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08.10.2014 - Land
Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz: Der Islamische Religionsunterricht in Hessen ist eine Erfolgsgeschichte.

Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz hat gut ein Jahr nach der Einführung eine positive Zwischenbilanz des bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterrichtes in Hessen gezogen. Auf einer Veranstaltung in der Hessischen Landesvertretung in Berlin sagte Lorz: „Der Islamische Religionsunterricht in Hessen ist eine Erfolgsgeschichte. In seiner Ausgestaltung als ordentliches Lehrfach nach dem Grundgesetz wird er in deutscher Sprache erteilt und steht unter staatlicher Aufsicht.“ Das Konzept sei somit einzigartig in Deutschland, nur hier bestehe derzeit ein bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht gemäß Art. 7 Abs. 3 Grundgesetz. „Vor allem aber bestätigt sich die große Nachfrage nach islamischen Religionsunterricht durch die Anmeldezahlen der Schülerinnen und Schüler“, so Lorz.

Der Kultusminister würdigte vor allem die für einen gesetzeskonformen bekenntnisorientierten Religionsunterricht notwendigen Kooperationspartner – den DITIB Landesverband Hessen e.V. und Ahmadiyya Muslim Jama K.d.ö.R. – als „verlässliche und konstruktive Partner“. Diese beiden Gruppen hatten seinerzeit den Antrag zur Erteilung eines bekenntnisorientierten Religionsunterrichtes gestellt. Islamwissenschaftliche und staatskirchenrechtliche Gutachten bestätigten, dass es sich bei beiden um Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes handelt. Daraufhin wurden sie von der Hessischen Landesregierung anerkannt, um im vergangenen Schuljahr 2013/14 mit dem Religionsunterricht zu beginnen.

Dem vorausgegangen war die Entwicklung eines Kerncurriculums für Islamischen Religionsunterricht in der Primarstufe. In den Kerncurricula werden das islamische Verständnis und die Grundkenntnisse von Religion und Kultur der muslimischen Gemeinschaften dargestellt. Alle curricularen Ausführungen für das Fach Islamische Religion stehen in Übereinstimmung mit dem Hessischen Schulgesetz, der Landesverfassung und dem Grundgesetz. So werden in den neuen Unterrichtsangeboten die wechselseitige Erschließung von Glaubensüberlieferungen vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler in Fragen der Glaubenslehre thematisiert.

„Ziel ist es dabei, die teilnehmenden Kinder zu einem besseren Verständnis der eigenen Religion zu befähigen“, erklärte Prof. Lorz. Neben der religiösen Bildung sei die Persönlichkeitsentwicklung der teilnehmenden Mädchen und Jungen von großer Bedeutung. „Der auf der Grundlage der jeweiligen Kerncurricula erteilte bekenntnisorientierte Religionsunterricht soll dazu beitragen, dass die Kinder die jeweiligen zentralen Glaubensaussagen und die jeweilige religiöse Praxis verstehen und nachvollziehen können.“

Wesentliche Unterschiede zur Islamkunde und zum Fach Ethik sind über die in den Kerncurricula festgelegten Ziele festgelegt, die analog zum Religionsunterricht in anderen Religionen nicht nur eine grundlegende Wissensvermittlung über die jeweilige Religion, sondern eine grundlegende Werteerziehung auf der Grundlage dieses Bekenntnisses anstrebt. Durch den bekenntnisorientierten Religionsunterricht soll den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit gegeben werden, sich in altersgemäßer Weise mit den Antworten ihrer Religion auf die zentralen individuellen und sozialen Existenzfragen auseinanderzusetzen und auf diese Weise Anregungen zu eigener Urteilsbildung und Standortfindung zu erfahren.

