Anlässlich des diesjährigen Aktionstages zur Patientensicherheit am Sonntag, der dem Thema Kommunikation im Gesundheitswesen gewidmet ist, forderte der Hessische Gesundheitsminister, Stefan Grüttner, eine „neue Kultur der Offenheit.“ „Es ist wichtig, dass es den Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind, leichter gemacht wird, auch Fehler zuzugeben. Nur dann können alle daraus lernen und die richtigen Rückschlüsse gezogen werden. Niemand möchte, dass in einem so sensiblen Bereich wie der Gesundheit und der medizinischen Versorgung von Menschen Fehler passieren. Aber es kommt leider vor und dann muss es möglich sein, darüber zu sprechen. Nur so kommen wir zu der auch für solche Fälle so wichtigen Transparenz“, forderte Grüttner. Unter dem Motto „Wenn Schweigen gefährlich ist“ sollen mit den im Rahmen dieser Aktion stattfindenden Veranstaltungen die Beteiligten der Gesundheitsversorgung für die Notwendigkeit einer gleichberechtigten, transparenten und konstruktiven Kommunikation sensibilisiert werden.

Patientenhandbuch „Sicher im Krankenhaus“

Dem Thema der Kommunikation zwischen Patient und Akteuren des Krankenhauses widmet sich auch der Patientenratgeber „Sicher im Krankenhaus“. Das seit dem Frühjahr 2017 online verfügbare Handbuch ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projektes des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI), der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) – in Kooperation mit dem Institut für Patientensicherheit Bonn (IfPS). "Aufgeklärte, informierte Patienten sind im Krankenhaus ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Verbesserung der Patientensicherheit geht. Aufgeklärte Patienten beobachten viel aufmerksamer, was mit ihnen im Krankenhaus geschieht und trauen sich gegenüber Ärzten und Pflegekräften Fragen zu stellen oder auch mal Kritik zu äußern. Die Broschüre 'Sicher im Krankenhaus' zeigt den Patienten daher nicht nur auf, was die Kliniken alles leisten, um ihre Sicherheit zu gewährleisten, sondern was sie selbst zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen können", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen.

Der Staatsminister erläutert: „Das Handbuch macht deutlich, dass die Patienten mit beeinflussen können, was mit ihnen im Krankenhaus geschieht. Sie werden animiert, ihre Behandlung mit offenen Augen und Ohren zu verfolgen, Fragen zu stellen und zu artikulieren, wenn ihnen etwas seltsam erscheint. Das stärkt über Sicherheitsfragen hinaus die Patienten- (sicherheits) Kompetenz. Mit dem Leitfaden soll also vor allem die Kommunikation zwischen Klinikmitarbeitern und Patienten gefördert werden.“

Aktionswoche zur Verbesserung der Patientensicherheit

Neben der Teilnahme an den vom HMSI geförderten Projekten zeigen Hessische Krankenhäuser auch mit der Durchführung von Veranstaltungen im Rahmen der auf den diesjährigen Aktionstag folgenden Aktionswoche ihr Interesse und ihre Anstrengungen zur stetigen Verbesserung der Patientensicherheit. So wird nach den Themen „Hygiene und Infektionsprävention“ im Jahr 2015 und „Sicherer Umgang mit Arzneimittel fördern“ im Jahr 2016 ein weiterer wichtiger Aspekt für eine sichere Versorgung der Patienten in allen Sektoren der Gesundheitsversorgung in den Fokus der Akteure gestellt.

Grüttner betonte, dass Hessen Patientensicherheit „groß“ schreibe. „Wir sind dem Aktionsbündnis Patientensicherheit beigetreten und haben seit 2013 ein eigenes Referat nur für diesen Bereich. Das zeigt den Stellenwert, den dieses Thema für uns hat. Und ich bin froh, dass die Krankenhausreform im Bund auch hessische Handschrift trägt und wir hier erstmals verbindlich festschreiben konnten, dass es ein Recht auf eine Zweitmeinung gibt, oder dass bestimmte Vergütungen abgesenkt werden, um den Anreiz für unnötige Eingriffe abzusenken und vieles mehr.“

Erfolgreiche Kommunikation verbessert Behandlungserfolg

Die Bedeutung der Kommunikation zwischen Patient und Behandlern aber auch zwischen den Akteuren und Sektoren der Gesundheitsversorgung für eine gute und sichere Patientenversorgung ist unumstritten. Der erfolgreiche Verlauf einer Erkrankung hängt entscheidend davon ab, wie sich die am Behandlungsgeschehen beteiligten Akteure miteinander verständigen. „Ein wichtiges Ziel muss es daher auch sein, den Betroffenen, also den Patienten, noch stärker in seine Versorgung und Behandlung - im Sinne einer informierten und gemeinsamen Entscheidung - einzubinden. Das fördern wir mit dem gemeinsamen Handbuch „Sicher im Krankenhaus“. Denn gerade die offene Kommunikation bei und über unerwarteten und unerwünschten Ereignissen ist unabdingbarer Bestandteil der Sicherheit aus Patientensicht und ein Bereich, in dem die Patienten einen aktiven Beitrag zu ihrer sicheren Versorgung leisten können. Umgekehrt werben wir bei den Kliniken unermüdlich für die so wichtigen Routinen, wie dem Reinigen der Hände und beteiligen uns an Aktionen wie „Keine Keime“. Hessen ist Vorreiter und das erste Bundesland, das auf Basis von codierten Diagnosen auf Keime schaut. Damit unterstützen wir als Land die Kliniken mit einem Feedback zu Keimen aus bzw. in ihren Häusern, die dort codiert diagnostiziert wurden. Dieses Thema begleitet Hessen auch im GBA, wo wir seit einigen Jahren ein Mitberatungsrecht haben, das Hessen sich „erkämpft“ hat, weil wir die Wichtigkeit des Themas und des Gremiums gesehen haben und weil es wichtig ist, dass die Kliniken hier ihre Patienten bestmöglich schützen“, so Grüttner abschließend.

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