PSD II – diese Abkürzung steht für „Payment Services Directive“, die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie der EU, die am 13. Januar dieses Jahres in Kraft tritt. Sie löst nationale Rechtsvorschriften ab, sieht strengere Vorschriften für Kartenzahlungen im Internet vor und stärkt den Wettbewerb von Banken und Finanzdienstleistern. „Verbraucherinnen und Verbraucher können durch die neue Richtlinie der Europäischen Union profitieren – Zahlungen in der EU werden einfacher, günstiger und schneller“, erklärte Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer heute dazu. Schäfer begrüßte die neue Regelung als weiteren Schritt zur Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der EU. „Mit dem neuen Zahlungsformat SEPA wurden bereits 2014 Kontonummer und Bankleitzahl durch IBAN und BIC bei Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen abgelöst. Der Start der PSD II ist eine konsequente Fortführung dieser Angleichung von Geldtransfers im europäischen Binnenmarkt“, sagte der Minister.

Und das ändert sich durch das Inkrafttreten der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie:

-Kostenfreie Kreditkartenzahlungen: Händler dürfen keinen Aufpreis von Kunden verlangen, wenn diese mit gängigen Karten, per Überweisung und Lastschrift im Geschäft oder online bezahlen. Bislang musste es nur ein zumutbares Zahlungsmittel geben, für das keine Kosten anfallen.
-Geringere Haftung für Bankkundinnen und Bankkunden: Beim Einsatz der Bank- oder Kreditkarte oder beim Online-Banking wird die Haftung von 150 Euro auf zukünftig maximal 50 Euro beschränkt. Dies gilt, solange die Karte oder das Online-Konto nicht gesperrt ist und kein Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit vonseiten der Kunden vorliegt. Die Beweislast trägt künftig immer die Bank oder der Zahlungsdienstleister. Zudem haben Verbraucherinnen und Verbraucher ein bedingungsloses Recht auf Erstattung des Betrages bei nicht autorisierten Lastschriften.
-Mehr Wettbewerb: Künftig können bankfremde Finanzdienstleister – wie etwa Anbieter von Finanz-Apps – auf Kontodaten zugreifen. Bisher waren die Kundinnen und Kunden durch das Bankgeheimnis grundsätzlich geschützt. Sie müssen einem Zugriff durch Drittanbieter aber immer vorher ausdrücklich zustimmen. Dies können sie beispielsweise durch die Weitergabe ihrer PIN an den Finanzdienstleister. Der Zugriff durch den Dienstleister erfolgt dann über eine technische Schnittstelle bei der jeweiligen Hausbank. Die Drittanbieter müssen sich durch die Finanzaufsicht BaFin lizenzieren lassen. Mehr Wettbewerb bedeutet mehr Angebote für den Kunden. Das könnten zum Beispiel Apps, die das einfachere Verwalten mehrerer Konten unterschiedlicher Banken anbieten, sein.
-Mehr Sicherheit: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen besser vor Betrug und unbefugtem Zugriff auf ihre Konten geschützt werden. Dies soll durch eine starke Kundenauthentifizierung, die etwa bei Zahlungsvorgängen verlangt wird, gewährleistet werden. Diese Form der Authentifizierung erfordert mindestens zwei Elemente der Kategorien Wissen (z.B. ein Passwort), Besitz (z.B. eine Girokarte) und ein ständiges Merkmal des Kunden (z.B. ein Fingerabdruck). Diese Änderungen treten aber voraussichtlich erst Mitte 2019 in Kraft.
-Transparenz bei vorreservierten Kartenzahlungen: Der Kunde muss ausdrücklich im Voraus zustimmen, wenn Unternehmen (wie etwa Hotels oder Autovermietungen) Geldbeträge auf dem Bankkonto reservieren wollen. Erst dann ist die Bank berechtigt, den Betrag auf dem Konto vorübergehend zu sperren.

PSD II bringt Innovationen und Wettbewerb

Der Finanzminister zeigte sich überzeugt, dass die PSD II zu Innovationen und mehr Wettbewerb zwischen Banken und Finanzdienstleistern führen werde. „Der Markt wird sich durch die Richtlinie für neuartige Angebote von Zahlungsdienstleistern öffnen. Von dieser Vielfalt können Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren – insbesondere dann, wenn sie für die digitale Abwicklung ihrer Bankgeschäfte offen sind“, so Schäfer.

Er betonte abschließend, dass die Bankkundinnen und -kunden selbstverständlich weiterhin frei auswählen, in welcher Form sie ihre Finanzgeschäfte abwickeln. „Diese Vielfalt für Verbraucherinnen und Verbraucher finde ich sehr wichtig, deshalb setze ich mich auch seit langer Zeit für den Erhalt von Bargeldzahlungen ein. Wer lieber vor Ort in seine Bankfiliale gehen möchte, der soll dies auch weiterhin so handhaben können. Wer seine finanziellen Angelegenheiten am heimischen Rechner oder per App von unterwegs regeln will, dem werden zukünftig mehr Optionen dafür zur Verfügung stehen.“

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