Innenminister Peter Beuth hat der Stadt Wolfhagen eine Urkunde verliehen, die es ihr erlaubt, ab sofort den Namenszusatz „Hans-Staden-Stadt“ zu führen. Bei dem Festakt zur Verleihung der Zusatzbezeichnung betonte der Minister die geschichtsbewusste Pflege des Lebenswerks des frühen Brasilien-Kenners Hans Staden.

Hans Staden lieferte bedeutende Zeugnisse

„Hans Staden lieferte durch seinen Reisebericht über das Brasilien des 16. Jahrhunderts eines der bedeutendsten Zeugnisse des damaligen Lebens indigener Völker in Brasilien. Dafür wird er in Brasilien mehr noch als in Deutschland gewürdigt. Die Stadt Wolfhagen jedoch setzt sich seit den 1950er Jahren beispielhaft in Deutschland für das Gedenken an Hans Staden und sein Werk ein. Hier wird die Erinnerung an das Lebenswerk des einstigen Sohns der Stadt nicht nur wachgehalten, sondern mit innovativen Konzepten in das gegenwärtige und künftige Stadtbewusstsein gebracht. Die Verleihung der Zusatzbezeichnung ‚Hans-Stadten-Stadt‘ ist auch eine Auszeichnung für die geschichtsbewusste Stadtgesellschaft von Wolfhagen“, so Innenminister Peter Beuth.

Expeditionen in Brasilien

Hans Staden verfasste im 16. Jahrhundert mit seinem Werk „Warhaftige Historia“ einen über den deutschsprachigen Raum hinaus bedeutenden Reisebericht. Darin berichtete er ausführlich über die Erlebnisse seiner zwei Expeditionen an die Atlantikküste Brasiliens in den Jahren 1548/49 und 1550 bis 1555. Mit der Beschreibung der Gesellschaft der Tupinambá-Indianer gelang ihm die erste ethnologische Darstellung eines Naturvolkes in Brasilien. Es war das erste ausschließlich diesem Land gewidmete Buch in Deutschland und Europa und wurde über einhundert Mal neu aufgelegt sowie in neun Sprachen übersetzt. Die Stadt Wolfhagen widmet sich sehr intensiv Hans Staden und seinem Werk. So wurde dort die Hans-Staden-Stiftung gegründet und im Regionalmuseum eine Dauerausstellung geschaffen. Neben einer lebensgroßen Bronzefigur, die das Stadtbild prägt, soll künftig ein Hans-Staden-Pfad wichtige Lebensstationen künstlerisch aufarbeiten und in das Stadtbild integrieren.

Hintergrund

Von den aktuell 423 Städten und Gemeinden in Hessen sind nur wenige Gemeinden befugt, ihrem eigentlichen Gemeindenamen eine Zusatzbezeichnung gemäß Paragraph 13 Absatz 2 Hessische Gemeindeordnung beizufügen, die auf ihrer geschichtlichen Vergangenheit, ihrer Eigenart oder ihrer Bedeutung beruht. Bei der Verleihung werden strenge Kriterien angelegt. Der Namenszusatz soll keinen Reklamezweck oder die Stärkung eines vor Ort besonders stark vertretenen Wirtschaftszweiges dienen, sondern hat sich auf ein besonderes Charakteristikum der Stadt zu beziehen.

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