Der frühere Außenminister spricht in der Hessischen Landesvertretung in Berlin „im Gespräch mit Europa“: „Europa muss erwachsen werden."
Ideen und Vorschläge für das gemeinsame Europa standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der Lucia Puttrich, die Hessische Ministerin für Europa- und Bundesangelegenheiten, am Montag in die Hessische Landesvertretung nach Berlin eingeladen hatte. Mehr als 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter 40 Bot­schafter. Die Veranstaltung bildete den vorläufigen Höhepunkt der Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit Europa“, zu der Puttrich seit Anfang 2016 die Botschafter der übrigen 27 EU-Mitgliedstaaten eingeladen hatte.

Hauptredner des Abends war der frühere Bundesaußenminister und Vizekanzler Josch­ka Fischer. Seine politische Karriere hatte in Hessen begonnen, wo er von 1985 bis 1987 und 1991 bis 1994 Umweltminister war. „Europa muss erwachsen werden“, lau­tete seine Hauptforderung. Es müsse seine Interessen selbst bestimmen und vertreten. Dabei sei eine Rückkehr zum Europa der Nationalstaaten keine Option: „Das künftige Europa muss füreinander einstehen.“ Fischer setzt innerhalb der Europäischen Union stark auf die Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs und rechnet nach der Bundestagswahl im Herbst mit einer gemeinsamen EU-Initiative. Die schließe die ande­ren EU-Mitgliedsstaaten nicht aus, aber ohne die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich komme Europa nicht voran. Fischer: „Man muss sich miteinander ver­tragen. Deutschland und Frankreich haben viele Friedhöfe gefüllt, um zu dieser Er­kenntnis zu gelangen.“

Bekennung zu Europa und seinen Errungenschaften

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte Staatsministerin Lucia Puttrich an die großen Her­ausforderungen erinnert, vor denen Europa steht. Ganze Generationen seien wie selbstver­ständlich mit den Errungenschaften der europäischen Einigung aufgewachsen. „Jene, für die all das nie Selbstverständlichkeit war und die uns mahnen, Europa nicht leicht­fertig aufs Spiel zu setzen, verlassen uns langsam. Einer ihrer wohl größten Vertreter, dessen Name wie kaum der eines anderen deutschen Politikers neben Konrad Ade­nauer mit der europäischen Einigung verbunden ist, verließ uns erst kürzlich: Helmut Kohl. Er war es, der einst sagte: Europa ist unsere Zukunft. Europa ist unser Schicksal.“

Deshalb sei es sehr erfreulich, dass die Zahl der Menschen, die sich eindeutig zu Eu­ropa und seinen Errungenschaften bekennen, in den vergan­genen Monaten deutlich gestiegen sei. Dass in Frankreich Emmanuel Macron mit ei­nem klaren Bekenntnis zu Europa einen so deutlichen Sieg errungen habe, sei ein ermutigendes Zeichen. Auch in der Hessischen Landesvertretung werde man in Zukunft weiter „im Gespräch mit Eu­ropa“ bleiben.

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