Die hessische Europaministerin Lucia Puttrich tritt nachdrücklich dafür ein, dass das sogenannte Euroclearing nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union von London in die verbleibenden EU-Mitgliedstaaten verlagert wird. Der Finanzplatz Frankfurt sei in diesem Fall ein ausgezeichneter Standort, sagte Puttrich am Donnerstag. In der Staatskanzlei hatte Puttrich sich mit Vertretern der Deutschen Börse getroffen. Neben dem Euroclearing standen allgemeine Fragen zum Finanzplatz Frankfurt im Mittelpunkt.

Euroclearing hat wirtschaftliche Bedeutung für EU

Die Deutsche Börse verfüge mit ihrer Tochter Eurex in Eschborn über ein erstklassiges Unternehmen, dass darauf vorbereitet sei, Clearing-Geschäft aus London zu übernehmen. „Beim Euroclearing geht es um den außerbörslichen Handel von Derivaten in Euro. Ein Thema, das sich nicht einfach erschließt. Aber wir reden von einem Handelsvolumen von 80 Billionen Euro pro Jahr, die in London bewegt werden. Allein diese Summe macht klar, warum wir sehr gründlich darüber nachdenken müssen, ob das Euroclearing künftig außerhalb der Europäischen Union stattfinden kann“, sagt Puttrich. In Krisenzeiten sei angesichts dieser Dimensionen die Finanzmarktstabilität der Europäischen Union bedroht. Die Europaministerin selbst vertritt eine eindeutige Position: „In London wird das Geld verdient und die britischen Behörden haben darüber die Aufsicht. Die EU ist weitgehend außen vor. Aber wenn etwas schiefgeht, muss die Europäische Union dann trotzdem eingreifen, insbesondere die Europäische Zentralbank. Das Geschäft dort, das Risiko bei uns, das können wir nicht akzeptieren.“

Entscheidung fällt in Brüssel

Die Entscheidung, ob das Euroclearing nach dem Brexit in London bleiben kann oder nicht, fällt in Brüssel. Dort hat die Hessische Landesregierung in den vergangenen Wochen in Gesprächen und bei Veranstaltungen für ihre Position geworben und unter anderem erreicht, dass die zuständige Berichterstatterin des EU-Parlaments, Danuta Hübner aus Polen, ihre verlagerungskritische Haltung deutlich abgeschwächt hat. „Derivate haben als Finanzierungsprodukte eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. Wir müssen für den Handel deshalb Rahmenbedingungen und Regelungen schaffen, die größtmögliche Transparenz und Stabilität für den europäischen Finanzmarkt gewährleisten. Uns geht es hier nicht in erster Linie um einen Wettbewerb der Europäischen Finanzplätze, sondern um die wirtschaftliche Sicherheit der EU“, betont Lucia Puttrich.

Finanzplatz Frankfurt ist hervorragende Alternative

Die Ministerin hält den Finanzplatz Frankfurt zugleich für eine hervorragende Alternative zum Clearing-Standort London. Die große Dichte von Finanzinstituten, die Vielzahl von Experten und die Nähe zu nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden schaffe ein exzellentes Umfeld. Und mit Eurex gebe es ein bedeutendes deutsches Unternehmen, dass heute schon auf dem Clearing-Sektor erfolgreich sei und die Aufgaben aus London problemlos übernehmen könne. „Natürlich werden in London die Risiken und Kosten einer Verlagerung des Euroclearings mit grellen Farben gezeichnet“, fasst Europaministerin Lucia Puttrich zusammen. „Eurex hat mit seinem neuen Partnerschaftsprogramm schon in den vergangenen Monaten deutliche Marktzuwächse verbucht und schon eindrucksvoll bewiesen, welche Potenzial hier vorhanden ist.“ 

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