Landtagspräsident Boris Rhein hat heute zur Verleihung des Hessischen Friedenspreises im Musiksaal des Hessischen Landtags zahlreiche Ehrengäste begrüßt und den diesjährigen Preisträger gewürdigt.

„Abiy Ahmed ist nicht nur ein Hoffnungsträger seines Landes, sondern auch des ganzen afrikanischen Kontinents. Er ist ein Friedensstifter, der in seiner Heimat einen langen und blutigen Konflikt beendet hat. Und er ist ein Reformer, der auf Bildung als wichtigen Faktor für die Weiterentwicklung in seinem Land setzt“, so Landtagspräsident Rhein in seiner Begrüßung.

Das Land befinde sich in einem positiven Aufbruch und Äthiopien habe die Chance, ein Vorbild für den afrikanischen Kontinent zu werden. Und diese Chance, diese große Hoffnung sei mit dem Namen Abiy Ahmed verbunden. „Wir wollen ein Zeichen für die Demokratie und den Frieden setzen und Abiy Ahmed bekräftigen, seinen Weg weiter zu verfolgen“, hielt Rhein zum Abschluss seiner Rede fest.

Ministerpräsident Bouffier würdigte den Preisträger in seiner Laudatio

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier würdigte Abiy Ahmed in seiner Laudatio: „Über 100 ethnische Gruppen leben in Äthiopien. Immer wieder kommt es deshalb zu Konflikten dort, die schon zahlreiche Menschenleben forderten. In diesem Land wuchs Abiy Ahmed als Sohn eines muslimischen Oromo und einer christlich-orthodoxen Amharin auf. Zwischen zwei Religionen und Ethnien. Vielleicht sind gerade dort die Gründe für seinen unbändigen Antrieb zu suchen, den er für den Frieden in seinem Land aufbringt. Als Ministerpräsident seines Landes hat er, gerade einmal drei Monate nach seinem Amtsantritt, mit dem Nachbarland Eritrea Frieden geschlossen. Da sowohl Äthiopien als auch Eritrea im somalischen Bürgerkrieg an der Seite rivalisierender Gruppierungen standen, besteht die Hoffnung, dass auch dortige verfahrene Situation von der Annäherung der Länder profitiert. Abiy Ahmed will Frieden. Für sein Land und Ostafrika. Dafür leistet er Außerordentliches. Sein Veränderungs- und Gestaltungswille ist trotz der Rückschläge ungebrochen. Ich freue mich sehr, dass der Hessische Friedenspreis der Albert-Osswald-Stiftung, der in diesem Jahr zum 25. Mal vergeben wird, an den Ministerpräsidenten Äthiopiens, Abiy Ahmed, geht. Ihm und den Bürgerinnen und Bürgern Äthiopiens und Eritreas wünschen wir viel Kraft, Geduld und Erfolg auf dem Weg des Friedens.“

Der äthiopische Ministerpräsident konnte den Preis nicht selbst entgegennehmen und wurde durch die Friedensministerin seines Kabinetts Muferihat Kamil vertreten, die sich in seinem Namen bedankte. "Es ist eine große Ehre für unseren Ministerpräsidenten Abiy Ahmed mit dem Preis ausgezeichnet worden zu sein. Wir haben viel erreicht in unserem Land, aber es liegen noch große Herausforderungen vor uns. Wir wollen den Frieden in der Region sichern und die Entwicklung und die Förderung der Demokratie und des Wohlstands unserer Gesellschaft weiter betreiben. Der hessische Friedenspreis ist Ehre und Ansporn zugleich unsere Reformen weiter fortzusetzen", sagte die Ministerin in Vertretung von Ministerpräsident Abiy Ahmed.

Zum Geehrten

Abiy Ahmed Ali, geboren 1976 im äthiopischen Beshasha wurde im April 2018 zum Ministerpräsidenten Äthiopiens gewählt. Er gehört der ethnischen Gruppe der Oromo an, die sich lange als marginalisiert im politischen System Äthiopiens wahrgenommen haben. Er ist der erste Oromo, der Ministerpräsident wurde.
Der ehemalige Soldat der äthiopischen Armee hat Computer- und Kommunikationstechnik, Kryptographie, Transformational Leadership und Business Administration studiert und 2017 den Doktorgrad in Management and Leadership von der University of Addis Abeba erhalten. Er diente unter anderem im eritreisch-äthiopischen Grenzkrieg von 1998 bis 2000. Von 2007 bis 2010 war er stellvertretender Direktor der Information Network Security Agency (INSA), einer geheimdienstlichen Behörde, die die Telekommunikation und das Internet in Äthiopien überwacht.

Seit 2010 ist er Mitglied des äthiopischen Parlaments, von 2015 bis 2016 war er Wissenschaftsminister des Landes. Er gehört der politischen Fraktion der „Demokratischen Organisation des Oromovolkes“ (OPDO) an, die Teil der regierenden Einheitspartei EPDRF ist. Seit März 2018 ist er Vorsitzender der EPRDF. Mit 42 Jahren ist er der jüngste Regierungschef Afrikas.

Hintergrund

Der Hessische Friedenspreis und das zugehörige Kuratorium wurden 1993 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald gegründet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Mitglieder des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, vergeben von der Albert Osswald-Stiftung, sind:
• Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis, Staatsminister a.D.
• Boris Rhein, Präsident des Hessischen Landtags
• Norbert Kartmann, Präsident a.D. des Hessischen Landtags
• Heike Habermann, Vizepräsidentin a.D. des Hessischen Landtags
• Veronika Winterstein, Vizepräsidentin a.D. des Hessischen Landtags
• Peter von Unruh, Direktor beim Hessischen Landtag
• Professor Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung
• Professor Dr. Ursula Schröder, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg
• Professor Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC)
• PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Institut für interdisziplinäre Forschung
• Michaela Jäckel-Osswald, Großnichte von Albert Osswald

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises:

  • 1994 Marianne Heiberg-Holst, Norwegen
  • 1995 John Hume, Nord-Irland
  • 1996 Gregorio Rosa Chavez, El Salvador
  • 1997 Hans Koschnick, Deutschland
  • 1998 Alexander Lebed, Russland
  • 1999 George J. Mitchell, USA
  • 2000 Martti Ahtisaari, Finnland
  • 2001 Max von der Stoel, Niederlande
  • 2003 Lakhdar Brahimi, Algerien
  • 2004 Hans Blix, Schweden
  • 2005 Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama
  • 2006 Daniel Barenboim, Israel
  • 2007 Christian Schwarz-Schilling, Deutschland
  • 2008 Sam Nunn, USA 2009 Dekha Ibrahim Abdi, Kenia
  • 2010 Ismail Khatib, Palästina
  • 2011 Sadako Ogata, Japan
  • 2012 Elisabeth Decrey Warner, Schweiz
  • 2013 Dr. Muhammad Ashafa und Dr. James Wuye, Nigeria
  • 2014 Rubem César Fernandes, Brasilien
  • 2015 Ella Mikhaylovna Polyakova, Russland
  • 2016 Federica Mogherini, Italien
  • 2017 Carla del Ponte, Schweiz
  • 2018 Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı, Türkei

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