. „Uwe Becker ist eine hoch angesehene Persönlichkeit, die sich seit vielen Jahren konsequent für jüdisches Leben und kompromisslos gegen jegliche Form von Antisemitismus einsetzt. Als Kirchendezernent in Hessens größter Stadt ist er zudem stets im Dialog mit den Weltreligionen und mit ihren Strukturen und Persönlichkeiten bestens vertraut. Mit ihm gewinnt der Kampf gegen Ressentiments und Vorurteile eine starke Stimme. Ich freue mich, dass Uwe Becker diese wichtige Aufgabe übernimmt“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier, der gleichzeitig Professor Semmelroth für sein Engagement dankte.

Bindeglied zwischen den jüdischen Gemeinden in Hessen und der Landesregierung

Aufgabe von Uwe Becker ist es unter anderem, die Initiativen der Landesregierung zur Bekämpfung des Antisemitismus zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Als unabhängiges Bindeglied zwischen den jüdischen Gemeinden in Hessen und der Landesregierung wird er Strategien entwerfen, um dem Judenhass entgegenzuwirken. Er ist ebenso Kontaktperson für Menschen, die Opfer von Judenfeindlichkeit wurden. Seine Ernennung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Jüdischen Landesverband Hessen und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Bereits Ende der letzten Legislaturperiode wurde das Amt des Antisemitismusbeauftragten geschaffen, das organisatorisch direkt beim Ministerpräsidenten in der Hessischen Staatskanzlei angesiedelt ist. Wie sein Vorgänger, Prof. Dr. Felix Semmelroth, wird auch Uwe Becker Ansprechpartner für Fragestellungen und Maßnahmen im Kampf gegen Antisemitismus sein. Dabei kann er auf bereits geknüpfte Kontakte zu Verbänden, Vereinen und Institutionen in Hessen, in anderen Bundesländern und auf Bundesebene zurückgreifen.

„Hessen ist sich der historisch bedingten Verantwortung gegenüber seinen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern bewusst. Wir stehen als Landesregierung fest an ihrer Seite und erinnern stetig, dass die Neuentfaltung jüdischen Lebens in Hessen keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte Volker Bouffier. „Nach dem Ende der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus schien der Antisemitismus zunächst gebannt. Inzwischen ist dieser aber leider wieder deutlich lauter und wahrnehmbarer in Teile der Gesellschaft zurückgekehrt. Dabei zeigt sich die Judenfeindlichkeit heute facettenreicher als in den Jahrzehnten zuvor. Sie ist nicht nur an den politischen Rändern zu finden. Dies nehmen wir so nicht hin“, erläutert der Regierungschef.

Dem wachsenden Antisemitismus entschiedener entgegentreten

Uwe Becker ergänzte: „Wir müssen dem wachsenden Antisemitismus entschiedener entgegentreten als es bisher der Fall war. Dieser Kampf ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dem sich nicht nur der Staat konsequenter annehmen muss. Jeder einzelne ist gefordert“, sagte der Landesbeauftragte. „So vielfältig sich der Antisemitismus heute zeigt, so unterschiedlich müssen auch die Antworten darauf sein. Sie müssen von stärkeren Anstrengungen im Schul- und Bildungsbereich, über die Förderung von Begegnung, Austausch und Aufklärung bis hin zu einem konsequenten Vorgehen gegen jegliche Form der Judenfeindlichkeit reichen“, so Becker.

Ministerpräsident Volker Bouffier wird Uwe Becker gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Dr. Jacob Gutmark, sowie dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Frankfurt, Professor Dr. Salomon Korn, zeitnah vorstellen.

Uwe Becker arbeitete nach seiner Lehre zum Bankkaufmann als Personalreferent einer Frankfurter Sparkasse. Der frühere Stadtverordnete wechselte 2006 als Stadtrat für Soziales, Jugend und Sport in die hauptamtliche Politik Frankfurts. Seit 2007 ist der verheiratete Vater von Zwillingen Stadtkämmerer sowie seit 2016 Bürgermeister und Kirchendezernent. Der Präsident des Hessischen Städtetages engagiert sich zudem als Präsident der Freunde der Universität Tel Aviv in Deutschland und als Vorstandsmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Frankfurt und trat unter anderem mit zahlreichen Initiativen wie „Gemeinsam in Frankfurt am Main – Für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus“ gegen Judenfeindlichkeit ein.

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