Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein: „Die Stadt Raunheim hat bei der Sanierung dieses Kulturdenkmals eine hervorragende Arbeit geleistet. Das Gebäude wurde in den Jahren 2012 bis 2016 in vorbildlich denkmalgerechter Weise saniert. Selbst der notwendige barrierefreie Zugang konnte, ohne das äußere Erscheinungsbild des Kulturdenkmals wesentlich zu beeinflussen, durch eine Hofumgestaltung realisiert werden.“

Ehemaliges Pfarrhaus

Das Heimatmuseum Raunheim, das von der Stadt in Kooperation mit dem Heimatverein betrieben wird, befindet sich seit 1969 in einem ehemaligen, barocken Pfarrhaus an der Mainstraße, der ältesten Straße der Stadt. 1749 als Pfarrhaus der benachbarten Martin-Luther-Kirche erbaut, wurde das denkmalgeschützte Haus bis 1967 von evangelischen Pfarrern bewohnt. Dann veräußerte die Kirche das Gebäude an die Stadt, die es seitdem als Heimatmuseum nutzt.

Interaktive Medienstationen für Kinder

Gleichzeitig zur Sanierung wurde auch eine neue Dauerausstellung konzipiert, die seit Dezember 2016 zu sehen ist. Es sind interaktive Medienstationen dazugekommen und für Kinder im Grundschulalter gibt es eigene Elemente, beispielsweise „Kinderkisten“ an jeder Vitrine. In der Ausstellung kann anhand eines Zeitstrahls mit signifikanten Objekten die Entwicklung des Ortes und der Region seit der Vorgeschichte nachvollzogen werden. Der Abschnitt „Schule und Bildung“ erinnert unter anderem mit zum Teil original Ausstattungsstücken eines Klassenzimmers an den Reformlehrer Ludwig Buxbaum (1839–1905). Zu den weiteren Schwerpunkten der Ausstellung gehören die Themen „Religion“, „Bürgerliches Engagement“, „Alltag und Wohnen“, „Arbeit“ sowie „Verkehr und Mobilität“. Stärker gegenwartsbezogene Abschnitte widmen sich zum Beispiel dem Bevölkerungswandel in Raunheim. Schüler der örtlichen Mittelschule gestalteten zum Thema „Was ist Heimat?“ Video- und Sprachbeiträge.

Gegenwart ist das Ergebnis von Geschichte

Die Ausstellung versucht zu vermitteln, dass Gegenwart immer das Ergebnis von Geschichte darstellt und Heimat als integrativer Begriff zu verstehen ist. Raunheimer mit Migrationshintergrund werden in die Museumsarbeit miteinbezogen, zum Beispiel in den Bereichen „Religion“ und „Arbeit“. So bleibt das Museum im Wandel und für die Besucher immer wieder von neuem interessant. „Gerade in einer Stadt wie Raunheim, die einen hohen Anteil an Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund hat, ist es besonders wichtig, diese einzubeziehen und sie als Teil der Stadtgeschichte zu würdigen“, betont Kunst- und Kulturminister Boris Rhein.

Zeugnisse der Heimat- und Landesgeschichte

Kulturdenkmäler sind Zeugnisse der Heimat- und Landesgeschichte und identitätsstiftend. Nicht selten werden sie zudem von Bürgerinnen und Bürgern restauriert und gepflegt. Dieses besondere Engagement soll mit der Auszeichnung „Denkmal des Monats“ durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gewürdigt werden. Diese können Personen, Initiativen oder Körperschaften erhalten. Vorgestellt werden denkmalpflegerische Maßnahmen, die individuell, mit handwerklich-technischer Qualität und besonderem Engagement ausgeführt wurden. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen wählt die Preisträgerinnen und Preisträger aus den Bewerbungen für den Hessischen Denkmalschutzpreis aus.

Ohne Ehrenamt nicht denkbar

„Die Denkmalpflege ist ohne das Engagement zahlreicher Vereine, Initiativen und Einzelpersonen nicht denkbar. Davon hängen der Erhalt einer großen Zahl von Baudenkmälern und die Erfassung zahlreicher Bodendenkmäler in ganz Hessen ab. Zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements haben wir deshalb die Denkmal-Fördermittel ab diesem Jahr um 200.000 Euro erhöht, um die Menschen bei der Erhaltung ihrer Schätze, in die sie so viel Zeit, Herzblut und Geld stecken, zu unterstützen. Bürgerschaftliches Engagement ist auch in der Denkmalpflege der Motor, der unsere demokratische Zivilgesellschaft am Laufen hält“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein abschließend.

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