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03.01.2014 - Land
Innenminister Boris Rhein: "Polizeieinsätze beim Fußball bleiben auf hohem Niveau - Fans disziplinierter"

Innenminister Boris Rhein veröffentlichte heute die polizeiliche Einsatzbilanz für die Fußballsaison 2012/2013. Demnach begleitete die Polizei in Hessen insgesamt 164 Spiele in den ersten vier Ligen mit entsprechenden Maßnahmen. Obwohl dies 22 Spiele mehr als in der Vorsaison waren, sank die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren von 410 auf 368. In der Vorsaison musste die Polizei 136 Personen in polizeiliches Gewahrsam nehmen. In der abgelaufenen Spielzeit waren es 50, was einen Rückgang von mehr als 63 Prozent bedeutet.

Innenminister Boris Rhein: „Die gewalttätigen Ausschreitungen von sogenannten Fußballfans und die hierdurch erforderlichen polizeilichen Maßnahmen bewegen sich zwar seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Allerdings zeigen die Rückgänge bei den eingeleiteten Strafverfahren und insbesondere bei den verletzten Personen einen erfreulichen Trend.“

Registrierte die Polizei in der Saison 2011/2012 noch 216 verletzte Personen waren es aktuell noch 74 Verletzte – das ist ein Rückgang von mehr als 65 Prozent.

Unerfreulich ist jedoch, dass unter den 74 Verletzten insgesamt 41 verletzte Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte sind. In der Vorsaison waren es 27. Allein beim Spiel der Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Nürnberg gab es 19 verletzte Polizisten.

„Das ist eine alarmierende Entwicklung, die ich mit Sorge beobachte. Es kann und darf nicht sein, dass die Beamtinnen und Beamten - die täglich im wahrsten Sinne des Wortes ihren Kopf für unsere Gesellschaft hinhalten, gezielten Angriffen von Chaoten ausgesetzt sind. Sie schaden mit ihren Aktionen nicht nur unseren Polizistinnen und Polizisten. Sie schaden damit insbesondere dem Fußball. Die Gewalt gegen Polizeibeamte muss aufhören. Deshalb strebe ich nach wie vor einen gesonderten Schutzparagraphen für Schutzleute an. Wünschenswert wäre zudem eine zeitnahe Verfolgung erkannter Straftäter nach dem Grundsatz: Die Strafe muss auf dem Fuß folgen“, so Innenminister Boris Rhein.

Die Anzahl der Problemfans mit 1230 Personen, ist im Vergleich zur Saison 2011/2012 gleich geblieben, die Einsatzbelastung der Polizei ist dennoch erstmals seit 2009 leicht zurückgegangen – von rund 123.000 Stunden auf rund 115.000 Stunden. Insofern reduzierten sich auch die Einsatzkosten von durchschnittlich 47.000 Euro auf rund 41.000 Euro pro Spiel.

„Das ist aus meiner Sicht nicht nur eine erfreuliche Entwicklung, sondern eine erste Trendwende und ein weiterer Indikator dafür, dass unser Maßnahmenbündel greift. Hinzu kommt ein Umdenken bei den Vereinen, die inzwischen teils erheblich in die Sicherheit investiert haben. Zudem hat auch der Großteil der Fans unsere Maßnahmen akzeptiert. Hierfür möchte ich herzlich danken, ohne dieses kooperative Verhalten wären diese ersten Erfolge nicht möglich gewesen“, so Innenminister Boris Rhein.

In der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Vereinen ist es mittlerweile Standard, nach entsprechenden Anlässen Fall- und Ereigniskonferenzen durchzuführen, mit dem Ziel, zeitnah niederschwellige Verfehlungen zu sanktionieren. Ein mit Vereinen und Fanvertretungen abgestimmter „spieltagsorientierter Dialog“ steht für mehr Transparenz und Verständnis für das polizeiliche Tätigwerden. Die Erhöhung der finanziellen Zuwendungen durch das Land Hessen ermöglicht, dass die Vereine bestehende Fanprojekte aufstocken konnten und dass dort, wo es nötig ist, Fanarbeit entsteht – so hat der FSV Frankfurt beispielsweise erstmals ein eigenes Fanprojekt. Und auch in Kassel hat das Innenministerium durch eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 10.000 Euro erstmals eine kontinuierliche Fanarbeit ermöglicht. Kooperation und Kommunikation stehen auch künftig im Vordergrund des polizeilichen Einsatzkonzepts. Die Einsatzkräfte zielen auf ein jederzeit transparentes, verlässliches und differenziertes Handeln ab.

