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28.04.2015 - Land
Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz: Bildungsgipfel Hessen stellt erste inhaltliche Weichen

Gipfelteilnehmer verständigen sich auf Empfehlungspapiere zur Lehrerbildung und zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt.

 

Die Mitglieder des hessischen Bildungsgipfels haben heute die Positionspapiere von vier Arbeitsgruppen beraten und damit die Weichen für die Arbeit in den kommenden Wochen gestellt. Es war die dritte Sitzung des Gipfelgremiums, nachdem in den vergangenen Wochen zahlreiche Sitzungen der fünf gebildeten Arbeitsgruppen und Workshops stattgefunden hatten. „Hinter uns liegt eine intensive und sehr konstruktive Arbeitsphase in den vergangenen drei Monaten“, konstatierte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz zu Beginn der Veranstaltung, die diesmal im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden stattfand. „Wir wissen alle, dass wir noch nicht auf der Zielgeraden sind, aber wir haben schon einige schwierige Bergetappen hinter uns gebracht“, sagte der Kultusminister. „Und ich freue mich, dass es gelungen ist, sich heute in einigen Arbeitsfeldern auf Empfehlungspapiere als Grundlage zur weiteren Beratung zu verständigen“, so Lorz. Diese waren von den Arbeitsgruppen vorgelegt worden und befassen sich mit folgenden Themenbereichen:

  1. Schulentwicklungsplanung (AG 2)
  2. Weiterentwicklung der Inklusion (AG 3)
  3. Schule als Vorbereitung auf die Arbeitswelt (AG 4)
  4. Erste Phase der Lehrerbildung – das Studium (AG 5)

Das Empfehlungspapier zur Schulentwicklungsplanung wurde von Innenminister Peter Beuth vorgestellt, der der AG 2 „Herausforderungen der Bildungsregionen“ vorsitzt: „Unsere Arbeitsgruppe hat den Teilnehmern des Bildungsgipfels ein Papier vorgelegt, das sich abschließend mit der Schulentwicklungsplanung befasst, die sich als Teil einer regionalen Bildungsplanung versteht“, so Beuth. Das Hauptaugenmerk der Empfehlungen liegt auf den Bereichen ‚Grundschule“ und ‚Berufliche Schule‘. So heißt es darin u.a.: „Der Bildungsgipfel bekennt sich zu ‚kurze Beine, kurze Wege‘ als handlungsleitende Maxime.“

Für den Bereich der Berufsschulen empfiehlt der Bildungsgipfel für den Fall, dass nicht alle Berufsschulstandorte erhalten werden können, die Einrichtung weiterer überregionaler Fachklassen, in denen eine Bündelung der Beschulung von Auszubildenden erfolgen solle. Um dafür die Voraussetzungen zu schaffen, regt der Bildungsgipfel die Einrichtung eines landesweiten Gremiums an, in dem Kriterien für die künftige Festlegung von Fachklassenstandorten entwickelt werden. Die Gipfelteilnehmer äußerten den Wunsch und die Erwartung, dass in der Arbeitsgruppe ergänzend noch der Bereich der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen aufgenommen werde. Bis zur Juli-Sitzung werde der inhaltliche Schwerpunkt nun auf dem Thema „Weiterentwicklung ganztägig arbeitender Schulen“ liegen, so Innenminister Beuth.

Auch die AG 3 „Gestaltung individueller Unterstützungsangebote“ legte ein erstes Arbeitspapier vor, das der Bildungsgipfel zur Kenntnis nahm. Der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, lobte ausdrücklich die konstruktiven Gespräche, die seit Beginn des Bildungsgipfels mit allen Beteiligten geführt wurden: „Es ist uns gelungen, gemeinsam mit allen Akteuren des Bildungssystems die sehr vielschichtigen Aspekte der Inklusion in Schulen zu beleuchten. Ich bin zuversichtlich, dass bis zum Ende des Bildungsgipfels konkrete Empfehlungen erarbeitet werden, die den Weg für die Inklusion in Schulen für die nächsten zehn Jahre aufzeigen.“ Bereits jetzt lägen erste Ergebnisse vor, die allerdings bis Juli noch einer Ergänzung und Konkretisierung bedürften, so Grüttner abschließend.

Ausbau der Berufs- und Studienorientierung/ Neuausrichtung des Übergangssystems

Ziel von Schule als Vorbereitung auf die Arbeitswelt sei es, jedem jungen Menschen  eine Ausbildung zu ermöglichen, bevorzugt im bewährten dualen System oder – falls dies nicht gelinge – durch eine geförderte, möglichst praxisnahe vollqualifizierende Berufsausbildung“ – so formulierten es die Mitglieder der AG 4 einmütig in ihrem Empfehlungspapier. „Mit dem Bündnis Ausbildung Hessen haben wir konkrete Maßnahmen vereinbart, auf eine faktische Ausbildungsplatzgarantie für alle Jugendlichen in Hessen hinzuwirken“, erklärte der AG-Vorsitzende, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. „Wir müssen aber auch die Voraussetzungen verbessern, dass die Jugendlichen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Dafür haben wir eine Reihe von Vorschlägen entwickelt, um die Berufs- und Studienorientierung in allen Bildungsgängen und auch in der Lehrerbildung zu stärken. Als nächstes werden wir Empfehlungen ausarbeiten, wie die Schule besser auf die Lebenswelt allgemein vorbereiten kann und wie wir unser Bildungssystem durchlässiger machen.“

