Wissenschaftsminister Boris Rhein hat in seiner Rede im Hessischen Landtag betont, dass der erfolgreiche Wechsel von beruflicher zu akademischer Bildung gelebte Praxis in Hessen ist. Anlass gab der Entschließungsantrag der Fraktionen der CDU und der Grünen, der auf den positiven Verlauf des Modellversuchs zum Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte hinwies. Im Wintersemester 2017/18 sind 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in ein Studium gestartet. Damit hat sich die Zahl der Immatrikulationen gegenüber dem Wintersemester 2016/2017 nahezu verdoppelt, so dass sich nun über 240 junge Menschen immatrikuliert haben.

Auf dem richtigen Weg

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Die annähernde Verdopplung der Teilnehmerzahlen zeigt, dass wir mit unserem Modellversuch auf dem richtigen Weg sind. Er deckt einen bestehenden Bedarf nach Neuorientierung und wird von der Zielgruppe gut angenommen. Ein erklärtes Ziel der Hessischen Landesregierung ist es, die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu verbessern: Kein Ausbildungsweg ist wichtiger oder erstrebenswerter als der andere. Mit dem Modellversuch helfen wir vielen jungen Menschen, sich einen Traum zu verwirklichen.“
In dem Modellversuch haben Absolventinnen und Absolventen mit mittlerem Bildungsabschluss erstmals bereits nach einer dreijährigen anerkannten Berufsausbildung mit mindestens der Abschlussnote 2,5 einen prüfungsfreien Zugang zu allen gestuften Studiengängen an den Hochschulen des Landes. Vorher mussten die Interessenten neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung mindestens drei Jahre Berufstätigkeit, eine erfolgreich absolvierte Hochschulzugangsprüfung und gegebenenfalls eine einschlägige Weiterbildung nachweisen.

Dreiviertel an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

Etwa 75 Prozent der Teilnehmer haben sich für ein Studium an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften entschieden, rund 25 Prozent für ein Studium an einer Universität oder der Hochschule Geisenheim. Spitzenreiter im vergangenen Wintersemester war die Frankfurt University of Applied Sciences mit 33 neuen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, gefolgt von der Technischen Hochschule Mittelhessen mit 30 und der Hochschule Fulda mit 21. Diese Hochschulen bieten vor allem Fächer im sozialen und pflegerischen Bereich, die für Beruflich Qualifizierte attraktiv sind.
Die meisten Studierenden entscheiden sich für einen Studiengang, der mit ihrer Berufsausbildung zu tun hat. Das Studienangebot reicht dabei von Betriebswirtschaft über Bildung und Förderung in der Kindheit, Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Informatik, Sozialer Arbeit und Pflegemanagement bis hin zu Weinbau und Önologie, Internationaler Weinwirtschaft und Landschaftsarchitektur. Durchschnittlich haben die Studierenden zwischen Abschluss der Ausbildung und Beginn des Studiums 1,5 Jahre Berufserfahrung gesammelt.

Wissenschaftliche Begleitung aus Gießen

„Wer seine Ausbildung abgeschlossen und bereits gearbeitet hat, steht bei der Aufnahme eines Studiums vor neuen Herausforderungen: Das regelmäßige Lernen steht nun wieder im Vordergrund, manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben zudem vielleicht schon eine Familie, mit der das Studium vereinbart werden muss. Die Hochschulen unterstützen sie vorbildlich – zum Beispiel mit Beratungsangeboten, Tutorien, flexiblen Zeitformaten und innovativen Lernformen. Für diesen wichtigen Beitrag zum Studienerfolg danke ich den Hochschulen“, ergänzte Wissenschaftsminister Boris Rhein.
Die Justus-Liebig-Universität Gießen begleitet den Modellversuch wissenschaftlich. In einem ersten Zwischenbericht kommt sie zu einer positiven Einschätzung:  Die Studierenden sind mit der Studienvereinbarung überwiegend zufrieden und sind motiviert beim Modellversuch dabei. Die Evaluation soll bis Sommersemester 2021 abgeschlossen sein.

Unternehmer unterstützen Modellversuch

Unterstützt wird der Modellversuch von einer großen Allianz wirtschaftspolitischer Akteure wie der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), den Industrie und Handelskammern (IHK), den Handwerkskammern und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).
„Die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft, den Hochschulen und dem Land Hessen sowie das Interesse der Studierenden machen den Modellversuch so erfolgreich. Wir haben die gemeinsame Überzeugung, dass jungen Menschen, die sich für eine duale Ausbildung entscheiden, auch der spätere Weg zu einem Studium eröffnet sein soll. Ich wünsche den jetzigen Studierenden viel Erfolg und bin überzeugt, dass die Teilnehmerzahlen weiter steigen werden“, so Wissenschaftsminister Boris Rhein abschließend.

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