Bildungspolitisches Ereignis von gesellschaftlicher Bedeutung

„Der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht in Hessen ist also kein Experiment, sondern ein bildungspolitisches Ereignis von gesellschaftlicher Bedeutung“, hob der Hessische Kultusminister hervor. Der bekenntnisorientierte Religionsunterricht werde in deutscher Sprache, von in Deutschland in zwei Unterrichtsfächern ausgebildeten, regulären staatlichen Lehrkräften und nach staatlichen Curricula erteilt. Die neuen Unterrichtsangebote unterliegen der staatlichen Schulaufsicht. Es handele sich bei den Angeboten also keineswegs mehr um „Experimente“, wie es nach wie vor in manchen Medien dargestellt werde. „Auch wenn die Unterrichtsangebote in der Einführungsphase noch nicht überall in Hessen vorgehalten werden können, ist beabsichtigt, diese zukünftig dem Bedarf entsprechend landesweit auszubauen“, sagte Lorz und verwies dabei auch auf entsprechende Regelungen im aktuellen Koalitionsvertrag.

Mittlerweile 38 Schulen und 1180 Schülerinnen und Schüler in Hessen

Im Schuljahr 2013/2014 startete der Unterricht verteilt auf ganz Hessen an 27 Grundschulen und konnte mit Beginn dieses Schuljahres auf 38 Schulen ausgedehnt  werden. Derzeit nehmen 1180 Kinder der Jahrgänge 1 und 2 an hessischen Grundschulen am bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht teil. Die beiden Unterrichtsangebote – Ahmadiyya Muslim Jamaat und Ditib Hessen sunnitisch – werden dabei sukzessive von Klasse 1 beginnend eingeführt. Nach vier Jahren wäre der entsprechende Unterricht dann in allen Jahrgängen der beteiligten Grundschulen etabliert. Derzeit werden bereits die Kerncurricula für die Sekundarstufe I erarbeitet, damit die Schulkinder nach Verlassen der Klasse 4 nahtlos ein entsprechendes Unterrichtsangebot in der weiterführenden Schule nutzen können.  

Als größte Herausforderung bezeichnete Lorz aktuell die Ausbildung und Weiterbildung geeigneter Lehrkräfte. Die einjährige Weiterbildung findet für interessierte Lehrkräfte muslimischen Glaubens seit März 2013 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen statt. Am Weiterbildungskurs nehmen Lehrkräfte teil, die beide Staatsexamina in Hessen erlangt haben oder entsprechend gleichgestellte Abschlüsse vorweisen können und bereits an einer Schule unterrichten.

Religiöse Unterweisung erstmals Teil des staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags

„Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Bundeslandes haben in diesem Jahr Lehrkräfte muslimischen Glaubens die religionsgemeinschaftliche Bevollmächtigung (Lehrerlaubnis) durch die jeweilige Religionsgemeinschaft erhalten“, erläuterte Lorz. Die „Idschaza“ für den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht – Ditib Hessen sunnitisch – ist gleich zu stellen mit der „Vocatio“ für den evangelischen Religionsunterricht und die „Missio canonica“ für den katholischen Religionsunterricht. „Dieses ist insofern von weitreichender Tragweite, da nunmehr hessische Lehrerinnen und Lehrer muslimischen Glaubens nicht alleine als Person die Gleichwertigkeit zwischen den Religionen anerkennen und festschreiben, sondern dies auch im öffentlichen Leben als Staatsbeamte vertreten“, betonte der Minister.

Dieser Schritt sei für das jetzige wie auch zukünftige Zusammenleben der Menschen in unserem Lande von hohem Stellenwert. „Nicht länger wird die religiöse Unterweisung muslimischer Kinder den Koranschulen und Moscheen überlassen, sondern ist zu einem Bestandteil des Bildungs- und Erziehungsauftrages hessischer Schulen geworden.“ Die Lehrkräfte für die neuen Unterrichtsangebote seien wesentliches Bindeglied in die muslimischen Familien und Gemeinden hinein und garantierten einen qualitativen hochwertigen Unterricht, der auf der Grundlage eines soliden Weiterbildungsstudiums erfolge.

Zum Abschluss sendete Kultusminister Lorz den Musliminnen und Muslimen die herzlichsten Glückwünsche zum Opferfest, das am gestrigen Tag gefeiert wurde. Das islamische Opferfest (arabisch Id ul-Adha, türkisch Kurban Bayrami) ist neben dem Ramadanfest (arabisch Id-al Fitr) das bedeutendste Fest der Muslime.

Themengebiet: Bildung