Ein Papier mit Handlungsempfehlungen legte auch die AG 5 Lehrerbildung vor, die sich zunächst einmal mit der ersten Phase der Lehrerbildung beschäftigt habe, erklärte der AG-Vorsitzende und Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. Zentrale Aspekte hier sind die Forderung nach einer Eignungsfeststellung und die zweistufige Gestaltung des Studiums. „Eignungsabklärung und Kompetenzüberprüfung, die entsprechend den in der jeweiligen Phase der Lehrerbildung zu erreichenden Kompetenzniveaus ausgestaltet sind, müssen mehr als bisher für jede Phase der Lehrerbildung in spezifischer Weise durchgeführt werden.“ Darüber hinaus gelte es, einen kontinuierlichen, wissenschaftlichen Praxisbezug herzustellen und ein lehramtsspezifisches Qualitätsmanagement an den Hochschulen zu implementieren.

Bei der Gestaltung von Schule liegt noch ein längerer Weg vor den Gipfelteilnehmern

Noch kein Papier vorgelegt hat die AG 1 Gestaltung von Schule, in der der Meinungsbildungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Das Gremium hat aber im März einen Workshop veranstaltet, in dem u.a. die Fraktionen des Hessischen Landtags sowie die Landesschülervertretung ihre Schulstrukturmodelle vorgestellt haben. Nach dieser Präsentation wurde der Workshop in der Methode des „World-Cafe“ fortgesetzt, d.h. die Teilnehmer bildeten moderierte Thementische und setzten sich mit den unterschiedlichen Vorschlägen auseinander. „Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren  sehr zufrieden mit der Vorbereitung und  Methodik“, erklärte die AG-Vorsitzende und Landesschulsprecherin Fevzije Zeneli. Sie brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass nach dem intensiven Meinungsaustausch in den kommenden Wochen auch ein Grundkonsens in der Frage der Schulstruktur erreicht werden könnte.

Kultusminister Lorz betonte zum Abschluss, dass er mit den bisher erreichten Ergebnissen zufrieden sei: „Es sind wohl alles Punkte, die vielleicht nicht so plakativ in der Öffentlichkeit stehen, aber für die ausführenden Akteure in den Schulgemeinden vor Ort, in der Schulverwaltung, in Wirtschaft und Betrieben und auch an den Hochschulen sind sie von enormer Bedeutung. Aus vielen Ecken haben wir bereits das Signal bekommen: Gut, dass wir hier endlich mal vorankommen!“ Die zentralen Themenfelder Schulstruktur, Ganztag und Inklusion stünden nun in den kommenden Wochen im Fokus. Entscheidungen darüber erwartet Lorz erst in der vierten Sitzung des Bildungsgipfels am 17. Juli.

Online-Beteiligung steigt weiter an – spannende Fragen stehen ins Haus

Nach wie vor gut besucht ist die Online-Beteiligungsplattform www.bildungsgipfel-hessen.de, bei der die Möglichkeit besteht, zu den von den Arbeitsgruppen entwickelten Fragen Stellung zu nehmen und eigene Vorschläge einzubringen. Die Zahl der registrierten Nutzer ist noch einmal um fast 10% angestiegen; insgesamt sind annähernd fast 40.000 Aktionen ausgeführt worden. Deutlich über 7.000 Besucher konnte die Seite zählen. „Der Bildungsgipfel ist bewusst als partizipativer Prozess angelegt“, hob der Kultusminister noch einmal hervor. „Demokratie lebt vom Mitmachen – und nicht nur davon, dass man alle paar Jahre zur Wahlurne geht. Auch in dieser Form besteht die Möglichkeit der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe zur Weiterentwicklung politischer Prozesse. Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Form des Mitmachens bis zum Sommer noch einmal verstärkten Zulauf erführe“, so Lorz. Denn dies zeige, dass die Diskussionen auch von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen würden.

Hintergrund:

Der Bildungsgipfel hat das Ziel einer langfristigen gesellschaftlichen Verständigung über die schulische Bildung in Hessen. Teilnehmer sind die Entscheidungsträger im Bildungsbereich aus der Schule selbst sowie aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. In der inhaltlichen Arbeit und Diskussion geht es darum, wie eine langfristige Verständigung über Eckpfeiler der schulischen Bildung in Hessen erreicht werden kann. Dahinter steckt vor allem der Gedanke, dass sich Schulen künftig auf ihr eigentliches Kerngeschäft – den guten Unterricht – konzentrieren können.

Themengebiet: Bildung, Arbeitsmarkt