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10.09.2011 - Land
Ministerpräsident Volker Bouffier im Interview: "Eine große Chance für Opel"
Vergangene Woche hat Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier in Detroit die Zentrale des Opel-Mutterkonzerns General Motors besucht. Das Darmstädter Echo hat den CDU-Politiker zu seinen Eindrücken befragt und mit ihm über die Zukunft des Rüsselsheimer Autobauers und den Absatzmarkt China gesprochen. Lesen Sie hier das Interview:

Darmstädter Echo: Herr Ministerpräsident, Sie waren gerade in den USA bei General Motors. Welche Botschaft bringen Sie mit nach Hessen?

Volker Bouffier: Ich habe mit dem GM-Vizepräsidenten Robert Ferguson gesprochen und bin sehr froh, dass er eine Bestandsgarantie für Opel Rüsselsheim gegeben hat. Die nächsten 15 Jahre soll Opel auf jeden Fall Bestandteil von GM bleiben. Ich denke, von solch klaren Worten kommt ein Unternehmen nicht mehr weg.

Darmstädter Echo: Das klingt zwar gut, aber im Krisenfall ist doch eine Bestandsgarantie nicht mehr viel wert? 

Volker Bouffier: Ferguson hat sehr schlüssige Gründe angeführt, warum GM dauerhaft Opel Rüsselsheim behalten will. Opel hat zwei Funktionen, die für den GM-Gesamtkonzern von großer Bedeutung sind: Das eine ist das Entwicklungszentrum, das GM für ein Kernelement des ganzen Konzerns hält. Das zweite ist der attraktive Standort Hessen, die gute Infrastruktur und die sehr qualifizierte Mitarbeiterschaft.

Darmstädter Echo: Woran machen Sie die von ihnen so positiv geschilderte Haltung gegenüber Rüsselsheim fest?

Volker Bouffier: Es wird einen massiven Ausbau der Produktion in Rüsselsheim geben. Ab kommendem Januar wird dort nicht nur der lnsignia gebaut, sondern auch der Astra.

Darmstädter Echo: Die deutschen Autobauer verbuchen die höchsten Absatz-Zuwächse in Schwellenländer wie Brasilien und China. Opel wird das jedoch weitgehend verwehrt von General Motors aus Rücksicht auf andere GM-Marken wie Chevrolet. Wie fair geht GM bei dieser Frage mit Opel um?

Volker Bouffier: Als Hessen wünschen wir uns, dass Opel auf der ganzen Welt seine Autos verkaufen darf. Ich kann aber einem Weltkonzern nicht seine Strategie vorschreiben. Wichtig ist aber, dass die enge Vorgabe, Opel-Autos nur in bestimmte Länder zu verkaufen, in den vergangenen Jahren aufgeweicht wurde.

Darmstädter Echo: Dennoch: Bei den bestehenden Restriktionen kann sich Opel doch nicht zukunftsfähig entwickeln?

Volker Bouffier: Ich wünsche mir, dass Opel künftig in mehr Länder exportieren darf. Aber ich bin erst einmal froh, wie Opel heute im Vergleich zu 2009 dasteht: wesentlich besser.

Darmstädter Echo: Der größte Wachstumsmarkt im Autobereich ist China, Opel darf nur ein kleines Segment seiner Palette dorthin exportieren. Das ist doch kaum gutzuheißen?

Volker Bouffier: Bei GM in Detroit wird überlegt, den chinesischen Markt für Opel weiter zu öffnen. China ist für GM ein so großer Markt, dass der Konzern glaubt, dort künftig mit mehr Marken präsent sein zu können. Darin liegt eine große Chance für Opel.

Darmstädter Echo: Über welche Größenordnung reden wir?

Volker Bouffier: Wie umfangreich weitere Margen für Opel in China ausfallen können, vermag ich nicht zu beurteilen.

Darmstädter Echo: Was kann denn das Land Hessen für Opel tun?

Volker Bouffier: Wir wollen Hessen und das Rhein-Main-Gebiet zu einer der führenden Modellregionen im Bereich Elektromobilität ausbauen. Davon können auch General Motors und Opel profitieren. Hessen soll Ideenschmiede und Experimentierfeld für Neuentwicklungen in dem Bereich werden.

Darmstädter Echo: Hessen setzt als Land weiter auf das Auto, wenn auch auf das Elektroauto?

Volker Bouffier: Das Auto wird noch lange Zeit das zentrale Mittel der Mobilität sein, vor allem in ländlichen Gebieten. Unsere Aufgabe muss sein, nicht weniger Autos zu bauen, aber weniger Schadstoffe zu emittieren und die Umweltverschmutzung zu senken.

Darmstädter Echo: Vor einigen Monaten hat der grüne Ministerpräsident in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, gesagt:"Weniger Autos sind natürlich besser als mehr." Liegt er da richtig?

Volker Bouffier: Nein, weniger Autos bedeuten auch weniger Arbeitsplätze.

Darmstädter Echo: Sehen Sie bei Grünen-Politikern eine autofeindliche Grundstimmung?

Volker Bouffier: Da muss man differenzieren. Dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann kann man aufgrund seiner Äußerungen eher eine autofeindliche Grundhaltung unterstellen. Aber es gibt Grüne mit einer vernünftigen Haltung. Die Grünen haben in den vergangenen Jahrzehnten aus meiner Sicht eine weite Wegstrecke zurückgelegt, hin zu mehr praktischer Vernunft.

Die Fragen stellte Johannes Bentrup.
Themengebiet: Wirtschaft, Interview