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19.02.2015 - Land
Hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann: Dieser Fleiß ist einer der Grundbausteine dafür, dass wir in Hessen über eine konsequente und effektive Strafverfolgung verfügen

Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und der hessische Generalstaatsanwalt Hans-Josef Blumensatt zogen heute in Frankfurt am Main eine positive Bilanz der Arbeit der neun hessischen Staatsanwaltschaften und der Amtsanwaltschaft Frankfurt am Main für das Jahr 2014.

"Ich bedanke mich bei Herrn Generalstaatsanwalt Blumensatt und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der hessischen Staatsanwaltschaften und der Amtsanwaltschaft Frankfurt am Main für täglich geleistete Arbeit. Dieser Fleiß ist einer der Grundbausteine dafür, dass wir in Hessen über eine konsequente und effektive Strafverfolgung verfügen“, so die Justizministerin.

Gegenstand der Pressekonferenz waren unter anderem die Jahresstatistik 2014 der hessischen Staatsanwaltschaften und der Amtsanwaltschaft Frankfurt am Main sowie ausgewählte Ermittlungsverfahren aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaftskriminalität, der Eingreifreserve sowie der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT).

Kriminalität darf sich nicht lohnen. Diesem Zweck dient unter anderem die Vermögensabschöpfung. Tätern werden auf diesem Weg die Vorteile der Tat entzogen. Dies umfasst die Tatbeute oder eine „Gegenleistung“ (z.B. Kurierlohn). Im Rahmen der Pressekonferenz wurde unter anderem auch ein Überblick über die Vermögensabschöpfung im Jahr 2014 sowie steuerliche Mehreinnahmen aufgrund der von der Eingreifreserve bearbeiteten Steuerstrafverfahren gegeben.

Der Generalstaatsanwalt wies darauf hin, dass nicht nur die Zahl der Verfahren zunehme, sondern auch deren Umfang. „Komplexe Wirtschaftsstrafverfahren stellen die hessischen Strafverfolgungsbehörden vor besondere Herausforderungen“, so Hans-Josef Blumensatt.

Jahresstatistik 2014:
359.784 neue Ermittlungsverfahren im Jahr 2014

Die Zahl der Neueingänge lag im Jahr 2014 bei insgesamt 359.784 Verfahren. Hessens 402 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie 116 Amtsanwältinnen und Amtsanwälte haben im vergangenen Jahr insgesamt 356.069 Ermittlungsverfahren abgeschlossen.

Hiervon u.a.:

  • 27.555 durch Anklage
  • 33.768 durch Antrag auf Erlass eines Strafbefehls
  • 15.956 durch Einstellungen mit Auflagen (§ 153a StPO)
  • 52.174 durch Einstellungen ohne Auflagen (§ 153 StPO)
  • 89.049 durch Einstellungen mangels hinreichenden Tatverdachts (§ 170 Abs. 2 StPO)
  • 13.246 durch Einstellungen nach Jugendstrafrecht (§ 45 JGG)

Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer aller Ermittlungsverfahren betrug zwei Monate und hält sich somit seit 2012 konstant auf einem sehr guten Niveau.

„Die statistischen Zahlen vermitteln zwar einen Eindruck von dem hohen Arbeitseinsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der hessischen Staatsanwaltschaften und der Amtsanwaltschaft Frankfurt am Main. Die hiermit einhergehenden besonderen personellen und fachlichen Belastungen für die Justiz lassen sich jedoch nicht allein durch statistische Zahlen abbilden“, erläuterte Generalstaatsanwalt Blumensatt.

„Diese Herausforderung zu meistern, ist eine wichtige Aufgabe der Justiz am Wirtschaftsstandort Hessen mit seinem Finanzplatz Frankfurt am Main, denn ein starker Wirtschaftsstandort braucht eine starke Justiz“, ergänzte Justizministerin Kühne-Hörmann.

