Eine überraschende Vielfalt erwartet die Besucherinnen und Besucher des Langbein- Museums in Hirschhorn. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein hat heute den „Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum Hirschhorn“ als „Museum des Monats“ August ausgezeichnet und 1000 Euro Preisgeld überreicht.

Vielfalt lebt von kleinen Perlen

Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein: „Die vielfältige Kulturlandschaft Hessens lebt auch von kleinen Perlen auf dem Land, die oft von Ehrenamtlichen liebevoll betreut werden, wie Heimat-, Spielzeug- oder Handwerksmuseen. Mit unserer Auszeichnung ‚Museum des Monats‘  wollen wir diese in den Mittelpunkt rücken.“

Skurrile und anrührende Exponate

1806 wurde das heutige Museumsgebäude, in dem auch die Touristen-Information untergebracht ist, als Forstamt errichtet. In seinem oberen Geschoss befindet sich die Sammlung des Hirschhorner Gastwirts Carl Langbein (1816–1881), der in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann, eine vielfältige „Altertümer- und Naturaliensammlung“ anzulegen. So finden sich skurrile, anrührende und wertvolle Exponate in dem Museum. In seinem Reisebericht „A tramp abroad“ (1880) beschreibt der Autor Mark Twain anschaulich Carl Langbein und seinen Gasthof, in dem die vielfältige Sammlung zunächst untergebracht war.

Tierpräparator und Naturaliensammler

Der Gastwirt, der sich selbst als „Naturalist“ und seinen Gasthof „Zum Naturalisten“ bezeichnete, stellte über 300 Tierpräparate her und bereicherte die Naturaliensammlung mit Mollusken und Mineralien. Er widmete sich auch heimatkundlichen Studien, dem Zeichnen sowie der Restaurierung und Neuanfertigung historischer Möbel. Langbeins Sammlung enthält zudem bedeutende Objekte des 1803 aufgelösten Hirschhorner Karmeliterklosters sowie weitere Kunst- und Gebrauchsgegenstände des 15. bis 19. Jahrhunderts. Darunter befinden sich Skulpturen, Gemälde und Grafiken (unter anderem Hirschhorner Ortsansichten), Münzen, religiöse Klein- und Volkskunst, Kunstgewerbe, Möbel, bürgerliche Bekleidungsstücke und Trachten aus dem südlichen Odenwald, aber auch Waffen, ein Harnisch (16. Jh.), Ritterhelme, Jagdgerät und Jagdtrophäen (18. und 19. Jh.), Funde von der Burg Hirschhorn sowie Objekte zum „Gefecht von Hirschhorn“ im Rahmen der badischen Revolution (1849). „Eine wirklich bemerkenswerte Bandbreite an Exponaten. Man kann hier gleich in mehrere Epochen der Geschichte und in den unterschiedlichsten Themenbereichen eintauchen“, sagte Kunst- und Kulturminister Boris Rhein beim Besuch.

Ursprüngliche Sammlung ohne System

Weil Langbein seine Sammlung ohne jegliches System anlegte, entschloss man sich bei der letzten Neukonzeption des im Juni 2013 wiedereröffneten Museums zu einer Präsentation in der Tradition der Wunderkammern. Die einzelnen Räume wurden unter thematische Leitmotive wie „Collector“, „Creatura“, „Relicta“ oder „Theatrum naturae“ gestellt. Der Rundgang endet mit den Porträts der Geschwister Carl und Ida Langbein. Außerdem wird hier die „Carlsburg“ vorgestellt. Diese sollte im Garten des Gastwirts entstehen und seine Sammlung aufnehmen, erreichte jedoch nicht ihre Vollendung, sondern wurde nur bis zum ersten Stock gebaut und 1969 abgerissen. Ein Audioguide bietet den Besuchern anschauliche Erläuterungen und Geschichten zu bestimmten Objekten aus der Sicht des Museumsleiters, Mark Twains oder der Schwester des Sammlers, die testamentarisch verfügt hat, dass die Sammlung ewig verwaltet und öffentlich zugänglich gemacht werden soll.

Langjähriges Engagement

„Ich freue mich sehr darauf, dem ‚Freundeskreis Langbein'sche Sammlung und Heimatmuseum Hirschhorn‘ die Auszeichnung ‚Museum des Monats‘ übergeben zu können und dem Verein für sein langjähriges und unermüdliches Engagement für die Museumslandschaft im südlichsten Zipfel Hessens und somit im ländlichen Raum zu danken“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein. Träger des Museums ist die Stadt Hirschhorn. Die Aufsicht während der Öffnungszeiten sowie Führungen werden durch den Freundeskreis gewährleistet.

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