Für Hessen wird der Brexit in unterschiedlichen Lebensbereichen positive wie auch negative Auswirkungen haben. In dieser Einschätzung sieht sich Europaministerin Puttrich in einer vom AdR Anfang April vorgelegten Studie zu den Auswirkungen des Brexit auf die EU27 bestätigt.
Grundlage für die hessenspezifischen Daten der Studie des AdR ist eine Befragung bei knapp 4.100 Unternehmen mit Sitz in Hessen durch die Hessenagentur zum Jahreswechsel 2016/17. Adressaten waren hierbei Unternehmen mit Konzernmutter oder Niederlassung in Großbritannien sowie Unternehmen ab 50 Beschäftigten in exportintensiven Branchen. Es beteiligten sich knapp 700 Unternehmen, wobei fast 60 % Geschäftsbeziehungen mit dem UK unterhalten. „Wie kein anderes Land in Deutschland ist Hessen mit dem Finanzplatz Frankfurt und weiteren Schlüsselindustrien wie der Automobil- oder der Pharmaindustrie und dem Flughafen Frankfurt unmittelbar vom Ausscheiden Großbritanniens aus der EU betroffen“, so Puttrich.

Effekte des Brexits stark variierend eingeschätzt

Ein Ergebnis der von der Hessen-Agentur durchgeführten Studie besagt, dass Unternehmen mit Mutter-/Europazentrale in Großbritannien die Folgewirkungen des Brexits mit 47 % positiv für den Wirtschaftsstandort Hessen einschätzen. Mit 58 % fällt das Befragungsergebnis bei den finanzwirtschaftlich mit Großbritannien verflochtenen Unternehmen sogar noch positiver aus.
Die gravierenden Unterschiede zwischen den Einschätzungen der Effekte des Brexits auf die Unternehmen selbst und den positiven Effekten auf den Standort Hessen stützten die These, dass es zu Standortverlagerungen aus Großbritannien nach Hessen bzw. einem Ausbau des Standorts Hessen kommen kann.

Risiken erkennen, Chancen identifizieren und nutzen

Risiken sehen die Unternehmen beispielsweise in der Zunahme nicht-tarifärer Handelshemmnisse (z.B. Zollanmeldungen, Warenverkehrsbescheinigungen etc.), der Zunahme tarifärer Handelshemmnisse (z. B. Zölle) oder der Erhöhung der Komplexität / Kosten durch abweichende Regulierungen.
In der Studie des Ausschusses der Regionen wird auch die von Hessen unmittelbar nach dem Referendum gebildete einzigartige Brexit Arbeitsstruktur hervorgehoben. In den drei Themengruppen - „Standortmarketing und Auswirkungen auf die Realwirtschaft“, „Optimierung des Rechtsrahmens für den Finanzplatz Frankfurt“ sowie „Bund und Europa“ -, wurden die Brexit Verhandlungen von Beginn an sehr eng begleitet. Diese Struktur ermöglicht es der Landesregierung, zu reagieren, sobald hessische Interessen tangiert werden. Dies erfolgt in enger Abstimmung mit lokalen Partnern wie den regionalen IHKn, den Wirtschaftsförderungsgesellschaften, den Wirtschaftsverbänden und Unternehmen selbst. Das Ziel dieser Struktur ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und auch Chancen zu identifizieren und zu nutzen.

Arbeitskreis Realwirtschaft zum kontinuierlichen Austausch

„In dem beschriebenen Netzwerk sieht sich die Hessische Landesregierung als Partner, der im fortlaufenden Austausch mit den Unternehmen über den Fortgang der Brexit-Verhandlungen informiert, Problemstellungen und Anregungen aufnimmt und hessische Positionen in Berlin und Brüssel einbringt“, so Puttrich. Dabei liege selbstverständlich ein Hauptaugenmerk auf den hiesigen Schlüsselindustrien. Ein eigens unter der Federführung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung eingerichteter Arbeitskreis Realwirtschaft schaffe die Plattform für den kontinuierlichen Austausch.

Links:
Ergebnis der Befragung der Hessenagentur 2016/17

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