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28.03.2013 - Land
Dr. Christean Wagner im Interview: "Das Tanzverbot macht Sinn"
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Christean Wagner, spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die Aktualität des hessischen Feiertagsgesetzes und erklärt, warum auch heute noch das Tanzverbot Sinn macht. Lesen Sie hier das Interview:

Frankfurter Rundschau: Herr Wagner, ist das hessische Feiertagsgesetz noch aktuell?

Dr. Christean Wagner: Es ist aktuell wie eh und je. Diese Aktualität wird ja auch nicht von einem Großteil der Bevölkerung in Frage gestellt, sondern von einer Minderheit der Grünen und der Piraten und einigen anderen.

Frankfurter Rundschau: Inwiefern fühlen Sie sich verletzt, wenn an einem Tag religiöser Trauer wie dem Karfreitag getanzt wird?

Dr. Christean Wagner: Am Karfreitag ist nach unserem Gesetz den ganzen Tag über Stille. Das hat seinen Sinn. Das ist nicht einfach ein arbeitsfreier Tag. Dieser Tag hat sein Zentrum in dem Gedenken an den Kreuzestod von Jesus Christus. Dieser wiederum kann nur gemeinsam mit der Auferstehung an Ostern drei Tage später gedacht werden. Deshalb ist es auch eine Frage der religiösen Gefühle, dass diese Stille, das In-sich-kehren, das Besinnen auf das Zentrum des eigenen christlichen Glaubens nicht öffentlich gestört wird. Im Übrigen ist das vom Grundgesetz und der hessischen Landesverfassung ausdrücklich geschützt.

Frankfurter Rundschau: Tanzen galt in den 50er Jahren als Inbegriff des weltlichen Vergnügens. Ist das Gesetz an dieser Stelle noch zeitgemäß?

Dr. Christean Wagner: Zunächst mal ist Tanzen eine wunderbare Tätigkeit. Ich tanze gerne. Das ist etwas Schönes und Positives. Aber am Karfreitag verträgt sich eine öffentliche Tanzveranstaltung nicht mit dem Kerngehalt unseres christlichen Glaubens. Am Ostersonntag und am Ostermontag ist die Rechtslage völlig anders. Da soll zwischen 4 und 12 Uhr keine öffentliche Veranstaltung die Einkehrstille stören. Aber am Ostersonntag ab 12 Uhr kann es öffentliche Tanzveranstaltungen geben. Ich glaube, das ist nicht der Punkt, den Grüne und Piraten wollen. Die wollen nach meiner Überzeugung generell den besonderen Schutz christlicher Feiertage beseitigen.

Frankfurter Rundschau: Warum kann nicht beides nebeneinander bestehen – indem das Tanzen da erlaubt wird, wo es keine religiösen Veranstaltungen stört, zum Beispiel in Clubs?

Dr. Christean Wagner: Öffentliche Veranstaltungen können natürlich immer ein Stück Beunruhigung in die Öffentlichkeit hineintragen. Was jeder privat hinter verschlossenen Türen tut oder lässt, das kann er halten, wie er will. Er kann gerne in seinem Wohnzimmer tanzen, wenn er das schön findet. Hier geht es um den öffentlichen Charakter, der in sich die Gefahr birgt, dass tiefere Gefühle von Christen verletzt werden könnten.

Frankfurter Rundschau: Die Kirchen zeigen sich aufgeschlossen für die Debatte. Beharren sie zu wenig auf dem Schutz der Religion?

Dr. Christean Wagner: Ich würde mir wünschen, dass die christlichen Kirchen mutiger die Glaubensinhalte unseres Christentums vertreten. Gesprächsbereitschaft zeigen ist das eine, klare Positionen beziehen das andere. Im Übrigen ist es mir ein permanentes Ärgernis, dass die höchste Repräsentantin meiner Kirche – Frau Göring-Eckardt - als Spitzenkandidatin der Grünen ständig gegen meine Partei polemisiert. Als Spitzenkandidatin darf sie das, aber sie darf es nicht als Spitzen-Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es reicht nicht, dass sie sagt, sie lasse dieses Amt ruhen. Da soll sie lieber ehrlich sein und sagen, sie legt dieses Amt nieder.

Frankfurter Rundschau: In anderen Bundesländern gibt es Änderungen des Feiertagsgesetzes, die auf Muslime eingehen. So dürfen in Berlin Schüler islamischen Glaubens am Tag des Fastenbrechens und beim Opferfest einen Tag unterrichtsfrei nehmen. Wäre das was für Hessen?

Dr. Christean Wagner: Das steht in Hessen überhaupt nicht zur Diskussion. Mir fällt dazu nur ein, dass in Berlin bedauerlicherweise der Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen abgeschafft worden ist. Deshalb kann Berlin für mich generell kein Vorbild sein.

Frankfurter Rundschau: Die Grüne Jugend hat Sie zur Diskussion für Ostersonntag eingeladen. Gehen Sie hin?

Dr. Christean Wagner: Erstens würde ich die Grüne Jugend mit ihrem von mir überhaupt nicht geteilten Ansinnen, den gesetzlichen Schutz von christlichen Feiertagen zu beschädigen, durch meine Teilnahme noch besonders aufwerten. Zum zweiten bin ich gar nicht da. Selbst wenn ich wollte, könnte ich gar nicht teilnehmen. Ich bin mit meiner Frau in der Westtürkei, auf den Spuren von Paulus. Das ist für mich ein Stück gelebten christlichen Glaubens.

Die Fragen stellte Pitt von Bebenburg.
Themengebiet: Kirchen, CDU, Interview