Die deutsch-italienische Zusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Integration. In Frankfurt macht sich bereits seit mehr als 20 Jahren der „Verein der Freunde einer deutsch-italienischen Schule in Frankfurt am Main e.V. (biLiS)“ um die länderübergreifende Verständigung verdient. Heute war nun Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz in der Frankfurter Willemerschule zu Besuch, um gemeinsam mit dem italienischen Generalkonsul Maurizio Canfora die bestehende Kooperation im Bildungssektor durch die Unterzeichnung eines Staatsvertrags zu bekräftigen. Das Schulprojekt „biLiS“ sieht unter anderem gemeinsame Abschlüsse und die Angleichung von Standards an insgesamt fünf teilnehmenden Schulen im Raum Frankfurt vor. Dazu sagte der Minister: „Wie kaum ein anderes setzt sich das bilinguale Modell für Austausch und Verständigung im Schulleben ein. Die teilnehmenden Schulen bieten ihren Schülerinnen und Schülern nicht nur die Möglichkeit, Abschlüsse im deutschen und italienischen Schulsystem zu erlangen, sondern eröffnen ihnen darüber hinaus in einer zunehmend globalisierten Welt attraktive Karriereperspektiven.“

Vereinbarung zwischen dem Land Hessen und Italien

Grundlage des Projekts ist eine 2010 geschlossene Vereinbarung zwischen dem Land Hessen und Italien. Aufgrund veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen wurde nun eine Neufassung erforderlich, die unter anderem eine Festlegung der geforderten Sprachkenntnisse für Lehrkräfte gemäß des Europäischen Referenzrahmens sowie eine Konkretisierung der erforderlichen Unterrichtskompetenz durch mehrjährige Berufserfahrung vorsieht. Derzeit nehmen drei Grundschulen (Willemerschule, Mühlbergschule und Holzhausenschule), eine Realschule (Deutschherrenschule) sowie ein Gymnasium (Freiherr-vom-Stein-Schule) am Projekt teil. Die Unterrichtsinhalte folgen den Hessischen Kerncurricula, gleichzeitig integrieren sie aber auch Lernziele und didaktische Methoden aus Italien.
An den drei Grundschulen gestalten jeweils eine deutsche und eine italienische Lehrkraft den bilingualen Unterricht im Tandem und fördern so frühzeitig die Sprachkompetenz der deutsch- und italienischsprachigen Kinder. Durch die enge Verbindung der Schulen geschieht der Übergang in die Sekundarstufen I und II besonders fließend. Zum Abschluss wandte Lorz das Wort an die anwesenden Lehrkräfte und Schulleitungen: „In Zeiten zunehmender Abschottung in Europa setzen Sie ein Zeichen für Dialog, das über unsere Landesgrenzen hinausgeht. Mein besonderer Dank gilt deshalb den Lehrkräften, denen das bilinguale Unterrichten ein hohes Maß an Abstimmung und zusätzliches Engagement abverlangt. Ihr konstruktiver Umgang mit kultureller Vielfalt ist eine Kompetenz, die Sie den Kindern und Jugendlichen eröffnen und so zu Toleranz und Offenheit beitragen.“

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