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27.02.2014 - Land
Justizministerin Eva Kühne-Hörmann: "Das Päventionsprojekt 'Kein Täter werden' hilft pädophilen Männern"
Justizministerin Eva Kühne-Hörmann besuchte am Donnerstag  das Forschungs- und Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ am Universitätsklinikum Gießen und Marburg und wurde von dem Leiter des Präventionsprojektes Professor Johannes Kruse am Standort Gießen empfangen.

Im vergangenen Dezember startete das Forschungs- und Präventionsprojekt in Gießen. Die Kinderschutzstiftung Hänsel + Gretel als Projektpartner sowie die Hessische Landesregierung unterstützen das Präventionsprojekt. Durch eine Anschubfinanzierung des Landes in Höhe von 310.000 Euro wurde es möglich, an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum in Gießen einen weiteren Standort des bundesweiten Netzwerkes „Kein Täter werden“ zu gründen.

Standorte in Berlin, Kiel, Hamburg, Hannover, Stralsund, Leipzig und Regensburg

Es gibt nunmehr acht Standorte des Netzwerkes. Die weiteren sind Berlin, Kiel, Hamburg, Hannover, Stralsund, Leipzig und Regensburg. Das Forschungsprojekt am Universitätsklinikum „Kein Täter werden“ kooperiert mit dem Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité in Berlin.

„Das Projekt eröffnet die Möglichkeit, gefährdete Männer zu erreichen und ihnen therapeutische Hilfe anzubieten, bevor sie aufgrund ihrer Neigung Missbrauchstaten an Kindern begehen“, sagte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. „Ziel des Präventionsprojektes ist es, Sexualstraftaten an Kindern sowie den Konsum von Missbrauchsabbildungen bereits im Vorfeld zu verhindern.“

Durch Werbespots und Anzeigen werden die Betroffenen auf vorbeugende Therapiemöglichkeiten aufmerksam gemacht. Das Motto der Kampagne lautet: „Damit aus Fantasien keine Taten werden.“ Universitätsprofessor Johannes Kruse wirbt mit der Botschaft „Du bist nicht schuld an Deinen sexuellen Gefühlen, aber Du bist verantwortlich für Dein sexuelles Verhalten. Es gibt Hilfe.“

In Deutschland gibt es etwa 250.000 Betroffene mit pädophilen Neigungen und hochgerechnet ca. 50.000 Missbrauchsfälle im Jahr. Auf Hessen bezogen sind dies 20.000 Betroffene und etwa 4.000 Missbrauchsfälle.

Der Landespräventionsrat hatte einen Aktionsplan des Landes Hessen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt angeregt. Wer die Therapie an einem der Standorte in Anspruch nehmen will, muss bezüglich seiner auf Kinder gerichteten sexuellen Impulse über ein Problembewusstsein verfügen und von sich aus therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Geeignet für das Therapieprogramm sind:
  • Personen, die bisher weder sexuelle Übergriffe auf Minderjährige begangen noch Konsum von Missbrauchsabbildungen genutzt haben, aber befürchten, diese in der Zukunft zu begehen (Zielgruppe 1 : potenzielle Täter)
  • Personen, die bereits sexuelle Übergriffe begangen oder Missbrauchsabbildungen genutzt haben, deren Taten aber den Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt sind (Zielgruppe 2 : Dunkelfeldtäter)
  • Personen, die in der Vergangenheit wegen sexuellen Kindesmissbrauchs und/oder Nutzung von Kinderpornographie angezeigt und/oder rechtskräftig verurteilt wurden und ihre Strafe vollständig verbüßt haben und nicht mehr unter Aufsicht durch die Justiz stehen  (Zielgruppe 3 : Ex-Hellfeldtäter)

Nicht geeignet für das Therapieprogramm sind im Hinblick auf die Freiwilligkeit der Teilnahme Personen, gegen die aktuell wegen möglicher Straftaten ermittelt wird, die ihre Strafe nicht vollständig verbüßt haben und/oder deren Urteile etnsprechende Therapieauflagen bzw. -weisungen beinhalten.

Pädophilie entwickelt sich in der Pubertät. Der betroffene Mann hat sich diese Neigung nicht ausgesucht. Ziel der verhaltenstherapeutischen, ggf. mit triebdämpfenden Mitteln unterstützten Behandlung ist es zu lernen, mit der Störung umzugehen, die Neigung nicht auszuleben und die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Kinder nicht zu Opfern werden.

Ein weltweit einmaliger Therapieansatz

„Der Therapieansatz in Gießen ist weltweit einmalig, weil er in einem frühen Stadium einsetzt, damit Betroffene sich ihrer sexuellen Neigungen bewusst werden und für eine Therapie gewonnen werden können. So schützen wir die betroffenen Männer und die Kinder“, sagt Justizministerin Eva Kühne-Hörmann.

Die Therapie integriert verhaltenstherapeutische und sexualmedizinische Ansätze, die die Möglichkeit einer medikamentösen Unterstützung beinhalten. Interessenten, die sich um einen der Therapieplätze bewerben wollen, sollten folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen hinsichtlich ihrer pädophilen Neigung über ein Problembewusstsein verfügen und aus diesem Grund von sich aus und ohne gerichtlichen Druck therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Werden sie in das Projekt aufgenommen, können sie anonym und kostenlos sowie durch die ärztliche Schweigepflicht geschützt sowohl eine diagnostische Abklärung ihrer Neigung als auch therapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen.

Durch eine qualifizierte Behandlung können sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche verhindert werden

Das Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ wurde 2005 am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Berliner Charité gegründet. Die bisherigen Erfahrungen belegen, dass Betroffene mit pädophiler Neigung über Medienkampagnen und Öffentlichkeitsarbeit für eine präventive Therapie erreichbar sind. Die bislang gewonnen Erfahrungen zeigen, dass durch eine qualifizierte Behandlung sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche verhindert werden können.

In Gießen ist es seit dem Start Anfang Dezember 2013 bereits zu ca. 80 Kontaktaufnahmen gekommen, aus denen Behandlungsgruppen (für eine Gruppentherapie) gebildet werden. Bei dem Präventionsprojekt  „Kein Täter werden“ geht es aber nicht nur um die Therapie der betroffenen Männer, sondern zugleich auch um die medizinische Forschung, die sich u.a. mit den psychosomatischen Folgen des Missbrauchs und Traumatisierungen befasst sowie der Frage nachgeht, ob Opfer von Missbrauch später zum Täter werden und die ggf. therapeutisch beeinflussbar sind. Der Dekan der medizinischen Fakultät am Universitätsklinikum tritt dafür ein, die Arbeit der Ambulanz auch in die Lehre zu integrieren.

„Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, mit der Anschubfinanzierung von 310.000 Euro auch für Hessen einen Standort des Präventionsnetzwerkes zu gründen. Die Mittel für diese Aufgabe sind gut angelegtes Geld“, so Ministerin Kühne-Hörmann.
Themengebiet: Justiz, Prävention