Wissenschaftsminister Boris Rhein unterzeichnete heute die Vereinbarung zwischen dem Land Hessen und der Philipps-Universität Marburg zur gemeinsamen Einrichtung einer Professur für Hessische Landesgeschichte. Die Professur ist perspektivisch (voraussichtlich ab 2021) dauerhaft mit der Leitung des Landesamtes für geschichtliche Landeskunde verbunden. Das Land Hessen unterstützt die Professur die ersten drei Jahre mit zusätzlichen 120.000 Euro jährlich.
Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Wir haben heute im Bundesland Hessen die erste Professur für Hessische Landesgeschichte mit Schwerpunkt auf der Zeitgeschichte ins Leben gerufen. Über 70 Jahre nach Gründung des Landes Hessens ist das ein längst überfälliger Schritt. Die hessische Geschichte ist ebenso spannend wie vielseitig, Vielfältigkeit ist auch das, was das Bundesland Hessen heute ausmacht. In Zeiten beschleunigten sozialen und kulturellen Wandels wächst das Bedürfnis nach historischer Orientierung. Gerade in Hessen mit einem traditionell hohen Anteil an Zugezogenen ist dies von besonderer Bedeutung. Landesgeschichte wirkt genau in diesem Sinne orientierend und trägt zur Identitäts- und Integrationsbildung bei. Aus diesen Gründen sehen wir eine wichtige Aufgabe darin, Menschen und gerade die junge Generation zu motivieren, sich mit der Landesgeschichte zu beschäftigen.“

Schub für die wissenschaftliche Aufarbeitung und die Lehre

Die Voraussetzungen für die neue Professur sind hervorragend. Sie kann auf die beachtlichen Ergebnisse landeshistorischer Arbeit des Landesamtes für geschichtliche Landeskunde, der Staatsarchive und den Historischen Kommissionen aufbauen und an deren bisherige Leistungen anknüpfen. Die Professur ist ein wichtiger und entscheidender Impuls, um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Landesgeschichte Hessens zu bündeln und voranzutreiben.
„Nur eine in der Universität fest verankerte Stelle kann gewährleisten, dass der hessische Raum dauerhaft zum Gegenstand forschungsbezogener Lehre wird, die das Land Hessen in der notwendigen Breite behandelt. Forschung und Lehre zur Geschichte Hessens bekommen somit ab dem Wintersemester 2018/19 im universitären Kontext endlich einen stabilen und verlässlichen Platz,“ erklärte Wissenschaftsminister Boris Rhein.

Hintergrund zum Landesamt für geschichtliche Landeskunde

Das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg entstand 1920 zunächst außerhalb der öffentlichen Verwaltung, wurde von 1942 bis 1953 vom Bezirkskommunalverband Kassel getragen und ist nach dessen Auflösung auf das Land übergegangen. Das Landesamt hat die Aufgabe, Grundlagen der Geschichte Hessens vom Beginn im frühen Mittelalter bis zur Gegenwart zu erschließen und zu vermitteln. Das Landesamt betreibt im Kontext überregionaler Forschung bedeutende, langfristig angelegte Grundlagenarbeiten zur hessischen Geschichte, wie u.a. den Hessischen Städteatlas oder das Historische Ortslexikon. Seine Forschungsarbeiten vermittelt das Landesamt in Fachkreisen, an den akademischen Nachwuchs sowie an eine breite Öffentlichkeit.
Es publiziert seine Forschungsergebnisse gedruckt und online: In eigenen Schriftenreihen sowie über das Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS), in dem es Informationen zu verschiedenartigen Aspekten der hessischen Geschichte im Internet zur Verfügung gestellt.

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