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31.01.2014 - Land
Kultusminister Ralph Alexander Lorz: "Auf die Qualität des Unterrichts konzentrieren"
Kultusminister Ralph Alexander Lorz plädiert im Interview mit der HNA (Ausgabe vom 30.01.2014) für weniger Schulformdebatten und mehr guten Unterricht.

Herr Lorz, Sie sind mehrfach zwischen Universität und Politik hin- und hergewechselt. Sind Sie nun endgültig in der Politik angekommen?

LORZ: Politische Ämter werden immer nur auf Zeit vergeben. Ich will jetzt den bestmöglichen Job machen. Über die Zeit danach mache ich mir noch keine Gedanken. Aber ganz werde ich die Wissenschaft nie verlassen.

Das Kultusministerium gilt als vermintes Gelände. Wären Sie lieber Wissenschaftsminister geworden?

LORZ: Ich war dort ja auch Staatssekretär, mir liegen beide Bereiche nahe. Aber als mich der Ministerpräsident gefragt hat, ob ich Kultusminister werden will, war das so reizvoll, dass ich sofort zugestimmt habe.

Die Grünen haben im Koalitionsvertrag ihre Idee durchgesetzt, einen Schulfrieden in Hessen zu vereinbaren, auf den sich alle Parteien und alle an Schulen Beteiligte einigen. Halten Sie das für machbar?

LORZ: Ich finde, man sollte mit der Hoffnung daran gehen, dass es klappt. Eine Garantie gibt es bei so vielen Beteiligten nicht. Aber die Mühe lohnt sich.

Die SPD signalisiert Gesprächsbereitschaft, es dürfe aber nicht der Status quo festgeschrieben werden. Wie sehen Sie das?

LORZ: Natürlich werden alle Beteiligten versuchen, einen für sie bedeutenden Punkt unterzubringen. Welche Kompromisse möglich sind, werden die Gespräche zeigen. Für uns ist wichtig, dass wir die Vielfalt des Schulsystems erhalten, denn wir sind skeptisch gegenüber allen Zwangslösungen.

Es gibt durchaus Eltern, die längeres gemeinsames Lernen befürworten. Integrierte Gesamtschulen sollen das machen können. Wann werden Sie das Schulgesetz ändern?

LORZ: Zunächst werden wir die Änderungen für G8 und G9 vornehmen, die es auch fünften und sechsten Klassen ermöglichen sollen, zu G9 zurückzukehren. Das muss zum Schuljahresbeginn fertig sein. Alles andere werden wir mit der gebotenen Zügigkeit, aber auch mit Ruhe angehen.

Kann man die Vielfalt von Schulformen dauerhaft anbieten, wenn die Schülerzahlen weiter sinken?

LORZ: Mein Ziel ist, endlich von den Schulformdebatten wegzukommen und uns auf die Qualität des Unterrichts zu konzentrieren. Das ist viel wichtiger. Guten Unterricht kann es beim gemeinsamen Lernen genauso geben wie im gegliederten Schulsystem. Entscheidend ist, wie Lehrer Inhalte vermitteln.

Kommt es nicht ohnehin vor allem auf den Lehrer an?

LORZ: Dem stimme ich sehr überzeugt zu, auch wenn man äußere Bedingungen nicht ganz ausblenden kann.

Wie wollen Sie die Unterrichtsqualität verbessern?

LORZ: Wir wollen zum Beispiel das bereits beschlossene Praxissemester in Zusammenarbeit mit den Universitäten weiterentwickeln. Wichtig ist auch, Studium, Referendariat und Fort- und Weiterbildung enger zu verzahnen.

Sie wollen Ganztagsangebote fördern. Reicht da ein Pakt am Nachmittag für die jüngeren Kinder?

LORZ: Ganztagsangebote sollten sich am Bedarf orientieren und auf Freiwilligkeit beruhen. Außerdem braucht es dazu einen langen Atem. Deshalb wollen wir uns jetzt sehr bewusst und mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten des Landes erst auf die Grundschulen konzentrieren.

Können sich arme Kommunen den Pakt denn leisten?

LORZ: Wir werden sehen, ob das ein Problem ist. In den Kommunen passiert ja schon viel, und es gibt auch private Initiativen, die natürlich einbezogen werden sollen. Unser Angebot ist, die Bildung und Betreuung bis 14.30 Uhr zu übernehmen.

Wie wollen Sie die Inklusion weiter voranbringen?

LORZ: Auch Regelschulen sollen wieder feste Förderschulpädagogen bekommen können. Das muss aber nicht überall so sein, es hängt von den konkreten Verhältnissen vor Ort ab. Wir wollen im Dialog mit den Schulträgern gemeinsam passgenaue Lösungen entwickeln. Deshalb gibt es jetzt Modellregionen.

Im Schulgesetz steht zurzeit noch, dass die gemeinsame Beschulung behinderter und nichtbehinderter Kinder von den personellen, räumlichen und damit auch von den finanziellen Bedingungen abhängt. Wollen Sie diesen umstrittenen Passus streichen?

LORZ: Es wäre nicht ehrlich Dinge zu versprechen, die man nicht halten kann. Im Übrigen haben wir in Deutschland zurzeit gar nicht genug Förderschullehrer, um flächendeckend Inklusion zu realisieren. Wichtig ist, dass es in die richtige Richtung geht. Wir haben ein sehr gutes Förderschulsystem, für Kinder mit Förderbedarf muss die Qualität des Unterrichts an der Regelschule deshalb mindestens genauso gut sein.

Das Interview führte Petra Wettlaufer-Pohl
Themengebiet: Bildung, CDU