„Die Schulen haben heute deutlich mehr Lehrkräfte zur Verfügung als erforderlich wären, um alle Unterrichtsstunden nach der Stundentafel zu halten. So ist der Unterricht für unsere Kinder in Hessen nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ mehr als sichergestellt“, sagte Lorz. Darin seien zahlreiche Sonderzuweisungen – bspw. für Ganztag, Integration und Sprachförderung, Inklusion, Sozialindex, sozialpädagogische Unterstützung, Schulleitungsdeputate etc. – noch gar nicht mit eingerechnet.

‚Verlässliche Schule‘ deckt alle Situationen der Unterrichtsvertretung ab

Die aktuelle Debatte drehe sich daher um eine andere Frage: Wie wird Unterricht vertreten, wenn eine Lehrkraft geplant oder außerplanmäßig die Unterrichtsstunde nicht halten kann? Und diese Frage stelle sich nicht nur, so Lorz, wenn eine Lehrkraft kurzfristig krankheitsbedingt ausfalle, sondern in vielen Situationen. Denn Schule sei eben mehr als Unterricht: „Klassen- und Kursverbände machen Studienfahrten, es finden Exkursionen zu Theateraufführungen oder in Gedenkstätten statt, Lehrer halten Prüfungen oder lassen längere Klausuren schreiben. Es gibt Konferenzen, Projektwochen und Lehrkräfte bilden sich fort, um die Qualität ihres Unterrichts zu sichern und zu verbessern.“ All das sei Schule, und hierfür gebe es Vertretungskonzepte. Die Schulen sind angehalten, individuelle Vertretungskonzepte zu entwickeln, die in aller Regel auch greifen. Wenn sich dann aber kurzfristig mehrere Lehrkräfte krank melden, kann es vorkommen, dass in oberen Jahrgangsstufen Unterricht nicht wie geplant stattfinden kann. In der Grundschule und in der Mittelstufe greift aber das Konzept der Verlässlichen Schule. „Die ‚Verlässliche Schule‘ stellt sicher, dass in der 1. und 2. Klasse für mindestens vier Zeitstunden, ab der 3. Klasse für fünf Zeitstunden eine pädagogisch sinnvolle und verlässliche Betreuung stattfindet“, hob der Kultusminister hervor. Darüber hinaus stehen den Schulen dafür zusätzliche Haushaltsmittel zur Verfügung, um auf kompetente, externe Vertretungskräfte zurückzugreifen. Für den Fall längerfristiger Erkrankungen oder anderer Vertretungssituationen stellen die Staatlichen Schulämter Ressourcen für befristet beschäftigte, angestellte Lehrkräfte zur Verfügung.

Unterrichtsabdeckung in Hessen so gut wie nie

„Es kann sicher nicht die Forderung der Opposition sein, dass wir nun hinter jede unserer Lehrerinnen und Lehrer – quasi auf der Ersatzbank und stets abrufbereit – eine zweite Lehrkraft stellen, die im Bedarfsfall zur Verfügung steht und den Unterricht ohne Unterschied in derselben Art und Weise fortsetzen kann. Das wäre ein Vertretungskonzept, welches wahrscheinlich weltweit einmalig wäre – von seiner Finanzierung ganz zu schweigen“, betonte Lorz. „Die 105-prozentige Lehrerversorgung, weitergehende Stellenzuweisungen, eine mobile Vertretungsreserve und die individuellen Vertretungskonzepte stellen aber sicher, dass der Unterrichtsstoff, der für alle Jahrgangsstufen vorgesehen ist, im Unterricht und in anderen Formen des Lehrens und Lernens in höchstem Maße erteilt und vermittelt wird.“ Das bestätige ja auch eine größer angelegte Befragung von Schülerinnen und Schülern, bei der nur ein geringer Teil in seiner subjektiven Einschätzung angegeben habe, dass oft Unterricht ausfalle. „Sowohl die Qualität als auch die Quantität von Schule und Unterricht hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Hessen einen erheblichen Sprung nach vorn gemacht“, sagte Lorz abschließend.

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