Vermögensabschöpfung:
Ca. 51 Mio. Euro vorläufig sichergestellt

Die Vermögensabschöpfung dient gleichermaßen der Bekämpfung von Straftaten, insbesondere im Bereich der Wirtschafts- und der Organisierten Kriminalität, dem Opferschutz durch Rückgewinnungshilfe sowie fiskalischen Interessen.

Rückgewinnungshilfen sind mögliche Ansprüche von Geschädigten gegen den Täter. Die Strafverfolgungsbehörden unterstützen die Geschädigten, indem sie insbesondere Geldmittel vorläufig sichert, damit diese durch den Verletzten später in Form von Schadensersatz gegen den Täter geltend gemacht werden können. Die zügige Sicherstellung solcher Erlöse aus Straftaten ist notwendig, damit Opfer von Straftaten später überhaupt die Chance haben, an ihr Geld oder ihre Vermögenswerte heranzukommen. Die Rückgewinnungshilfe ist damit ein wesentlicher Beitrag zu einem wirkungsvollen Opferschutz.

„Kriminellen Organisationen, Banden und Einzeltätern muss ihr „Betriebskapital“ für weitere kriminelle Handlungen wirksam entzogen werden“, erklärte Justizministerin Kühne-Hörmann, „denn Verbrechen darf sich nicht lohnen.“

„Die hessischen Strafverfolgungsbehörden haben auch im Jahr 2014 erhebliche Anstrengungen unternommen, um in Ermittlungsverfahren Vermögenswerte zum Zweck der Rückgewinnungshilfe zugunsten Geschädigter oder zur Ermöglichung von Einziehung oder Verfall zugunsten des Fiskus zu sichern“, erläuterte Generalstaatsanwalt Blumensatt.

Im Jahr 2014 sind von hessischen Staatsanwaltschaften und dem Hessischen Landeskriminalamt insgesamt ca. 51 Millionen Euro aus Straftaten vorläufig sichergestellt worden.
Aus rechtskräftigen Urteilen, in denen Vermögen abgeschöpft wurde, sind dem Fiskus im Jahr 2014 endgültige Einnahmen i.H.v. insgesamt ca. 1,3 Millionen Euro zugeflossen.

Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität:
Komplexität der Verfahren steigt

„Die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität stellt die hessischen Strafverfolgungsbehörden vor besondere Herausforderungen“, so der Generalstaatsanwalt.

Als aktuelles Beispiel für die gewachsenen Anforderungen an die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität führte Generalstaatsanwalt Blumensatt das bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main - Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen - geführte Ermittlungsverfahren gegen die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen der S & K – Unternehmensgruppe an, gegen die nach umfangreichen Ermittlungen im Januar 2015 mit einer 3.150 Seiten umfassenden Anklageschrift u.a. wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges und banden- und gewerbsmäßiger Untreue Anklage beim Landgericht Frankfurt am Main erhoben worden ist. Gegenstand des Strafverfahrens ist der Vorwurf der betrügerischen Erlangung und fortlaufenden Veruntreuung von Anlegergeldern durch Errichtung eines sog. Schneeballsystems. Neben dem Einsammeln von Geldern aus Lebensversicherungen sowie Anlegergeldern für eigene Fonds sollen die Angeschuldigten auch Fonds mit einem Vermögensbestand im Milliarden-Euro-Bereich aufgekauft haben, um so an Liquidität zum Verbrauch für eigene Zwecke sowie zur Aufrechterhaltung des Schneeballsystems zu kommen. Seit Februar 2013 befinden sich 6 Angeschuldigte durchgängig in Untersuchungshaft. Im Zuge der Ermittlungen sind mehr als 150 Durchsuchungsbeschlüsse sowie mehr als 50 dingliche Arreste über ca. 130 Millionen Euro zur Vermögenssicherung als Rückgewinnungshilfe für die Geschädigten vollstreckt worden. Tatsächlich gesichert wurden bisher Vermögenswerte im Umfang von ca. 55 Millionen Euro. Die Ermittlungen wurden durchgängig von fünf Staatsanwälten und zahlreichen Polizeibeamten des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main, für die eigens eine Arbeitsgruppe (AG Cash) eingerichtet wurde, geführt.

