Die Kita ist der Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung – das betrifft auch die Aufnahme der Kinder mit Fluchthintergrund. Die seit 2015 geflüchteten Familien haben teilweise erst jetzt ihren Aufenthaltsstatus erreicht und sind in den Kitas angekommen. Gleichzeitig haben sich überall im Land Beispiele guter Praxis eines gelingenden Miteinanders etabliert, die es auszubauen und zu vernetzten gilt. Die Aufnahme der Kinder aus Familien mit Fluchthintergrund stellt Kindertageseinrichtungen und Träger vor besondere Herausforderungen, die zu bewältigen sind. Mit zwei Terminen in 2018 setzen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe „Kinder mit Fluchthintergrund in der Kindertagesbetreuung“ fort. Der erste der beiden Fachtage findet am heutigen 12. Juni in der Sportschule und Bildungsstätte des Landessportbund Hessen e.V. in Frankfurt statt.

14. Fachtag der Reihe seit 2015

Der Fachtag ist bereits die 14. Veranstaltung der 2015 vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration ins Leben gerufenen und nach wie vor sehr nachgefragten Reihe für pädagogische Fachkräfte, Fachberatungen, Kindertagespflegepersonen und Trägervertreterinnen- und vertreter. Bisher haben bereits 1.500 Fachkräfte, Fachberatungen, Träger und Eltern teilgenommen, das Interesse an den Fachtagen besteht nach wie vor.
Der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, nannte die Fachtagung einen „wichtigen und zeitgemäßen Beitrag für alle Kinder, denn Bildung und Sprachförderung beginnen in der Kita. Der Erwerb der deutschen Sprache ist der Schlüssel zu persönlicher und später auch beruflicher Integration.“ „Ich habe größten Respekt vor den Fachkräften in den Kitas, die sich in den vergangenen Jahren mit viel Professionalität, hohem Engagement und der Bereitschaft, sich ständig weiter zu qualifizieren, den Aufgaben gestellt haben“, lobte der Familienminister weiter. „Ich freue mich, dass wir mit unseren Fachtagen als Teil des umfangreichen Maßnahmenpakets der Hessischen Landesregierung seit 2015 einen wichtigen kontinuierlichen Beitrag zur fachlichen Unterstützung der Einrichtungen leisten können“, so Grüttner.

Eine wichtige Chance für einen frühen Zugang zu Bildung

Die zugewanderten Kinder und ihre Familien haben häufig traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Sie müssen zugleich eine neue Kultur verstehen und eine fremde Sprache lernen. Der Besuch einer Kindertageseinrichtung stellt für diese Kinder eine wichtige Chance für einen frühen Zugang zu Bildung dar. Für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen bedeutet gerade der frühe Kontakt mit den Kindern und ihren Eltern eine Herausforderung, der sie sich häufig sehr kurzfristig stellen müssen. Einrichtungen sind hierfür gut gerüstet, dennoch stellen sich auch viele Fragen an die Praxis.
Für den einführenden wissenschaftlichen Vortrag „Kinder und Familien im Kontext von Flucht und Migration“ wird Professor Timm Albers vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Paderborn erwartet. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich in Workshops intensiv mit den Themen Trauma, Mehrsprachigkeit, Zusammenarbeit mit Eltern, Rechte und Bedürfnisse der Kinder sowie unterschiedlichen Familienkulturen auseinanderzusetzen.

„Ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit.“

„Kinder und Familien mit Fluchterfahrung sind nach wie vor ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit“, erklärt Daniela Kobelt Neuhaus vom Vorstand der Karl Kübel Stiftung. „Die Stärkung von Familien mit jungen Kindern, unabhängig von ihrer sozialen, ethnischen oder geografischen Herkunft, ist ein zentrales Ziel unserer Stiftung. Aus unseren vielfältigen Aktivitäten und Projekten wissen wir, dass Austausch und Vernetzung wichtige Faktoren für die erfolgreiche Bewältigung der aktuellen Herausforderungen sind. Der Fachtag bietet dafür ausreichend Möglichkeiten. Wir beteiligen uns deshalb gerne wieder als Partner des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration.“
Bei der inhaltlichen Konzeption des Fachtags haben die Veranstalter die Entwicklungen der vergangenen drei Jahre aufgenommen. Während früher der Fokus auf die erwarteten Herausforderungen lag, geht es heute um die konkrete Praxis und erste Erkenntnisse und Perspektiven. Diesen Entwicklungen trägt das Programm der heutigen Veranstaltung mit der Arbeitsphase „Aus der Praxis für die Praxis“ Rechnung. Hier sind die Teilnehmenden gefragt, ihre Erfahrungen und ihre Expertise in die Erstellung von Praxismaterialien einzubringen, die derzeit in Zusammenarbeit mit den drei Hessischen Beratungs- und Servicestellen für Kinder mit Fluchthintergrund entwickelt werden. Außerdem besteht die Gelegenheit, mit den Ausstellern auf dem „Markt der Möglichkeiten“ Erfahrungen auszutauschen. Mit einem Stand vertreten sind u.a. das Hessische KinderTagespflegebüro, die Verbraucherzentrale Hessen, MAKISTA e.V., FIM - Frauenrecht ist Menschenrecht e.V., die Elternlotsen der Stadt Mühlheim sowie die Veranstalter Hessisches Ministerium für Soziales und Integration mit dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan und die Karl Kübel Stiftung mit ihrem Projekt Drop In(klusive).

Links:
Weitere Informationen zum Fachtag und zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan

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