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03.08.2015 - Land
Sozialminister Stefan Grüttner: Das Wiesbadener Abkommen hat eine große historische Bedeutung

Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Volker Bouffier wurde im Rahmen eines Festaktes im Hessischen Landtag an den 65. Jahrestag des Wiesbadener Abkommens erinnert. Sudetendeutscher Rat und die Sudetendeutsche Landsmannschaft Hessen hatten zu der Festveranstaltung geladen, die das Wiesbadener Abkommen vom 4. August 1950 in den Blickpunkt stellte. An jenem Tag unterzeichneten Vertreter des tschechischen Nationalausschusses und der Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen eine Vereinbarung mit dem Ziel einer gerechten Völker- und Friedensordnung in Europa. In dem Abkommen wurde der Wunsch beider Seiten bekundet, in der damaligen Tschechoslowakei demokratische Verhältnisse herzustellen und den Sudetendeutschen die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Wie in der einen Tag später, am 5. August 1950  in Stuttgart unterzeichneten „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ wurde darin eine Kollektivschuld für das gegenseitig zugefügte Unrecht abgelehnt, gleichzeitig aber eine Bestrafung der Hauptverantwortlichen gefordert.

Reinfried Vogler, Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung und BdV-Vizepräsident konnte unter den rund 140 Gästen als besonderen Ehrengast die tschechische Sozialministerin Michaela Marksova-Tominova  willkommen heißen.

Im Zusammenhang mit 25 Jahren Wiedervereinigung sowie der Europäischen Vereinigung sei es ein großartiger Augenblick, Frau Ministerin Marksova im Hessischen Landtag zu begrüßen, hob der Präsident des Landtages, Norbert Kartmann, hervor. Deutschland und Tschechien seien Schicksalsgefährten.

Blick auf das Leiden des anderen

In seiner Festrede betonte der Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner: „Ohne den Blick auf das Leiden des anderen ist Versöhnung nicht möglich. Es ist ein Verdienst des Wiesbadener Abkommens vom 4. August 1950, dass die Unterzeichner diesen Blick hatten, ohne zu verharmlosen oder zu beschönigen oder gar gleichzusetzen.“ Der Minister dankte denjenigen, die dies im Wiesbadener Abkommen vorweg genommen haben und auch denjenigen, die diese Versöhnung im Sudetendeutschen Rat, der Sudetendeutschen Landsmannschaft und auch auf tschechischer Seite unbeirrt betrieben haben. Die Heilung der tiefen Wunden des Krieges werde durch die Begegnung zwischen den Menschen möglich. Und es sei der Fortschritt des hoffentlich weiter zusammen wachsenden Europa, dass diese Begegnung heute so problemlos möglich sei.

„Das Wiesbadener Abkommen ist etwas Besonderes. Im Vergleich zur einseitigen Erklärung der deutschen Heimatvertriebenen in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950 liegt die große historische Bedeutung des Wiesbadener Abkommens in der Vereinbarung zweier Staaten“, stellte Minister Grüttner heraus. Damit habe es einen bleibenden Wert als Friedens- und Versöhnungsdokument, aber auch als Freiheitsdokument. Aufgrund der gemeinsamen Unterzeichnung durch Tschechen und Deutsche gebühre es dem Wiesbadener Abkommen, gleichberechtigt mit der Charta der deutschen Heimatvertriebenen genannt zu werden. Um das jahrhundertelange Verhaltensmuster von Rache und Gegenrache zu überwinden, sei Mut erforderlich gewesen. Heute erfülle sich die Hoffnung, dass Deutsche, Tschechen und Slowaken friedlich neben- und miteinander in einem zusammenwachsenden Europa mit Reise- und Niederlassungsfreiheit und dem Schutz Nationaler Minderheiten lebten.

Verzicht auf auf Besitzansprüche

Der Minister betonte, sein Dank gelte in diesem Zusammenhang der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die in ihrer aktuellen Satzung auf Besitzansprüche in der alten Heimat verzichtet habe. Dieser Schritt sei schwer und schmerzhaft aber konsequent und richtig.

„Es ist eine große Ehre und ein besonderes und gutes Zeichen der Versöhnung, Sie, sehr geehrte Frau Ministerin Marksova, bei dieser Veranstaltung hier im Hessischen Landtag unter uns zu wissen. Ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme“, so der Minister zum Ende seiner Festrede.

Große Fortschritte in den tschechisch-deutschen Beziehungen 

Die tschechische Ministerin Marksova erinnerte in ihrem Grußwort an das Ende des II. Weltkrieges vor 70 Jahren, eines Krieges, der ein tausend Jahre währendes Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden zerstört habe. Mit dem Wiesbadener Abkommen sei versucht worden, das Verhältnis von Deutschen und Tschechen wieder in normale Gleise zu schieben. Seitdem hätten die tschechisch-deutschen Beziehungen riesengroße Fortschritte gemacht. So sei gerade vor wenigen Wochen in Berlin eine gemeinsame Erklärung zum Deutsch-Tschechischen Dialog und einer strategischen Partnerschaft unterschrieben worden. Dies zeige, dass beide Länder wirklich zusammenarbeiten wollten. Die gemeinsame Zukunft beider Länder liege in der gemeinsamen Europäischen Union, die gegründet wurde, damit kein Krieg mehr sei. Darum müssten beide Länder immer kämpfen!

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, wies darauf hin, dass der 65. Jahrestag des Wiesbadener Abkommens nahezu zusammenfalle mit der neu unterzeichneten strategischen Partnerschaft. Was damals Vision gewesen sei, werde jetzt konkret. Es zahle sich aus, den Weg des Friedens weiterzugehen. Die Festveranstaltung sei daher nicht nur eine Gedenkveranstaltung, sondern eine Wegmarke in eine bessere Zukunft.

Im Geiste der Versöhnung und der Völkerverständigung

In seinem Schlusswort lobte der amtierende Präsident des Sudetendeutschen Rates, Albrecht Schläger, den „guten Geist“ im Hessischen Landtag. Das Land Hessen unterstütze sei Jahr und Tag die Vertriebenen in vorbildlicher Weise. Schläger dankte Minister Stefan Grüttner, sowie der Landesbeauftragten Margarete Ziegler-Raschdorf für die kontinuierliche Begleitung. Die erstmalige Anwesenheit von Ministerin Marksova im Hessischen Landtag sei etwas ganz Besonderes. Seit Jahren arbeite die Ministerin im Geiste der Versöhnung und der Völkerverständigung. Schläger schloss mit den Worten: „Wir erleben einen Tag, der in die Geschichtsbücher eingehen wird!“

Themengebiet: Vertriebene, Geschichte