„Mein besonderer Dank gilt den Staatsanwältinnen und Staatsanwälten, die durch ihren unermüdlichen Arbeitseinsatz dieses Großverfahren zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht haben“, betonte Generalstaatsanwalt Blumensatt.

Dank Eingreifreserve:
177 Mio. Euro mehr Steuereinnahmen im Jahr 2014

„Mit der Eingreifreserve verfügt Hessen über eine bundesweit einzigartige operative Einheit, die seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität und Entlastung sämtlicher hessischen Staatsanwaltschaften leistet“. Mit diesen Worten übergab Generalstaatsanwalt Blumensatt Justizministerin Kühne-Hörmann den Tätigkeitsbericht der Eingreifreserve für das Jahr 2014. „Der Jahresbericht der Eingreifreserve belegt die besondere Expertise bei der Bekämpfung der schweren Steuerkriminalität sowie von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen“, betonte Generalstaatsanwalt Blumensatt.

Im April 2000 - mit zwei Dezernentinnen - gegründet, hat sich die Eingreifreserve über die Jahre zu einer eigenständigen Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main entwickelt. Sie besteht aktuell aus einem Leitenden Oberstaatsanwalt, zwei Oberstaatsanwälten, sechs Staatsanwältinnen/Staatsanwälten sowie einem Wirtschaftsreferenten. Von der Eingreifreserve sind 2014 insgesamt 212 Ermittlungsverfahren übernommen worden, hiervon 145 aus dem Bereich der Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen. Im Jahr 2014 sind von der Eingreifreserve insgesamt 311 Ermittlungsverfahren abgeschlossen worden.

Im Jahr 2014 sind von der Eingreifreserve insgesamt ca. 10,1 Millionen Euro unrechtmäßige Gewinne abgeschöpft worden, hiervon entfielen ca. 8,8 Millionen Euro auf Ermittlungsverfahren aus dem Bereich des Gesundheitswesens.

Besonders hervorzuheben sind die bestandskräftigen steuerlichen Mehrergebnisse (einschließlich Zinsen) i.H.v. ca. 177 Millionen Euro, die von den Finanzbehörden allein im Jahr 2014 aufgrund der von der Eingreifreserve bearbeiteten Steuerstrafverfahren erzielt bzw. an Vorsteuererstattungen erspart worden sind. Im Zeitraum 2011 bis 2014 belaufen sich die bestandskräftigen steuerlichen Mehrergebnisse (einschließlich Zinsen) sogar auf einen Gesamtbetrag i.H.v. ca. 1,04 Milliarden Euro.

„Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass Steuerstraftaten in Hessen effektiv und effizient geahndet werden. Auch wenn das primäre Ziel der Eingreifreserve die Aufklärung von Straftaten ist, trägt die Arbeit der Eingreifreserve erheblich zur Herstellung von Steuergerechtigkeit bei. Denn mit jedem Euro, der dem Staat in Form von Steuern erhalten bleibt, kann in Schulen oder Kindergärten investiert werden“, so Justizministerin Kühne-Hörmann.

„Dieser Erfolg beruht ganz maßgeblich auf der engen Zusammenarbeit der Eingreifreserve mit der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main, den hessischen Steuerfahndungsstellen, dem Bundeskriminalamt und der hessischen Polizei“, ergänzte Generalstaatsanwalt Blumensatt.