„Der friedliche Fan darf keine Angst haben, wenn er zu einem Fußballspiel geht. Neben allen dialogorientierten Maßnahmen ist eines aber auch ganz klar: es gibt keine rechtsfreien Räume. Weder in noch außerhalb der Stadien. Trotz der grundsätzlich positiven Entwicklungen bereiten mir jedoch einige Aspekte weiterhin Sorge. Dazu zählt beispielsweise der Fanreiseverkehr, der alle Netzwerkpartner vor große Herausforderungen stellt“, erklärt Innenminister Boris Rhein.

An jedem Spieltag nutzen zahlreiche Fans Hessen als Transitland, um zum Stadion zu kommen. Während die Vereine und Kommunen die Sicherheitsstrukturen in den Stadien immer weiter verbessern, haben sich gewaltsame Aktionen und damit einhergehende Straftaten teilweise auf die Reisewege verlagert.

Beispiel Oktober 2012. Nach einem zufälligen Aufeinandertreffen zwischen Anhängern von Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach am Autohof in Gießen-Lützelinden kam es zu einer wilden Schlägerei mit sechs verletzten Personen.

Beispiel November 2012 nach einem zufälligen Aufeinandertreffen von Anhängern Hansa Rostocks und Hertha BSC Berlin an der Tank- und Rastanlage Reinhardshain (BAB 5) vermummten sich 40-50 Rostocker und griffen die Hertha-Fans an. Auch hier waren sechs Verletzte zu beklagen.

Auf diese Herausforderungen hat sich die hessische Polizei konzeptionell eingestellt. Die Landesinformationsstelle Sport im Landespolizeipräsidium analysiert und bewertet die Reisebewegungen.

„Die Reise zum Auswärtsspiel mutiert immer mehr zum alkoholbenebelten Event, bei dem proportional mit zunehmendem Alkoholpegel die Hemmungen fallen“, so Innenminister Boris Rhein.

Trotz einer klaren Absage von Verbänden und Vereinen zum Gebrauch von Pyrotechnik stellt die Polizei immer wieder den Einsatz von Leuchtfackeln und Böllern sowohl im Stadion, als auch auf den An- und Abmarschwegen fest. Daraus ergeben sich zum Teil unkalkulierbare Gefahren und Risiken für Stadionbesucher sowie Sicherheits- und Rettungskräfte. Insbesondere bei Auswärtsspielen ist verstärkt der Gebrauch von Pyrotechnik zu beobachten.

„Ich bin sehr erfreut, dass es seitens der Vereine eine einheitliche, ablehnende Haltung zum Einsatz der Pyrotechnik gibt. Im Einvernehmen mit dem Hessischen Fußballverband, dem DFB und der DFL geht die Hessische Polizei konsequent gegen das Zünden von Bengalos, Rauchtöpfen oder Böller vor“, so Innenminister Boris Rhein.

Eine weitere Herausforderung stellt die Dialogbereitschaft der unterschiedlichen Fangruppierungen dar. Nach wie vor gibt es von Seiten der zahlenmäßig großen und heterogenen Ultragruppierungen keinen Dialog mit der Polizei. Sie betrachten Polizei als Feindbild und lehnen jegliche Kommunikation mit der Polizei ab.

„Wir wollen die deutsche Fankultur erhalten, mit den Stehplätzen, mit maßvollen Einlasskontrollen, ohne personifizierte Eintrittskarten – dies erfordert jedoch Dialogbereitschaft von allen Beteiligten. Daneben appelliere ich an die friedlichen Fußballfans sich noch deutlicher von Gewalttätern zu distanzieren. Lassen Sie uns gemeinsam für den Fußball und gegen Gewalt eintreten“, erklärte Innenminister Boris Rhein abschließend.

Themengebiet: Innere Sicherheit, Sport