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30.01.2015 - Land
Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz: Arbeitsgruppen präsentieren erste Ergebnisse

Die Mitglieder des hessischen Bildungsgipfels sind heute zum zweiten Mal in Großer Runde zusammengekommen. Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz begrüßte die Teilnehmer und erinnerte noch einmal an das Ziel der Veranstaltung: „Mit dem Bildungsgipfel wollen wir eine langfristige gesellschaftliche Verständigung über die schulische Bildung in Hessen erreichen. Deshalb habe ich die Entscheidungsträger im Bildungsbereich aus der Schule selbst sowie aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zur Diskussion darüber eingeladen, wie eine langfristige Verständigung über Eckpfeiler der schulischen Bildung in Hessen erreicht werden kann.“ Dahinter stecke vor allem der Gedanke, dass sich Schulen künftig auf ihr eigentliches Kerngeschäft – „den guten Unterricht“ – konzentrieren können. „Wir tragen daher alle eine große Verantwortung, denn es geht um die Zukunft der Schülerinnen und Schüler.“

Lorz griff zu Beginn die Diskussion der vergangenen Tage und die Kritik von Verbänden sowie Eltern- und Schülervertretung an Inhalten, Verfahren und Abläufen des Bildungsgipfels sowie seiner Arbeitsgruppen auf. In einer intensiven, aber gleichzeitig konstruktiven Aussprache wurden die Kritikpunkte noch einmal angeführt und miteinander diskutiert. Die Gipfelteilnehmer verständigten sich dabei auf einige Eckpunkte zur Optimierung der Arbeitsgruppen bevor die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen einen Zwischenbericht ihrer bisherigen Arbeit gaben.

Weiterentwicklung der Berufsorientierung und Neuausrichtung des Übergangssystems

„Die Tätigkeit der AG 4 Schule als Vorbereitung auf die Arbeits- und Lebenswelt war bisher ausgesprochen produktiv“, erklärten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und VhU-Vizepräsidentin Desirée Derin-Holzapfel. „Allen Mitgliedern gebührt Dank für die intensive und sehr gute Zusammenarbeit. Wir haben es geschafft, konkrete Handlungsempfehlungen  für den ersten der drei Themenschwerpunkte zu erarbeiten und konnten dabei ein hohes Maß an Übereinstimmung erreichen.“

Die AG hatte zunächst den Themenschwerpunkt  „Schule als Vorbereitung auf die Arbeitswelt“ behandelt. Ihre Empfehlungen befassen sich mit der Stärkung der Berufsorientierung,  dem Einstieg in die duale Berufsausbildung, der Weiterentwicklung des Angebots für den ausbildungs- und berufsbegleitenden Erwerb weiterführender Schulabschlüsse sowie mit der Neugestaltung des Übergangsbereichs  einschließlich der sogenannten Assistentenausbildung.

„Im Einzelnen haben wir uns für eine Sicherung flächendeckende Berufsorientierungsaktivitäten entschieden und schlagen vor, auch die vollzeitschulischen Bildungsgänge einzubeziehen“, informierte der Minister. „Wir wollen den direkten Weg der Jugendlichen in die Ausbildung stärker unterstützen. Dazu möchten wir die Zahl derjenigen, die in den Übergangsbereich ein-mündenden, verringern und die individuelle Förderung neu konzipieren. Die Arbeitsgemeinschaft hat sich für den Vorrang der dualen beruflichen Ausbildung ausgesprochen und empfiehlt,  das Angebot vollzeitschulischer Ausbildung an diesem Ziel auszurichten. Sie wird sich nun der Themen ‚Durchlässigkeit‘ und ‚Schule als Vorbereitung auf die Lebenswelt‘  annehmen und das Konzept zur Neugestaltung des Übergangsbereichs weiterberaten.“

Was kann und was soll Schulentwicklungsplanung leisten?

Auch in Vertretung des verhinderten Co-Vorsitzenden Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt stellte Innenminister Peter Beuth den Arbeitsstand in der AG 2 Herausforderungen der Bildungsregionen vor: „Wir haben uns in den vergangenen Sitzungen zunächst dem Themenschwerpunkt ‚Weiterentwicklung der Schulentwicklungsplanung‘ gewidmet.“ Drei Kernaspekte wurden dabei fokussiert, so Beuth:

  1. Definition eines gemeinsamen Verständnisses darüber, was Schulentwicklungsplanung ist und diese auch unter ganzheitlichen Aspekten erfasst
  2. Die Sicherung qualitätsorientierter Bildungsangebote im Bereich der Grundschulen unter Berücksichtigung der Wohnortnähe
  3. Die Sicherung qualitätsorientierter Bildungsangebote im Bereich der beruflichen Schulen bei gleichzeitiger Ausrichtung am Fachkräftebedarf

Die Mitglieder der AG 2 haben daher dem Bildungsgipfel empfohlen, dass Schulentwicklungsplanung konsequent vom Kind aus gedacht werde. „Die regionale Bildungsplanung beachtet außerdem gesellschaftliche, ökonomische und technologische Entwicklungsprozesse und berücksichtigt insbesondere die Auswirkungen der demografischen Entwicklung“, so Beuth.