Beispielhaft für die erfolgreiche Arbeit der Eingreifreserve bei der Bekämpfung schwerer Steuerstraftaten sind die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Umsatzsteuerkarussell mit dem Handel von CO2-Emissionsrechten. In dem Ermittlungskomplex sind im April und im Juli 2014 drei Beteiligte des Umsatzsteuerkarussells vom Landgericht Frankfurt am Main wegen schwerer Steuerhinterziehung mit einem Steuerschaden zwischen ca. 4,6 bis zu ca. 30 Millionen Euro rechtskräftig zu Freiheitsstrafen zwischen 2 Jahren 9 Monaten und 4 Jahren 2 Monaten verurteilt worden. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Umsatz-steuerkarussells konnte aufgrund eines internationalen Haftbefehls des Amtsgerichts Frankfurt am Main am 04. Mai 2014 in Las Vegas festgenommen werden und befindet sich derzeit in den USA in Auslieferungshaft. Dem Beschuldigten wird ein Steuerschaden i.H.v. insgesamt ca. 136 Millionen Euro zur Last gelegt. Gegen zwei weitere Beschuldigte wird in-ternational gefahndet. Bislang sind in dem Ermittlungskomplex Freiheitsstrafen in Gesamthöhe von 36 Jahren und 7 Monaten verhängt worden.

Korruption im Gesundheitswesen:
Hessen bundesweit Vorreiter

Ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt der Eingreifreserve ist die Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen. „Hier übernimmt Hessen mit der im
Oktober 2009 errichteten Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen (ZBVKG) bundesweit eine Vorreiterstellung“, erläuterte Generalstaatsanwalt Blumensatt.

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann nahm das Stichwort Korruption im Gesundheitswesen auf, um auf aktuelle Gesetzesvorhaben einzugehen. „Das kürzlich eingebrachte Gesetz zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen ist zwar vom Ziel her zu begrüßen; es wird die Anzahl und Komplexität der Verfahren jedoch weiter steigern. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Wir müssen deshalb sicherstellen, dass unsere Strafverfolgungsbehörden es jederzeit mit den Tätern im Nadelstreifen aufnehmen können“, so die Justizministerin.

„Ich bin froh, dass Bundesjustizminister Heiko Maas die Korruption im Gesundheitswesen nach Druck aus den Ländern endlich angeht. Der dazu eingebrachte Gesetzentwurf ist zu begrüßen, weil er zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität beiträgt. Eine Vereinbarung - teure Medikamente gegen finanzielle Vorteile - zwischen Ärzten und Pharmaunternehmen wird künftig strafbar sein. In Hessen sind wir darauf vorbereitet, weil wir bereits über eine funktionierende Infrastruktur für die Umsetzung des neuen Straftatbestands verfügen“, erklärte Justizministerin Kühne-Hörmann.

Dass es Missstände im Gesundheitswesen gibt, zeigen aktuelle Verfahren. So hat die Zentralstelle gegen zwei Fachärzte für Allgemeinmedizin aus dem Landkreis Gießen im April 2014 beim Landgericht Gießen Anklage wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges in 21 Fällen erhoben. Den beiden Medizinern wird zur Last gelegt, im Tatzeitraum Januar 2007 bis Juli 2012 tatsächlich nicht erbrachte Vertretungsleistungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen betrügerisch abgerechnet und hierdurch einen Schaden i.H.v. insgesamt ca. 500.000 Euro verursacht zu haben.

Internetkriminalität:
ZIT ist international vernetzt und erfolgreich

„Das Internet ist der größte Tatort der Welt und stellt die Strafverfolgungsbehörden vor ganz besondere Herausforderungen. Auch bei der Bekämpfung der Cyberkriminalität nimmt Hessen bundesweit eine Vorreiterstellung ein.“ Mit diesen einleitenden Worten stellte Generalstaatsanwalt Blumensatt die Arbeit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) vor.

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität ist am 1. Januar 2010 als Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit Sitz in Gießen errichtet worden und bearbeitet hessenweit Ermittlungsverfahren wegen besonders schwerwiegender oder umfangreicher Internetstraftaten. Die ZIT ist auch erster Ansprechpartner des Bundeskriminalamts für die Verfolgung von Internetstraftaten bei noch ungeklärter örtlicher Zuständigkeit. Diese Funktion der ZIT ist von der Bundesregierung ausdrücklich anerkannt worden (vgl. BT-Drucks. 18/931 S. 13). Zudem ist die ZIT Mitglied des in Gründung befindlichen internationalen Netzwerkes der Cybercrime-Staatsanwaltschaften. Diese Institution wird zukünftig ein Partner des weltweiten, rund um die Uhr erreichbaren Netzwerkes der polizeilichen Cybercrime-Dienststellen (G8 24/7 High Tech Crime Network – HTCN) sein.

