Traditionell findet im Hessischen Justizministerium die Ehrung der erfolgreichsten Kandidaten beider juristischen Examen eines Jahrgangs statt. Um die Befähigung zum Richteramt zu erlangen, müssen Kandidatinnen und Kandidaten in Deutschland zwei Staatsexamen bestehen. Hessenweit sind im letzten Jahr in beiden Staatsexamen insgesamt 1.496 Kandidatinnen und Kandidaten angetreten. 708 in der ersten juristischen Prüfung und 788 Kandidatinnen und Kandidaten im zweiten Staatsexamen.

Nur zwischen einem und fünf Prozent der Prüflinge erreichen die Note „gut“ oder „sehr gut“. Im Prüfungsjahr 2018 waren es 37 Kandidatinnen und Kandidaten in der ersten juristischen Prüfung (5,22 Prozent), im zweiten Staatsexamen erreichten zehn Kandidatinnen und Kandidaten diese Noten (1,26 Prozent). Ein Großteil der besten Kandidatinnen und Kandidaten folgten heute gemeinsam mit Familienmitgliedern und Wegbegleitern der Einladung von Justizministerin Eva Kühne-Hörmann in das Hessische Ministerium der Justiz.

Eine der schwersten Prüfungen unseres Bildungssystems

„Die juristischen Staatsexamen stehen im Ruf, zu den schwersten Prüfungen unseres Bildungssystems zu gehören. Jeder, der sich auf diesen aufwendigen Weg gemacht und ihn dann auch durchgehalten hat, verdient Respekt und Anerkennung. Denn wie bei Vielem im Leben, gehören Fleiß, Durchhaltevermögen und auch eine gehörige Portion Ehrgeiz dazu, um am Ende erfolgreich zu sein. Ich gratuliere Ihnen deshalb stellvertretend für alle erfolgreichen Absolventen Ihres Jahrganges ausdrücklich für diese großartige Leistung“, so die Justizministerin.

„Sie alle können stolz auf sich sein. Nicht nur, weil Sie diese wichtige Etappe ihres Bildungsweges abgeschlossen haben, sondern dass sie auch zu den erfolgreichsten Kandidatinnen und Kandidaten Ihres Jahrgangs gehören. Für Viele von Ihnen fängt spätestens jetzt die Beschäftigung mit Ihrer beruflichen Zukunft an. Ihnen stehen viele Möglichkeiten offen und ich werbe hier ganz offen dafür, dass Sie sich für den Weg in den Justizdienst unseres Landes entscheiden. Die Justiz braucht hervorragenden Nachwuchs. In der Justiz zu arbeiten bedeutet, sich in innerer und äußerer Unabhängigkeit für das Recht einzusetzen. Bewerben Sie sich für eine Tätigkeit in der Justiz, denn unser Rechtsstaat braucht starke und selbstbewusste Vertreter“, so Eva Kühne-Hörmann.

Aktuelle rechtspolitische Herausforderungen

Die Justizministerin nutzte ihr Grußwort auch, um aktuelle rechtspolitische Herausforderungen anzusprechen. „Sehr geehrte Damen und Herren, die meisten von Ihnen stehen am Anfang ihres Berufslebens. Sie werden die Welt von morgen gestalten und mitbestimmen, Sie werden aber auch schnell erfahren, dass das Recht ständigen Veränderungen unterliegt. Ein Federstrich des Gesetzgebers kann ganze Bibliotheken füllen oder auch überflüssig machen. Sie alle gehören wohl schon zur Generation der „digital natives“, also gehören Sie einer Generation an, die in der digitalen bzw. digitalisierten Welt aufgewachsen sind. Aber auch Sie werden es mit Phänomenen in diesem Bereich zu tun bekommen, die wir uns heute kaum vorstellen können. Es wird Ihre Herausforderung sein, die erlernten rechtsstaatlichen Grundsätze, die oft auf analoges und damit zwischenmenschliches Verhalten ausgelegt sind, in die digitale Welt zu übertragen. Und es wird Ihre Aufgabe sein, die Individualrechte, rechtsstaatliche Grundsätze bis hin zur Würde des Menschen auch in dieser Welt zu bewahren. Sie werden die Architekten des Rechtsstaats von morgen sein“, so Kühne-Hörmann.

Traditionell überreicht die Justizministerin den besten Absolventen ein Buchpräsent. In diesem Jahr hat die Justizministerin das Buch: „Das Verschwinden des Josef Mengele“ ausgesucht. „Wer die Zukunft gestalten will, sollte die Geschichte im Blick haben. Die Grausamkeiten, das Unrecht und die Perversion des Rechtsstaats waren allesamt keine Zufallsprodukte, sondern vorsätzliche, menschliche Taten. Nicht der Plan eines Einzigen, sondern eine phantasievolle Mittäterschaft Vieler. Es bedurfte engagierter Frauen und Männer in den Gerichten und Staatsanwaltschaften der Nachkriegszeit, Menschen wie der Frankfurter Generalstaatsanwalts, Fritz Bauer, die sich der Aufklärung dieser Verbrechen zur Lebensaufgabe gemacht haben. Und auch, wenn es im Falle Josef Mengels nie zu einem Strafverfahren gekommen ist, so wusste auch dieser Vertreter des NS-Regimes, dass die Strafverfolger ihn bis zu seinem Lebensende verfolgen würden. Das macht den Rechtsstaat aus und deshalb möchte ich mit diesem Buch auch dazu aufrufen, kritisch mit denjenigen zu sein, die heutzutage allzu leichtfertig den Rechtsstaat ineffizient oder gar überflüssig nennen, und so erneut den Boden fruchtbar machen wollen, für das Gedankengut, was so viel Unheil auf der Welt geschaffen hat“, so die Justizministerin in ihrem Grußwort.

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