Woran lag es, dass Frankfurt im Rennen um die Europäische Bankenaufsicht Eba so schnell ausgeschieden ist?
Frankfurt ist nicht schnell ausgeschieden, sondern hat im ersten Wahlgang bereits fünf von sieben starken Mitbewerbern hinter sich gelassen. Wir wussten, dass die deutsche Bewerbung kein Selbstläufer ist, weil neben fachlichen Argumenten auch politische Überlegungen bei den Entscheidungen der Mitgliedstaaten eine Rolle spielen. Wir gratulieren Paris und respektieren das Ergebnis. Der Finanzplatz Frankfurt wird auch ohne die Eba der bedeutendste auf dem europäischen Kontinent sein und gestärkt aus dem Brexit hervorgehen.

Welche Schuld trägt daran die Bundesregierung?
Es geht hier nicht um Schuld. Für uns war es ein Erfolg, dass die Bundesregierung unserer Initiative gefolgt ist und mit Frankfurt eine sehr gute Bewerbung abgegeben hat, die wir nach Kräften unterstützt haben. Und es war eine ganz bewusste Entscheidung, dass wir nicht - wie andere Mitbewerber - mietfreie Büroräume anbieten wollten. Es ist schade, dass die Entscheidung auch von derartigen Kriterien beeinflusst worden ist. Natürlich hätten wir uns aus hessischer Sicht gefreut, wenn sich die Bemühungen der Bundesregierung ausschließlich auf die Eba-Bewerbung konzentriert hätten. Wir haben aber von Beginn an die gleichrangige Bewerbung um die Verlagerung der Arzneimittelbehörde Ema nach Bonn akzeptiert.

Hat sich die französische Regierung für Paris stärker engagiert?
Das sehe ich nicht. Auch Frankreich hat sich wie Deutschland für die Verlagerung von Ema und Eba beworben. Die beiden potentiellen Standorte wurden ebenso selbstbewusst präsentiert, wie das unsererseits geschehen ist. In der Abwägung der Mitgliedstaaten hatte Paris die Nase vorn, auch wenn wir den Finanzplatz Frankfurt im direkten Vergleich besser bewerten.

Wird die Entscheidung zum Standort der Eba Frankfurts Chancen in der Ansiedlung von Banken aus London schwächen?
Nein. Etliche Banken haben ja bereits vor der Bewerbung um die Eba angekündigt, dass sie einen Standort in Frankfurt aufbauen oder erweitern werden, darunter Goldman Sachs, Morgan Stanley, Standard Chartered oder die japanische Nomura Bank. Und wir werden weiter bei Banken und Unternehmen für Frankfurt und die Region Rhein-Main werben, die wegen des Brexits einen neuen Standort benötigen. Schon heute weist der Finanzplatz ein einzigartiges Netzwerk relevanter Player der Finanzindustrie auf.

Warum wäre die Eba für Frankfurt wichtig gewesen?
Die Eba hätte den Finanzplatz um einen weiteren Mosaikstein bereichert und die bestehenden Strukturen mit der unmittelbaren Nähe zur Europäischen Zentralbank und der Versicherungsaufsicht Eiopa sinnvoll ergänzt. Die Hessische Landesregierung vertritt auch weiterhin die Überzeugung, dass Industrie und Aufsicht an einen Ort gehören und die Verlagerung der Eba nach Frankfurt ein logischer Schritt gewesen wäre.

Hat Frankfurt mit der EZB und der Versicherungsaufsicht Eiopa nicht schon reichlich europäische Behörden aufzuweisen?
Wir sind natürlich stolz darauf, dass wir mit EZB und Eiopa wichtige europäische Institutionen in Frankfurt beherbergen. Sie sind ebenso wie die Eba tragende Säulen der Aufsichtsstrukturen für die europäische Finanzwirtschaft. Deshalb hätte die Ansiedelung aller drei Institutionen an einem Ort fachlich Sinn ergeben. Und Frankreich beherbergt auch ohne die Eba bereits eine Agentur mehr als Deutschland.

Das Interview führte Markus Frühauf.

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