Mit dem Jahreswechsel erweitert sich der Kreis der hessischen Hochschulen: Zum 1. Januar begrüßt Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein die Städelschule offiziell als 14. Hochschule des Landes Hessen. Seit 2016 hat das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst seine Unterstützung für die Städelschule sukzessive gesteigert, ab 2019 erhält die Hochschule über 4,2 Millionen Euro jährlich.

Institution von Weltrang

Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein: „Die Städelschule ist als traditionsreiche Institution von Weltrang ein bedeutender Gewinn für die hessische Hochschullandschaft, über den ich sehr glücklich bin und an dem wir lange gearbeitet haben. Mit der Städelschule wird das Lehrangebot in der ‚Freien Kunst‘ großartig ergänzt. Hier treffen internationales Flair und intensive Lehre aufeinander: Die geringe Anzahl von etwa 115 Studierenden der Bildenden Kunst, etwa 60 Studierenden der Architektur und etwa 30 Studierenden der Curatorial Studies ermöglichen eine sehr direkte Auseinandersetzung mit den Lehrenden.“

Geht auf Stiftung zurück

Die Städelschule geht auf eine Stiftung von Johann Friedrich Städel aus dem Jahre 1817 zurück. Der Frankfurter Bankier schuf die Voraussetzungen zur Gründung des Städelschen Kunstinstituts. Mit einer Ausbildungsstätte für durch Talent ausgewiesene junge Künstler verband er eine der Öffentlichkeit zugängliche Kunstsammlung. Im Laufe der Zeit haben sich aus diesem Institut zwei Bereiche entwickelt: Das Städel Museum und die Städelschule. International erfolgreiche Künstler wie Max Beckmann oder Jörg Immendorf lehrten hier. Auch die aktiv Lehrenden sind renommierte Persönlichkeiten aus der internationalen Kunstszene – wie zum Beispiel Professorin Haegue Yang oder Professor Tobias Rehberger.

Lichtsanierung ermöglicht

Rektor der Städelschule Philippe Pirotte: „Wir sind sehr froh darüber, dass die Autonomie der Städelschule mit dem Trägerwechsel im Hessischen Hochschulgesetz verankert worden ist. Denn um offene Räume zu schaffen, in denen freie Kunst passiert oder unterrichtet wird, braucht es eine absolute administrative Autonomie. Ich bin davon überzeugt, dass diese Autonomie nicht bloß kosmetisch gewährleistet werden kann. Sie bedeutet Eigenständigkeit im Sinne von Selbstverwaltung. Deshalb brauchen wir Strukturen, die das garantieren. Künstlerische Autonomie in der Hochschule bleibt eine leere Phrase, solange die Bedingungen ihrer Existenz nicht rechtlich definiert sind.“

2016 bis 2018 investierte die Landesregierung insgesamt drei Millionen Euro in die Lehre und Infrastruktur der Städelschule, weitere drei Millionen Euro erhielt die Stadt Frankfurt als Trägerin der Hochschule. Mithilfe der Landesförderung konnte unter anderem die energetische Lichtsanierung der Städelschule ermöglicht werden. Die nun vollständige Übernahme der Hochschule durch das Land Hessen bedeutet gleichzeitig eine Entlastung des Etats der Stadt Frankfurt, die die Städelschule bisher ausschließlich finanzierte. Die Pensionslasten sowie der Portikus werden weiter von der Stadt Frankfurt getragen.

Verbesserte Kooperationsmöglichkeiten

„Für die einzige Kunstakademie im Rhein-Main-Gebiet bedeutet die Übernahme – neben der Teilhabe an der Finanzierung durch den Hochschulpakt und den damit verbundenen Aufwüchsen – eine erhebliche Verbesserung der Kooperationsmöglichkeiten mit den anderen Hochschulen des Landes sowie eine Professionalisierung der Trägerschaft. Das eröffnet enorme Entwicklungsperspektiven. Doch Kunst braucht Freiheit und deshalb werden wir an bewährten Strukturen nicht rütteln: Die Autonomie der Städelschule bleibt selbstverständlich erhalten“, so Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein abschließend.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag