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18.02.2015 - Land
Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz: Ich freue mich sehr über diese Übereinkunft

Ein neuer Vertrag zwischen dem Land Hessen und dem Verband Bildungsmedien e.V. ermöglicht blinden oder sehbehinderten Schülerinnen und Schülern künftig einen erleichterten Zugang zu den Inhalten von Unterrichtswerken. Während eines gemeinsamen Besuchs der Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg – einer Schule mit Förderschwerpunkt Sehen – unterzeichneten Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz und Dr. Maren Saiko vom Verband Bildungsmedien den Kontrakt, der in der Nachfolge eines bereits 2003 geschlossenen Vertrags steht. Dieser ließ damals jedoch nur die Überlassung der Quelldateien für  blinde Schülerinnen und Schüler zu. Vorstandsmitglied Saiko und Minister Lorz zeigten sich sehr zufrieden über den Vertrag, der jetzt blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern einen barrierefreien Zugang zu Schulbüchern ermöglicht.

Schnelle und unbürokratische Hilfe für Schüler

„Ich freue mich sehr über diese Übereinkunft, weil sie in der Beschulung sehbehinderter Schülerinnen und Schülern einen echten Sprung nach vorn bedeutet“, erklärte Minister Lorz. „Wir haben einen Vertrag vereinbart, der deutschlandweit einen erleichterten Zugang zu Unterrichtswerken schafft – an Förderschulen und im inklusiven Unterricht für Schülerinnen und Schüler im Förderschwerpunkt Sehen.“ Von Hessen gehe die Versorgung aus, weil man mit Friedberg als Zentralstelle und den Medienzentren in Frankfurt, Marburg und Homberg (Efze) schon immer für eine hochwertige Unterstützung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlichen eintrete. „Wir sind jetzt gemeinsam auch für die anderen Bundesländer zu einem großartigen Ergebnis gelangt“, so Lorz. Für den Verband Bildungsmedien e. V. sagte Vorstandsmitglied Dr. Maren Saiko: „Wir freuen uns sehr über die neue Vereinbarung. Die deutschen Bildungsmedienverlage übernehmen damit Verantwortung dafür, dass blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schülern schnell und unbürokratisch geholfen wird. So leisten die Verlage einen wichtigen Beitrag für die Umsetzung von inklusivem und integrativem Unterricht.“

Die Möglichkeiten für die Bereitstellung von Unterrichtsmedien für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Als 1994 das Medienzentrum an der Johann-Peter-Schäfer-Schule eingerichtet wurde, um blinde Schülerinnen und Schüler in der integrativen Beschulung schneller mit in Blindenschrift übertragenen Unterrichtswerken zu versorgen, mussten noch die normalen Schulbücher gekauft werden. Diese wurden dann seitenweise auseinandergeschnitten, die Seiten einzeln eingescannt und dann Korrektur gelesen, bevor sie mit Hilfe eines Spezialprogrammes in Blindenschrift übersetzt werden konnten.

Die technische Entwicklung – gerade im Computerwesen – hat dazu geführt, dass die größeren Schulen für Blinde und Sehbehinderte in Deutschland spätestens seit Mitte bis Ende der 1990er-Jahre mit Medienzentren ausgestattet wurden und die meisten Schulbuchübertragungen, die zu dieser Zeit noch wie oben beschrieben erstellt wurden, dann in digital bearbeiteter Form vorlagen. Hierdurch konnten vielfältige Synergieeffekte genutzt werden. Über die Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg wurde in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Bildungsserver eine bundesweite Datenbank erstellt, in der die Medienzentren der Blinden- und Sehbehindertenschulen der einzelnen Bundesländer ihre in Blindenschrift übertragenen Schulbücher einstellen konnten und somit Doppelübertragungen vermieden wurden. Dies führte zu einer insgesamt schnelleren Versorgung blinder und sehbehinderter Schülerinnen und Schüler im integrativen Unterricht vor Ort.

Zusammenarbeit mit Schulbuchverlagen über digitale Vorlagen

Da trotz dieses Quantensprungs in der Versorgung blinder Schülerinnen und Schüler mit Unterrichtswerken in den einzelnen Medienzentren die Übertragung immer noch über Scanner, Korrekturlesen, Neuformatierung etc. laufen musste, war die nächste logische Schlussfolgerung eine Zusammenarbeit mit den Schulbuchverlagen, um von dort die Quelldateien der Schulbücher zu erhalten. Dies bedeutete einen neuerlichen Quantensprung, da Einscannen und Korrekturlesen und zum Teil auch Neuformatierungen entfallen konnten.

Mit dem nun geschlossenen Vertrag können nunmehr auch sehbehinderte Schülerinnen und Schüler versorgt werden. „Damit sind die Medienzentren der Schulen mit dem Förderschwerpunkt Sehen künftig in der Lage, sehr zeitnah neben den blinden auch die sehbehinderten Schülerinnen und Schüler mit den notwendigen Unterrichtswerken in der gleichen Qualität, wie sie auch für sehende Schülerinnen und Schüler vorhanden sind, zu versorgen“, erläuterte Kultusminister Lorz. In dem jetzt vorliegenden Vertrag räumt der Verband Bildungsmedien dem Land Hessen außerdem das Recht ein, die ihm übertragenen Nutzungsrechte an Unterrichtswerken weiter zu übertragen. Zur Umsetzung dieser Befugnis werden derzeit entsprechende Verwaltungsvereinbarungen mit den anderen Bundesländern sowie mit Hoheitsträgern im deutschsprachigen Ausland und der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. geschlossen.

Themengebiet: Integration