„Wer Cyberkriminalität effektiv und umfassend bekämpfen will, braucht technisch und personell gut ausgestattete Strafverfolgungsbehörden, die global vernetzt sind“, erläuterte Generalstaatsanwalt Blumensatt. „Die effektive Bekämpfung sämtlicher Formen der Internetkriminalität ist Daueraufgabe der Justiz, aber auch des Gesetzgebers. In Deutschland fehlt eine Digitale Agenda für das Strafrecht“, ergänzte Justizministerin Kühne-Hörmann, die fortfuhr „Gerade im Bereich der Internetkriminalität ist die internationale Vernetzung der Strafverfolgungsbehörden von besonderer Bedeutung. Das Internet kennt keine Grenzkontrollen. Diesen Umstand machen sich viele Straftäter zu Nutze. Nur wenn unsere Strafverfolgungsbehörden ebenso international agieren, können wir solchen Tätern das Handwerk legen“, so die Justizministerin.

Die von der ZIT bearbeiteten Ermittlungsverfahren erfassen sämtliche Deliktsfelder der Internetkriminalität, vom Drogenhandel über Datendiebstahl bis hin zur Kinderpornografie.

Bei einem der größten Ermittlungsverfahren im letzten Jahr ging es um den Verdacht des Ausspähens von Daten und des Computerbetrugs und richtete sich gegen die mutmaßlichen Verkäufer und Erwerber der Schadsoftware „Blackshades“, ein Trojaner, der u.a. ermöglicht, die Kontrolle über das infizierte Computersystem zu übernehmen und dieses aus der Ferne zu steuern. Im Zuge der von EUROJUST und EUROPOL koordinierten weltweiten Ermittlungen sind am 13. Mai 2014 weltweit über 350 Objekte von Tatverdächtigen durchsucht worden, hiervon bundesweit die Wohnungen von 99 Tatverdächtigen. Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Erkenntnisse der US-Behörden aus einem dort geführten Ermittlungsverfahren gegen die Vertreiber der Schadsoftware. Insgesamt wurden in den beteiligten Ländern über 1.000 Computer und Speichermedien sichergestellt. Ferner wurden Drogen, illegale Schusswaffen und aus Straftaten herrührendes Bargeld beschlagnahmt.

Die Ermittlungen markieren einen Meilenstein in der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Cybercrime. Erstmals fand eine multinational koordinierte Aktion statt, bei der die Staatsanwaltschaften der einzelnen Staaten - für Deutschland die ZIT - von Beginn an über EUROJUST eingebunden waren und am Tag der operativen Maßnahmen eine gemeinsame justizielle und polizeiliche Koordinierungszentrale in Den Haag betrieben wurde.

„Bei diesem Verfahren haben wir einen Eindruck vom künftigen Berufsbild des Staatsanwalts in der digitalisierten Welt gesehen“, so die Justizministerin.

Welche Bandbreite Internetkriminalität aufweist, belegt ein weiteres Ermittlungsverfahren der ZIT wegen des Verdachts des bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge über das Internet. Die Ermittlungen richten sich gegen die Betreiber, Anbieter und Kunden verschiedener Handelsplattformen im Internet, über die ein schwunghafter illegaler Handel mit Betäubungsmitteln (u.a. Kokain, Cannabisprodukte und Methamphetamin) betrieben worden sein soll. Am 6. November 2014 sind in Deutschland zwei Rechenzentren sowie jeweils eine Wohnung in Ungarn sowie Schottland durchsucht worden. Im Rahmen der Durchsuchungen konnten mehrere Server sichergestellt werden, über die Handelsplattformen im TOR-Netzwerk gehostet wurden. Zudem konnten Bitcoins im Wert von 1 Million US-Dollar und 180.000 € in bar sowie große Mengen an Rauschgift, Gold und Silber sichergestellt werden. Die Ermittlungen in Deutschland waren Teil einer international koordinierten Maßnahme, an der Polizei- und Strafverfolgungsbehörden aus 22 Ländern sowie EUROJUST und EUROPOL mitgewirkt haben.

