Die ersten Bauabschnitte sind nun geschafft: Einen Eindruck von den Veränderungen konnten sich die Gäste im Rahmen des heutigen Richtfestes machen, zu dem sie von Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, Universitätspräsident Professor Dr. Reiner Finkeldey und Kassels Kulturdezernentin Susanne Völker sowie Abteilungsleiterin Irene Bauerfeind-Roßmann (Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst) begrüßt wurden.

Deutschlands einzige gestiftete Universitäts- und Stadtbibliothek erhält ein Upgrade: Das Land investiert hier rund 13,8 Millionen Euro im Rahmen des Hochschulbauprogramms HEUREKA der Landesregierung. Die Landesmittel kommen nicht nur der Sanierung des historischen Bestandsgebäudes der Murhardschen Bibliothek zugute, sondern auch ihrer Erweiterung um einen Neubau. Bereits anhand des heutigen Zwischenstands können wir erkennen, dass die Baumaßnahme drei zentrale Aspekte umfasst: die Bewahrung eines wichtigen städtischen Kulturdenkmals, die Verbindung von Altem und Neuen durch den ergänzenden Neubau sowie die deutliche Verbesserung der Energieeffizienz“, erklärte Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Allen am Bau Beteiligten wünschte er ein gutes Gelingen für die kommenden Bauabschnitte: „Ich bin überzeugt, dass das Endergebnis der Bauarbeiten genauso erstklassig sein wird, wie die literarischen Schätze, die die Murhardsche Bibliothek beherbergt. Mit der Sanierung und Erweiterung tragen wir außerdem dem Stiftergedanken Rechnung, denn die Brüder Murhard hatten ein offenes Haus im Sinn, das allen Bürgerinnen und Bürgern als kulturelles Zentrum zugänglich sein sollte.“

„Ort der Inspiration, des Austauschs und der Kommunikation“

Universitätspräsident Professor Dr. Reiner Finkeldey erklärte: „Hier wird kein hermetisches Refugium entstehen, sondern ein Ort der Inspiration, des Austauschs und der Kommunikation – ganz im Sinne der Stifter Friedrich und Karl Murhard. Sie standen für aufklärerische Werte, für Weltoffenheit, Toleranz, Demokratie und die Freiheit der Wissenschaft und wollten diese Tugenden mit ihrer Stiftung stärken und fördern. Dafür steht auch die Universität Kassel seit ihrer Gründung. Mit dieser Bibliothek wird unsere Universität ein starker Teil des attraktiven Museums-Ensembles auf dem Kasseler Weinberg.“

„Die Bibliothek der Brüder Friedrich und Karl Murhard sollte ein Ort sein, an dem Menschen Informationen, Erkenntnisse und Wissen erlangen. Für den Bildungshunger und die Weltoffenheit ihrer Stifter steht die Murhardsche Bibliothek noch heute - und der Um- und Erweiterungsbau trägt dieses Ideal auch in die Zukunft. Umso schöner, dass heute auch die Brüder Grimm als Nachbarn in unmittelbarer Nähe mit ihren Ideen und Idealen vertreten sind und die Murhardsche Bibliothek zukünftig noch stärker als bisher ein Ort der Vernetzung der Stadtgesellschaft, ein Ort des sozialen und kulturellen Austauschs wird“, sagte Kassels Kulturdezernentin Susanne Völker.

Hintergrund:

Die Murhardsche Bibliothek ist in einem Altbau am Brüder-Grimm-Platz untergebracht. Sie ist aus einer Stiftung der Kasseler Brüder Friedrich (1778-1853) und Karl (1781-1863) Murhard entstanden, die zu einer der ältesten hessischen Beamtenfamilien gehörten. In ihrem Testament stifteten die beiden Brüder ihr gesamtes Vermögen für die Gründung einer Bürgerbibliothek mit dem Ziel, die Bildung und Lesekultur der Bevölkerung zu fördern. Die Murhardsche Bibliothek ist der zweitgrößte Standort der Universitätsbibliothek Kassel und bildet innerhalb der Universität mit ihrem historischen Gebäude den Rahmen für besondere kulturelle Anlässe. Das historische Bibliotheksgebäude beherbergt Handschriften und Autografen von Weltrang.

Die Bibliothekssanierung umfasst rund 4.850 m² Nutzfläche. Beim denkmalgeschützten Bestandsgebäude werden Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz umgesetzt, die den Denkmalschutz miteinbeziehen und helfen, die historische Bausubstanz dieses Kulturdenkmals zu erhalten. Dazu zählen beispielsweise Dämmarbeiten, die Sanierung der Dachkonstruktion und der Austausch von Fenstern.

Der Erweiterungsbau schafft einerseits mit seinem Gebäudesockel aus Natursteinmauerwerk eine optische Verbindung zur Gestaltung des Altbaus, zeigt sich andererseits aber mit seiner Glasfassade der Obergeschosse und der Brücke auch als zeitgenössisches Bauwerk. Seine Konstruktion ermöglicht eine besonders energieeffiziente Bewirtschaftung und leistet somit einen praktischen Beitrag zum Ziel der CO2-neutralen Landesverwaltung bis zum Jahr 2030. Die neu geschaffenen Bereiche werden für die Besucherinnen und Besuchern der Bibliothek barrierefrei zugänglich sein.

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