Die hessische Europaministerin Lucia Puttrich hat am Freitag das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) in Groß-Umstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg) besucht, und sich über die Beteiligung an europäischen Projekten informiert.
„Bei Waldarbeit denkt man nicht sofort an die Europäische Union. Aber die Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa macht es möglich, dass auch in den deutschen Wäldern immer mehr Menschen aus den anderen EU-Mitgliedstaaten arbeiten. Deshalb brauchen wir einheitliche Ausbildungs- und Qualitätsstandards, insbesondere bei dieser gefährlichen Tätigkeit. Das KWF leistet auf diesem Gebiet hervorragende Arbeit“, sagte Lucia Puttrich nach ihrem Gespräch dem Vorsitzenden des KWF, Robert Morigl, und der Geschäftsführenden Direktorin Prof. Dr. Ute Seeling. „Das KWF ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass EU eben nicht nur in Brüssel stattfindet, sondern ganz oft auch hier vor Ort bei uns in Hessen. Und dann noch auf ganz praktische Weise.“
Fachleute gehen davon aus, dass vor allem bei der Holzernte inzwischen viele Mitarbeiter aus mittel- und südosteuropäischen Ländern in Deutschland beschäftigt sind. Das betrifft vor allem die sogenannte motormanuelle Holzernte, bei der die Bäume nicht von Maschinen gefällt werden, sondern von Arbeitern mit der Motorsäge. Forstunternehmer sind hier im Auftrag der Waldbesitzer tätig und setzen zum Teil auch Subunternehmen ein.

52.000 Rettungspunkte aus zwölf Bundesländern

Nach deutschem Arbeitsrecht müssen die Unternehmer fachkundiges, qualifiziertes Personal einstellen. Für einheitliche Mindeststandards sorgt hier das Europäische Motorsägenzertifikat (ECC). Das KWF ist Teil der europäischen Gremien, die diese Standards setzen und es kümmert sich in Deutschland um die Umsetzung des Zertifikates. Dazu gehört die Überprüfung der Einrichtungen, die die entsprechenden Prüfungen abnehmen dürfen. Das KWF stellt die Zertifikate aus und führt eine Datenbank, in die alle erfolgreichen Absolventen eingetragen werden. Dank dieser Datenbank können Arbeitgeber jederzeit überprüfen, ob Mitarbeiter das nötige fachliche Können besitzen. Das KWF betreut außerdem zwei ECC-Prüfstellen in Polen und eine in Tschechien.
Europaministerin Lucia Puttrich informierte sich auch über das Konzept der Rettungspunkte. Das sind gut sichtbar gekennzeichnete Treffpunkte am Waldrand, an denen sich im Notfall ein Helfer mit dem Rettungsdienst treffen kann, um diesen zur Unfallstelle zu führen. Das KWF hat eine bundesweit einheitliche, digitale Karte dieser Rettungspunkte erstellt. Sie wird zweimal jährlich aktualisiert und umfasst bereits über 52.000 Rettungspunkte aus zwölf Bundesländern. Der Datensatz steht jedem kostenfrei zur Verfügung. „Dieses System gibt es bislang nur in Deutschland. Es ist in Europa einmalig, aber wir hoffen, dass es anderswo Nachahmer findet“, sagte die Geschäftsführende Direktorin des KWF, Prof. Dr. Ute Seeling.

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