Bis zum nächsten Bildungsgipfel solle in der AG 2 dann die Diskussion über die Weiterentwicklung von Ganztagsangeboten im Mittelpunkt stehen. Im Mai und Juni wird es schließlich um die Zusammenarbeit von Land und Schulträgern zur Unterstützung und zur Entlastung der Schulen sowie um eine stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit mit Partnern in der Region gehen.

Inklusion und individuelle Förderung als übergreifende Ziele ins Bewusstsein rücken

Die Mitglieder der AG 3 Gestaltung individueller Unterstützungsangebote hatten sich auf zwei zu bearbeitende Themenkomplexe verständigt, für die ebenfalls zunächst eine gemeinsame Definition gefunden wurde, wie Sozial- und Integrationsminister Stefan Grüttner erläuterte: „Im Kern bedeutet Inklusion, individuelle und manifeste Behinderungen und Beeinträchtigungen in Wechselwirkung mit vorhandenen Barrieren zu sehen, die Menschen mit Beeinträchtigungen an der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft hindern und der es durch die Gestaltung individueller Unterstützungsangebote zu begegnen gilt“.

Für den Begriff der individuellen Förderung fasste die Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirats, Karen Anschütz, den Begriff folgendermaßen zusammen: „Individuelle Förderung meint den Anspruch aller Schülerinnen und Schüler, unter Berücksichtigung ihrer individuellen Ausgangslage in der körperlichen, sozialen und emotionalen sowie kognitiven oder sensorischen Entwicklung durch geeignete Lern- und Entwicklungsangebote der Schule einen individuellen Lern- und Entwicklungsfortschritt zu erzielen. Die Förderung erfolgt im Unterricht der heterogenen Lerngruppe und durch abgestimmte besondere Fördermaßnahmen, anknüpfend an den Kompetenzen und Stärken, die die Schülerinnen und Schüler mitbringen. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen werden durch das Sichtbarmachen des individuellen Fortschritts gestärkt.“ Die individuelle Förderung habe dabei alle Lernenden im Blick.

Als gemeinsame Empfehlungen der AG 3, über die ein Konsens erzielt worden sei, gaben Grüttner und Anschütz noch folgende Punkte mit:

  • Anerkennung von Heterogenität, Unterschiedlichkeit ist Normalität, interne Differenzierung wird zur Selbstverständlichkeit.
  • Einführung multiprofessioneller Teams zur Abdeckung unterschiedlicher Kompetenzen
  • Schulinterne Aktionspläne mit regelmäßiger Evaluation
  • Enge Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern, Schülerinnen und Schülern, Verwaltung, Wirtschaft und Akteuren aus dem Umfeld

Über die Punkte, über die noch Dissens herrsche, wie bspw. das Verhältnis von Förderschulen zur inklusiven Beschulung an der Regelschule, wolle man sich in den nächsten AG-Sitzungen vertieft austauschen.

Bildungschancen erhöhen und Schulsystem an den Schülerbedarf anpassen

Größere Kontroversen gibt es derzeit noch in der AG 1 Gestaltung von Schule, wie Kultusstaatsekretär Dr. Manuel Lösel und Landesschulsprecherin Fevzije Zeneli einhellig bestätigten. „Dass die Konsensfindung in dieser Arbeitsgruppe am schwierigsten würde, war uns von vorneherein klar“, betonte Lösel. „Die Diskussionen über die richtige oder falsche Schulstruktur haben über Jahrzehnte die bildungspolitische Debatte in Hessen geprägt.“ Dabei stünden insbesondere die Positionen des ‚Gemeinsamen Lernens – eine Schule für alle‘ und die des ‚Lernens in homogenen Gruppen – also im herkömmlichen gegliederten Schulsystem‘ einander gegenüber. „Einig sind wir uns aber in der Feststellung, dass die Stärkung von Chancen- und Bildungsgerechtigkeit eine der zentralen Herausforderungen der Schule ist“, so Landesschulsprecherin Zeneli, die sich im Übrigen dafür aussprach, auch die Zukunft des Gymnasiums zu überdenken.

