In Deutschland leben mehr als eine Million sehbehinderte Menschen. Mit dem Sehbehindertentag am 6. Juni macht der DBSV, der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, auf deren Bedürfnisse aufmerksam. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Sehbehindert ins Museum“. „Die Teilhabe am kulturellen Leben ist ein Menschenrecht. Der diesjährige Tag der Sehbehinderten macht in besondere Weise darauf aufmerksam, was Museen für Menschen mit einer Seheinschränkung tun können“, erklärte Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration, heute in Wiesbaden.

„Sehbehindert ins Museum“: Diese Museen machen mit

„Besonders stolz sind wir daher“, so der Minister weiter, „dass sich an diesem Tag in Hessen bundesweit im Verhältnis die meisten Museen und Einrichtungen engagieren. Mit dem Deutschen Ledermuseum in Offenbach, den Landesmuseen in Kassel und Darmstadt, dem Museum für Angewandte Kunst und dem Historischen Museum in Frankfurt, dem Mathematikum in Gießen und dem Chemikum in Marburg, dem Feld- und Grubenbahnmuseum der Grube Fortuna in Solms-Oberbiel sowie mit der Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg beteiligen sich Museen, in denen das Anfassen von Exponaten erlaubt ist, Möglichkeiten zum Fühlen und Tasten oder akustische Beschreibungen und andere Orientierungshilfen vorhanden sind.

Das Deutsche Ledermuseum hat z.B. eine Auswahl von Objekten speziell zum Anfassen zusammengestellt, wodurch die Gestaltungsvielfalt rund um das Material Leder "begreifbar" wird. Objekte wie Schuhe oder Taschen aus verschiedenen Zeiten und Kulturen werden in der Führung vorgestellt und laden zu einer sinnlichen Entdeckung ein. So wie das Deutsche Ledermuseum gibt es in allen teilnehmenden Museen entsprechende Angebote für blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher.

Im Chemikum Marburg geht es um grundlegende naturwissenschaftliche Fragestellungen, die typischerweise experimentell in Kleingruppen an Stationen untersucht werden und an denen z. T. auch blinde und sehbehinderte Besucher in einem speziellen Labor teilhaben können, indem sie diese akustisch, mit dem Geruchssinn oder taktil erfassen.

Barrierefreiheit vor Ort und im Netz

„Hessen hat das Thema Barrierefreiheit im kulturellen Leben schon sehr früh aufgegriffen und z.B. das Historische Museum in Frankfurt finanziell gefördert. So konnten schon bei der Entstehung des Museums viele Möglichkeiten des Erfahrens und Erkundens für blinde und sehbehinderte Menschen geschaffen werden“, führte Grüttner aus. „Im Historischen Museum ist schon heute Barrierefreiheit ein dauerhaftes Angebot für Menschen mit Behinderungen“, so der Minister weiter.

Sehbehinderte Museumsbesucher wünschen sich zudem, über das Hören und Tasten hinaus ein Museum auch sehend erleben zu können. Dazu sind viele weitere Punkte wichtig, vom Design der Internetseite und Informationen in Großschrift über eine kontrastreiche, übersichtliche Gestaltung der Ausstellung bis zur Beleuchtung. „Auch hier leisten wir in Hessen seit Jahren Pionierarbeit. Barrierefreie Internetseiten und leicht zugängliche Informationen für Menschen mit und ohne Behinderungen bereit zu stellen, ist mir persönlich ein großes Anliegen. Schon alleine, weil wir alle älter werden und damit auch Einschränkungen einhergehen können, machen solche Maßnahmen sehr viel Sinn“, so der Sozialminister.

Teilhabe durch elektronische Hilfsmittel

Besonders elektronische Hilfsmittel, wie z.B. Smartphones und entsprechende Apps können das Leben von sehbehinderten Menschen stark erleichtern. In diesem Jahr zum dritten Mal wird der Staatspreis Universelles Design Hessen ausgelobt, der Produkte und Dienstleistungen des täglichen Lebens prämiert, die allen zugutekommen und Barrieren abbauen helfen. „Prämiert wurde beim letzten Wettbewerb im Jahr 2016 u.a. ein Wegeleitsystem und eine App, die Blinden und Sehbehinderten die Orientierung ohne vorherige Ortskenntnisse in und um öffentliche Gebäude erleichtert. Diese und viele Beispiele zeigen, dass Barrieren erfolgreich beseitigt werden können. Die Hessische Landesregierung wird diesen Weg konsequent weiter beschreiten“, so der Sozialminister abschließend.

Weitere Informationen und Kontakt

Für Fragen und Anregungen zur Behindertenrechtskonvention und zur Barrierefreiheit steht Ihnen das Referat Vereinte Nationen-Behindertenrechtskonvention im Hessischen Sozialministerium zur Verfügung. Per Email unter UN-BRK@hsm.hessen.de oder telefonisch unter 0611-3219-3369 erreichbar. Darüber hinaus stehen auf der Internetseite zur www.brk.hessen.de eine Vielzahl von Informationen zur Verfügung.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag