Gießen ist mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) bereits heute ein führender Standort der Lungenforschung in Deutschland. Nun wird er weiter ausgebaut: Das Land Hessen errichtet gemeinsam mit dem Bund ein Institut für Lungengesundheit. Ministerpräsident Volker Bouffier und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Michael Meister, haben heute im Beisein von Wissenschaftsminister Boris Rhein an der Justus-Liebig-Universität Gießen eine Absichtserklärung unterzeichnet und die Gründung auf den Weg gebracht. Die Kosten der dreijährigen Aufbauphase von 2019 bis 2021 werden vom Bund und dem Land Hessen jeweils zur Hälfte getragen. Sie belaufen sich auf insgesamt 14 Millionen Euro.

Gießen als renommiertes Zentrum der Lungenforschung

„Mit der Gründung und dem Betrieb des Instituts als weitere außeruniversitäre Forschungseinrichtung bauen wir Gießen langfristig weiter als national und international renommiertes Zentrum der Lungenforschung aus. Es wird den Wissenschaftsstandort Mittelhessen langfristig stärken und unterstreicht seine Bedeutung als Medizin- und Gesundheitsregion. Viele Menschen mit Atemwegserkrankungen setzen ihre Hoffnung auf die Wissenschaft. Die Hessische Landesregierung schafft nun gemeinsam mit dem Bund den Rahmen für Forschung auf internationalem Spitzenniveau. Mit der Überführung der Forschungsergebnisse in die klinische Praxis soll den Erkrankten zukünftig noch besser geholfen werden“, betonte Ministerpräsident Bouffier. „Unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind Motoren für Innovationen, die wir beispielsweise mit unserem Forschungsförderungsprogramm LOEWE und Rekordinvestitionen antreiben. Jeder Cent, der hier investiert wird, ist wichtig für die Zukunft unseres Landes. Davon profitieren auch die Bürgerinnen und Bürger.“

Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Meister begrüßte die Initiative Hessens zur Stärkung des Standortes Gießen in der Lungenforschung: „Mit dem Aufbau des Instituts für Lungengesundheit stärken der Bund und Hessen gemeinsam die Forschung zur Bekämpfung von Lungenerkrankungen. Das ist besonders für die Patientinnen und Patienten eine gute Nachricht. Denn ihnen sollen die Forschungsergebnisse beispielsweise zu chronischen Lungenerkrankungen oder zu Lungenkrebs schnell zugutekommen. Dieser Transfer von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung braucht optimale Rahmenbedingungen. Deshalb wollen wir gemeinsam mit Hessen dafür Sorge tragen, dass die Lungenforschung am Standort Gießen auch langfristig gesichert wird.“

Eine wichtige Ergänzung zum Deutschen Zentrum für Lungenforschung

Wissenschaftsminister Boris Rhein erläuterte: „Das Institut stellt eine wichtige Ergänzung zum Deutschen Zentrum für Lungenforschung dar und schließt eine wichtige Lücke in der bundesweiten Lungenforschung. Sein Ziel ist, auf neue Herausforderungen in der Lungenforschung schnell und kompetent zu reagieren. Mit der Gründung sorgen der Bund und das Land Hessen gemeinsam für einen beträchtlichen Mehrwert für Wissenschaft und Gesellschaft.“

Das neue Forschungsgebäude soll in Nachbarschaft zum Biomedizinischen Forschungszentrum Seltersberg der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Universitätsklinikums errichtet werden. Den Bau sowie die Erstausstattung des Institutsgebäudes stellt das Land Hessen sicher.

Implementierungsphase von 2019 bis 2021

Während der Implementierungsphase von 2019 bis 2021 werden Labore der Universität genutzt. Die wissenschaftliche Leitung übernimmt der renommierte Lungenforscher Prof. Dr. Werner Seeger, der Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Lungenforschung ist.

Nach Ablauf der dreijährigen Aufbauphase streben der Bund und das Land Hessen an, das Institut dauerhaft zu finanzieren. Der Bund wird 90 Prozent der Finanzierung übernehmen, sofern eine wissenschaftliche Evaluation des Strategiekonzepts dies befürwortet. Das Land trägt die restlichen zehn Prozent.

Ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Gießener Lungenforschung

„Ich bin dem Bund und dem Land Hessen für dieses besondere Engagement sehr dankbar“, sagte Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Das Bund-Land-Institut ist ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Gießener Lungenforschung, die ihre Leistungsfähigkeit bereits als Sitzstandort des 2011 gegründeten DZL und mit dem jüngst bewilligten Forschungscluster ‚Cardio-Pulmonales Institut‘ in der Exzellenzstrategie unter Beweis gestellt hat.“

Atemwegserkrankungen sind eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Lungenkrankheiten zu den häufigsten Todesursachen. Bisher gibt es für die meisten Atemwegserkrankungen nur Therapien, die zwar die Symptome lindern, aber keine dauerhafte Heilung bringen. Die Forschungsarbeit des Instituts für Lungengesundheit wird in den ersten Jahren die Themen „Resilienz“ (Analyse der Widerstandsmechanismen der gesunden Lunge), „Remodellierung“ (Aufdeckung krankheitsbedingter Umbauprozesse der Lunge), „Reparatur“ (Förderung von Heilungsprozessen bei Lungenschädigung) und „Regeneration“ (therapeutische Wiederherstellung gesunden Lungengewebes) umfassen.

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