Die Mitglieder des Bildungsgipfels verständigten sich darauf die zu besprechenden Themen in der AG 1 auf die Fragen zur Schulstruktur zu fokussieren und die Eckpunkte ihres Arbeitsauftrags zu definieren: Von der Gliederung des Schulsystems, der Frage nach längerem gemeinsamen Lernen, der Zusammensetzung von Lerngruppen sowie der Frage nach Bildungsgängen und -abschlüssen haben die AG-Mitglieder ein breites Aufgabenspektrum mitbekommen. Im Kern geht es also um die künftige Ausgestaltung der Sekundarstufe I.

Drei Phasen der Lehrerbildung aufeinander abstimmen

Und noch relativ am Anfang der Diskussion stehen die Mitglieder der AG 5 Lehrerbildung, die sich erst verspätet konstituiert hat. Die beiden Vorsitzenden, Wissenschaftsminister Boris Rhein und der Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, haben nach der ersten Runde den Auftrag erhalten, ein Positionspapier zu erarbeiten, das zunächst zwei Punkte in den Mittelpunkt rückt:

  • Feststellung und Überprüfung der Eignung für den Lehrerberuf
  • Strukturierung der 1. Phase der Lehrerbildung

„Wir sind uns einig, dass die Eignungsfeststellung nicht als selektives Instrument, sondern nur als begleitendes Instrument gesehen werden kann“, so Rhein und Mukherjee. Dennoch müsse künftig verstärkt ein flächendeckendes „Self-Assessment“ etabliert werden.

Beteiligungsmöglichkeiten für alle: über 400 registrierte Nutzer, mehr als 25.000 Aktionen

Im Zuge der inhaltlichen Vorstellung der Beiträge sind bei allen Arbeitsgruppen auch bereits die Beiträge von Bürgerinnen und Bürgern in die Debatten eingeflossen. Über die Online-Beteiligungsplattform www.bildungsgipfel-hessen.de besteht die Möglichkeit, zu den von den Arbeitsgruppen entwickelten Fragen Stellung zu nehmen und eigene Vorschläge einzubringen. Davon haben bislang mehr als 400 registrierte Nutzer Gebrauch gemacht. Insgesamt verzeichnete die Seite bereits mehr als 4.600 Besucher und über 25.000 Aktionen. 99 Beiträge sind bislang eingereicht und zahlreihe Kommentierungen verfasst worden. „Wir wollten den Bildungsgipfel bewusst als partizipativen Prozess anlegen“, betonte Kultusminister Lorz. „Ich hoffe, dass in den kommenden Wochen und Monate noch möglichst viele Menschen in unserem Land von diesem Angebot Gebrauch machen. Für eine lebendige Demokratie und Bürgerbeteiligung werden diese Formen der Beteiligung in Zukunft unerlässlich sein“, hob Lorz hervor. „Nur alle fünf Jahre an die Urnen gerufen zu werden, reicht vielen Menschen heute nicht mehr aus als demokratische Teilhabe. Diesen engagierten Bürgerinnen und Bürgern machen wir daher ein Angebot.“

Reorganisation der Arbeitsgruppen und Themenfokussierung

Die Teilnehmer des Bildungsgipfels hatten wie eingangs berichtet zunächst und durchaus kontrovers über Inhalt, Struktur und Abläufe beim Bildungsgipfel, insbesondere in den Arbeitsgruppen diskutiert. Dabei zeichneten sich dann folgende Kompromisslinien ab:

  1. Der Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer (HPRLL) wird als ständiges Mitglied neu in den Bildungsgipfel berufen.
  2. Zur Erhöhung der Arbeitseffizienz sollen die Arbeitsgruppen künftig in zwei verschiedenen Formaten tagen: Die Erarbeitung der konkreten Vorschläge für den Bildungsgipfel und die Auslotung der Kompromisse obliegt einem Gremium, das der Besetzung des Bildungsgipfels entspricht; darüber hinaus soll die Möglichkeit bestehen, in anderen Arbeitsformaten die bisherigen Gruppen auch  weiterhin die Möglichkeit haben, Impulse und Anregungen in den Prozess einzubringen.
  3. Die Arbeitsgruppen erhalten aus dem gleichen Grund den Auftrag eine stärkere Themenfokussierung vorzunehmen.
Themengebiet: Bildung