„Der Verkauf von Betäubungsmitteln über Handelsplattformen im Internet ist ein relativ neues Phänomen, dem sich Strafverfolgungsbehörden und Polizei gemeinsam stellen müssen“, erläuterte Generalstaatsanwalt Blumensatt. „Dieses Beispiel verdeutlicht, dass es keine absolute Anonymität im Internet gibt. Wer Straftaten über das Internet begeht, muss mit konsequenter Strafverfolgung rechnen“, stellte Justizministerin Kühne-Hörmann klar.

Besondere Anstrengungen unternimmt die ZIT seit jeher bei der Bekämpfung der Kinderpornografie und des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Auch im Jahr 2014 sind von der ZIT eine Vielzahl von Ermittlungsverfahren aus diesem Deliktsbereich bearbeitet und hierbei wichtige Ermittlungserfolge erzielt worden.

So wurden in einem Ermittlungsverfahren gegen die mutmaßlichen Nutzer eines Internetforums wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornografischer Schriften am 5. August 2014 bundesweit die Wohnungen von insgesamt 115 Tatverdächtigen durchsucht. Die Beschuldigten im Alter zwischen 21 und 60 Jahren sollen in einem bei männlichen Homosexuellen bekannten sozialen Netzwerk zwei geschlossene Benutzergruppen eingerichtet, hierüber Kontakte zu Gleichgesinnten geknüpft und mit diesen kinderpornografisches Bild- und Videomaterial ausgetauscht haben. Anlässlich der Durchsuchungen, an denen insgesamt ca. 550 Polizeibeamte beteiligt gewesen sind, konnte umfangreiches Beweismaterial, u.a. ca. 260 PCs und Notebooks, 850 externe Speichermedien (z.B. Festplatten, USB-Sticks, SD-Karten), ca. 150 mobile Endgeräte (z.B. Smartphones, Mobiltelefone, Tablets) und ca. 7.500 optische Datenträger (CD/DVD), sichergestellt werden, das zwischenzeitlich ausgewertet wird.

In einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften ist am 24. Oktober 2014 in Oberösterreich ein 49-jähriger deutscher Staatsangehöriger festgenommen worden, der dringend verdächtig ist, seinen 7-jährigen Sohn schwer sexuell missbraucht, hiervon Licht-bilder gefertigt und diese über das Internet verbreitet zu haben. Im Zuge anlassunabhängiger Ermittlungen im Internet war das Bundeskriminalamt Wiesbaden Ende 2013 auf das Bildmaterial aufmerksam geworden. Nachdem die vorgeschalteten polizeilichen Ermittlungen ergebnislos verlaufen waren, leitete die ZIT am 22. September 2014 eine bundesweite zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsfahndung an Schulen ein. Im Zuge der „Schulfahndung“ wurden Lehrern an Grundschulen (nicht pornografische) Lichtbilder des Geschädigten vorgelegt. Eine Schulleiterin aus Niederbayern identifizierte den Geschädigten am 24. Oktober 2014 eindeutig.

„Dieser Ermittlungserfolg verdeutlicht, wie wichtig das Instrument der zielgruppenorientierten Öffentlichkeitsfahndung in Form der „Schulfahndung“ bei der Identifizierung von Opfern sexuellen Missbrauchs ist“, erläuterte Generalstaatsanwalt Blumensatt.

Themengebiet: Justiz, Finanzen