Die BRAIN AG in südhessischen Zwingenberg war die erste Station des Tages. Die Ministerin informierte sich über die Bedeutung und über Anwendungsfelder der Digitalisierung in der industriellen Biotechnologie. Wissenschaftler der BRAIN AG stellten der Ministerin dar, welche Rolle die digital gestützte Analyse von zunächst unüberschaubaren Datenmengen im Bereich der Metagenom-Analyse spielt – und der darauf aufbauenden Identifizierung und Charakterisierung von Enzymen, die später in industriellen Prozessen zum Einsatz kommen können. Die Ministerin, selbst diplomierte Biologin, folgte den Ausführungen mit großem Interesse. „Seit vielen Jahren verfolge ich die Arbeit der Firma Brain. Sie war die erste Ausgründung aus der TU Darmstadt. Der langanhaltende Erfolg beweist, dass es sich lohnt, wissenschaftliche Erkenntnisse in Unternehmen praktisch umzusetzen. Und dass es sich auch lohnt, in der Region zu bleiben. Das ist jahrzehntelange Start-Up Kultur in Hessen,“ so die Ministerin.

Im sich anschließenden Dialog stellte sie die Frage, welchen Nutzen diese Digitalisierungsanwendung für den Menschen selbst habe. Die Wissenschaftler der BRAIN AG erklärten, dass die jetzigen digitalen Möglichkeiten – v.a. in der Kombination mit der häufig zitierten künstlichen Intelligenz – es u.U. ermöglichen bis dato nicht bekannte Prozesse, wie z.B. die korrekte Faltung der digital identifizierten Enzyme, aus der Fülle der Metagenomdaten so effizient vorherzusagen, dass man sich wiederholende Zyklen zwischen Labor- und Datenbank sparen könne. Neben diesem praktischen Nutzen für die tägliche Arbeit der Wissenschaftler profitiere außerdem die Gesellschaft als Ganzes von den neuen digitalen Möglichkeiten, denn optimierte Enzyme könnten z.B. den Energieaufwand in einem industriellen Prozess oder die Menge der notwendigen Chemikalien reduzieren und so zu mehr Nachhaltigkeit führen.

Die BRAIN AG ist ein Biotech-Unternehmen, welches sich im Bereich der industriellen Biotechnologie auf die Bereitstellung von innovativen Lösungen für Anwendungsforderungen der Kunden spezialisiert hat. Das 1993 gegründete Unternehmen ist in Deutschland das einzige börsennotierte Unternehmen aus dem Bereich der industriellen Biotechnologie. Aus pflanzlichen Materialien entwickelt die Firma natürliche Süßstoffe ohne Zucker oder Substanzen, die den Salzgehalt in Lebensmitteln reduzieren sollen. Die Produkte der Brain AG sind im Alltag vielseitig anwendbar. Zum Beispiel als Enzyme, die den Reifungsprozess von Käse beschleunigen. Abnehmer ist zum Beispiel die Lebensmittelindustrie.

„Der richtige Weg in die Zukunft"

Anschließend ging es nach Bensheim, wo die Digitalministerin das Kaufhaus Ganz besuchte. Das Kaufhaus Ganz ist ein in der dritten Generation geführtes Traditionskaufhaus in Bensheim an der Bergstraße und eine feste Institution in der Stadt. Das Kaufhaus wurde im Jahr 1936 von Ernst Ganz und Karl Birkenmeier gegründet und ist im Laufe der Zeit immer stetig gewachsen. Heute bietet es auf 5000 m² von Mode über Sportartikeln hin zu Haushaltswaren ein großes Sortiment an. 60 Mitarbeiter kümmern sich um die 8000 Stammkunden des Hauses. Aber auch das alt eingesessene Kaufhaus hatte in Corona Zeiten zu kämpfen. Digitalisierung war hier der Schlüssel, um die langen Wochen des Lockdowns zu überwinden. Die Geschäftsführerinnen Tatjana Steinbrenner und Katjuscha Maschik haben mit kreativen Lösungen den Onlinehandel in den letzten Monaten ausgebaut und somit erfolgreich die Laufkundschaft vor Ort erreicht und damit Arbeitsplätze gesichert.

„Digitalisierung kann helfen, den Einzelhandel wieder zu stärken. Das hat das Kaufhaus Ganz eindrucksvoll bewiesen,“ so die Digitalministerin Sinemus. „Kundenbeziehungen zu digitalisieren, um die Stammkundschaft auch in Krisenzeiten zu erreichen, ist der richtige Weg in die Zukunft,“ ergänzte die Ministerin.

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