Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Gerade Schulen stellt der gemeinsame Unterrichtsbesuch von Kindern mit und ohne Behinderungen oder Beeinträchtigungen vor besondere Herausforderungen. Davon konnte sich Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute in Riedstadt ein Bild machen. An der Martin-Niemöller-Schule stellten Schulleiter Martin Buhl und sein Kollegenteam das schulische Inklusionskonzept vor und sprachen mit dem Minister und weiteren Gästen über die bisher erreichten Meilensteine, gegenwärtige Herausforderungen und die geeigneten Bedingungen dafür, dass Inklusion an der allgemeinen Schule gelingt. „Die Inklusion stellt unsere Schule vor große Herausforderungen, bietet aber auch viele Chancen“, sagte Schulleiter Buhl. Kultusminister Lorz zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der gesamten Schulgemeinde: „Sie haben die Herausforderung in vorbildlicher Weise angenommen und stellen mit Kreativität und Tatkraft unter Beweis, dass Inklusion gelingen und auch viel Freude machen kann.“

Die Martin-Niemöller-Schule ist eine Integrierte Gesamtschule, mit aktuell knapp 1000 Schülerinnen und Schülern. Der Landkreis Groß-Gerau ist seit 2015 Modellregion inklusive Bildung. Teil der Konzeption ist die sukzessive Auflösung der Schillerschule Gernsheim, einer Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, und die inklusive Beschulung der Kinder an den allgemeinen Schulen der Region. Die Martin-Niemöller-Schule in Riedstadt ist dabei eine der aufnehmenden Schulen. So werden im aktuellen Schuljahr 2016/17 in der Jahrgangsstufe 5 zwölf Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen inklusiv beschult, in der Jahrgangsstufe 6 dreizehn Schülerinnen und Schüler. Im Jahrgang 5 kommt außerdem ein Mädchen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (GE) hinzu. Insgesamt 44 Kinder in den Jahrgängen 5-9 werden inklusiv beschult, darunter auch solche mit den Förderschwerpunkten Sprache (5), emotionale und soziale Entwicklung (4) sowie Hören (1). Die Schule unterbreitet an fünf Tagen die Woche Ganztagsangebote im Ganztagsprofil 2 des Landes.

„Wir verstehen uns als Schule für alle“

„Wir verstehen uns als Schule für alle“, sagt Schulleiter Martin Buhl. „Das bedeutet, dass wir die individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Neigungen und Interessen jedes und jeder Einzelnen differenziert in den Blick nehmen und sie dabei fördern und fordern wollen.“ Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf werden nach dem sogenannten „Zwei-Säulen-Modell“ unterrichtet, also zum einen im Regelunterricht mit Binnendifferenzierung, zum anderen mit ihren speziellen Anforderungen und Bedürfnissen im Lernzentrum. Dort lernen sie in ausgesuchten Lernstunden nach individuellen Förderplänen. Eine besondere Rolle im Förderkonzept übernimmt dabei der jeweilige Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin. „Unser Ziel ist es, Lernbarrieren abzubauen, um allen Schülerinnen und Schülern einen bestmöglichen Abschluss zu ermöglichen“, hebt Buhl hervor.

Kultusminister Lorz war sichtlich imponiert vom erkennbaren Willen und großen Engagement aller Lehrkräfte, die nicht immer ganz einfachen Probleme und Herausforderungen in den Griff zu kriegen: „Durch Ihre langjährige Erfahrung haben Sie bereits viel Wissen angesammelt, das Ihnen im täglichen Umgang mit den Schülerinnen und Schülern hilft. Diese Erfahrung sollten Sie nutzen und weitergeben, denn viele Schulen stehen bei der inklusiven Bildung noch ganz am Anfang. Hier können Sie als Multiplikatoren wirken und anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Machen Sie weiter so!“

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag